Exclusive-Life driven by exception

Motor: 2 Asynchronmotoren

Systemleistung: 299 PS

Systemdrehmoment: 460 Nm

Antrieb: Allrad

Getriebe: 2-Stufen

Trockengewicht: 2.150 kg

Akku: 82 kWh

Fahrleistungen und Verbrauch:

0-100 km/h: 6,2 s

Top Speed: 180 km/h

Verbrauch NEFZ: 18,1 bis 19,1 kWh/100 km

Reichweite WLTP: 482 km

Preis in Deutschland ab: 50.415,00 Euro

Fahrbericht VW ID.4 GTX

Durch den Harz, mit zwei Motoren, knapp 300 PS, Allrad und Neugier an Bord. Kann dieser Volkswagen seinen Preis rechtfertigen?

Na klar, 300 PS sind, auch in einem 2,2 Tonnen schweren, Viersitzer plus Ladefläche weiter hinten, schon zackig. Und im Harz gibt es Berge, nicht sehr hohe, aber es sind Steigungen. Und mit 460 Newtonmeter ist der ID.4 nicht gerade ein Schmalspur-Elektriker. Er ist das Flaggschiff, der Sportler unter den E-VWs.


Technisch sitzt der GTX auf der gleichen Plattform wie der Audi Q4 50 E-Tron AWD. Beide sind die sportlichsten ihrer Familie und natürlich auch die teuersten. Der ist rund 3.000 Euro teurer als sein Kollege aus Wolfsburg.


Und für knapp 50.000 Euro liefert VW einen viereinhalb Meter langen SUV mit einem Hinterteil, das im Ansatz an einem Coupé sitzen könnte. Aber nur im Ansatz, denn ein SUV im mittleren Größensegment braucht eine Ladeluke und dahinter ein wenig Raum. Dass es ab der B-Säule ein wenig nach unten geht, ist dem allgemeinen Trend nach Eleganz geschuldet und der fordert eben die Coupé-Linie. So auch beim GTX, der den Sportler geben soll und auch geben kann.


Dass auch der ID.4 GTX dem allgemeinen ästhetischen VW-Regelwerk entspricht, ist klar. Die Nase wird vom VW-Logo dominiert, die Kühlermaske ist verschlossen und darunter, mit schwarzer Farbe versehen, eine große Öffnung plus zwei Kollegen links und rechts. Reifen, Bremsen, Akku und Motor brauchen Kühlung, sonst wird's eng mit der Fahrerei. Vor allem mit der schnelleren Gangart und genau das soll ja der GTX können. Der GTI mit dem X sozusagen.


Im Innenraum ebenfalls die übliche Nummer. Der aufrecht stehende Monitor auf der Mittelkonsole, wie ein Fels in der Brandung. Groß aber irgendwie nicht so edel, eher spartanisch. Der Inhalt: erwartbar. Navi, Handy-Kopplung, Musik, Einstellungen des Wagens.


Wir sitzen bequem, mit ein wenig mehr Seitenhalt. Rote Streifen begleiten unsere Augen, wir kennen das vom GTI. Und wir wundern uns, wie bei so vielen E-Autos, über die Mittelkonsole, die leer ist. Eine große Ablage mit Garagentor und zwei mal Cupholder für den Kaffee to drive.

Ansonsten, die übliche Ausstattung. Auf den ersten Blick spartanisch, weil eben so viele Knöpfe, Schalter und Regler entweder in den Monitor versetzt wurden oder auf den Lenkradspeichen sitzen. Auch das kennen wir aus den Innenräumen anderer Vollelektriker. Tesla hat in Sachen Trend setzen ganze Arbeit geleistet.

180 soll er können, mehr nicht, weil sonst der Akku schneller leer ist, als man ihn aufladen könnte. 125 kWh kann der Wagen verkraften. Das ist nicht die Welt aber immerhin. So man denn eine Ladestation findet, die das schafft. Wenn, dann reichen so rund 30 Minuten, bis wieder genug Saft im Tank liegt. Volkswagen gibt den Stromverbrauch mit 18,1 bis 19,1 kWh pro 100 Kilometer an. Wir wissen aