Exclusive-Life driven by exception

Peugeot 508 PSE

Peugeot 508 PSE – Lust im France-Express

Ja, lustig war´s. Wie erwartet, wie so oft, wenn Franzosen Franzosen sind. Filigran, raffiniert, einen Tick pittoresque und dank der drei Buchstaben: schnell und lustvoll. Wir waren in zwei 508 unterwegs. Mal nur cool und mal praktisch cool. 

Tagsüber in Rüsselsheim, wir tauschen. Den Kombi gegen die Limousine. 360 PS gegen 360 PS. Hybrid gegen Hybrid. Erst knapp 650 Kilometer im SW von Hamburg runter ins Hessenland und dann wieder zurück. Zwischendrin Aufladen, den Akku, auf dass der Franzose seine gesamte Bandbreite an Dynamik und Effizienz präsentieren kann. Er soll um fünf Liter Benzin trinken, wenn man den Gasfuß nur sachte und mit Bedacht senkt. Und wenn man den richtigen Fahrmodus wählt: Hybrid. Heftige Beschleunigungsarien sind des Guten zu viel. Zweistellig kann es dann werden. Bei Literpreisen jenseits der zwei Euro Marke werden, abgesehen davon ist der 43-Liter fassende Tank dann doch recht schnell leer. Zudem leert sich der Akku doch recht schnell, und dann lassen die zwei E-Motoren den 4-Zylinder im Stich und der Wagen wird nur noch mit lächerlichen 200 PS angetrieben.


Zuerst in der Stadt. Mädels lächeln, hätten gern auch so einen. Mit Streifen und Zunder und diesem leicht britischen Sound. Wir sitzen auf Leder, der Wahlhebel schaut ein wenig zu wuchtig aus, die kleinen, silbern glänzenden Kipphebel verbinden den aktuellen mit dem klassischen Mini der 60er Jahre. Das Lenkrad ist erfreulich dünn mit Schaltern besiedelt, das HeadUp-Display liefert seine Informationen klar und deutlich. Das Thema Bedienung ist unserm Testwagen extrem wichtig. Reinsetzen, Einschalten, Losfahren. Fertig. 


Mini-Feeling oder Cart-Feeling. Seit der Mini laufen kann, werden emotionale Regungen über das Fahrverhalten erzeugt. Vier Räder, ganz dicht an den Ecken angebracht, beim alten Mini Cooper S reichten 70 PS, weil früher nur rund 700 Kilo an Masse bewegt werden mussten. Heute reden wir über knapp 1.400 Kilo. Deshalb für den stärksten Mini eben 231 Pferdestärken. Andere Kompakte rennen mit mehr Wumms umher, bis 300 PS sind keine Seltenheit. Der Mini spielt da nicht mit, ist in seiner eigenen Liga unterwegs. Mehr Lifestyle, mehr Farbe, mehr City, mehr Fashion und mehr Interieur-Design.  


Er kann in Kurven rennen und wieder hinaus. Mehr Sportler ohne Dach und zu Viert geht kaum, in dieser Preisklasse und mit diesem „Must-Have-Feeling“ im Gepäck. Die Lenkung so irre direkt, das Fahrwerk so perfekt auf die Schnittmenge aus „knochenhart und zivilisiert“ abgestimmt. Cruisen geht immer, mal dem Frosch die Locken aus dem Haupthaar ballern geht auch. Und Einparken geht immer irgendwie. Zwei Wochen haben wir den Kleinen erlebt, seine Kräfte, seine Technik und diesen Mix aus Tradition und Moderne. Sie haben den klassenlosen Klassiker zum Botschafter der Lifestyle-Fraktion erhoben und wer auch immer aus dem JCW Cabrio aussteigt, wird sich ein Lächeln nicht verkneifen können.


Was zeichnet ihn aus, den offenen John Cooper Works?

Mechanische Kraftentfaltung plus Sound aus der Abgasanlage, der Blick auf den Drehzahlanzeiger, die Schaltpaddel mit deren Hilfe man den Vierzylinder immer wieder auf Touren bringen kann und wer will, kann ab und an John Cooper lächelnd im Rückspiegel sehen.


Paradigmenwechsel in Oxford?


Er summt, er springt nach vorn, er sieht aus wie ein moderner Mini. Hatchback, nur ohne Endrohre. Ohne hörbare Drehzahl, ohne Schaltwippen, dafür mit dem berühmten Bohrmaschinen-Effekt. Der Fuß tätschelt das Gaspedal und der Wagen neben dir fragt sich, was das denn schon wieder war. Lautlos, ein wenig surrend, ungeduldig und nach vorn rennend, wie ein Windhund. Nur ohne Plastik-Häschen vor der Nase. 


Aussen wie Innen ein echter Mini, der große, runde Monitor mit LED-Umrandung für die Stimmung im Wagen. Überhaupt Stimmung. Lifestyle zählt, das Mini-Feeling ein Muss. Die Räder an den Ecken, die Lenkung direkt, dazu der ansatzlose Vortrieb. Vor allem in der City, weil du dann jede Straßenecke zu deinem Revier erklärst und aus Cruisen eben Speed-Cruising wird. 


150 km/h maximal, damit der Strom im Akku nicht schneller vergeht, als man nachladen kann. Masse in Bewegung kostet Energie, Masse schnell in Bewegung kostet mehr Energie. Ein Akku mit dem Fassungsvermögen von rund 30 kW/h ist schnell leer und weil man diesem Mini noch keine Schnelllade-Technik eingebaut hat, muss man an der Ladesäule schon mal zwei Kaffee Creme trinken. Maximal 230 Kilometer kann er fahren, wenn´s pressiert, ruft nach 180 km der Ladestandanzeiger zur Säule. 


Lässt man ihn aber in Ruhe, keine Ampelrennen, keine Kopf-an-die Stütze-Starts, plus Rekuperations-Oasen, dann lesen wir 15 Komma Irgendwas auf dem Monitor. Der Mini SE kann recht genügsam sein und den dicken, schweren Kollegen die Zunge rausstrecken. Wenn man ihn laufen läßt und den Gasfuß öfter mal liftet. In der Stadt, dort wo Verbrenner besonders viel Nahrung brauchen, ist der Synchronmotor in seinem Element. Auch das macht den Mini SE zum perfekten Stadt-Lifesytle-Mobil. 


Und jetzt? Ein Vergleich?

Nur am Rande. Mechanik contra Elektrik? Der SE surrt, der JCW brummt und röhrt. Der SE springt aus dem Stand nach vorn, der JCW kann 240. Der JCW kann raus der Kurve, vorher zwei Gänge runter und mit Gebrüll auf die Gerade.Der SE dagegen zieht seine Bahn wie ein Planet, lautlos, linear, fast klinisch und irgendwie cool. 


Der JCW steht voll ausgestattet vor der Tür, eine ganze Armada an Stellmotoren surrt, schiebt, zieht, hebt und senkt. Dazu alle erdenklichen Helferlein, die den Briten in der Spur halten. Sitzheizung plus Lifestyle-Dinge, die den Viersitzer in eine Party-Zone verwandeln können. Stimmungslicht, eine exzellente Soundanlage plus ein ganzes Warenhaus an Zubehör. 


Der SE ist der Purist, wenn es um Komfort geht. Jeder Verbraucher, der am Akku saugt, ist der Feind der Reichweite. Deshalb gilt: mit der rechten Hand den Hebel unter dem Sitz ziehen und mit Muskelkraft den Stuhl schieben. Was uns an alte Zeiten erinnert, ist er Duft des Verzichts zugunsten einiger Kilometer mehr bis zur nächsten Ladestelle. 


Beide sind Minis, optisch sowieso, und mit dem Cart-Feeling auch irgendwie typisch. Dass man, leider, dem SE ganz schön lange zusehen muss, wenn er futtert, ist ein Nachteil. Eine Wallbox in der Garage ist für diesen Mini die wohl beste Wahl, laden über Nacht. Und die Stadt als Revier kommt dem kleinen Akku entgegen. 

Der JCW dagegen langweilt sich hier fast, maximal 50 km/h sind nicht annähernd genug, damit dem stärksten Mini die Freudentränen aus den Kulleraugen laufen. Er will raus, einem Jagdhund gleich, um Ecken rennen und seine sportliche Vergangenheit einholen. 


Geht es um Emotionen, den Kick, die Lust und das „must have“-Ding, siegt der JCW eindeutig. Noch. Denn die Entwicklung des SE, wie bei allem E-Autos, steckt noch in den Kinderschuhen, inklusive der Ladeinfrastruktur. Der Vergleich hinkt also. 



Fotos: MINI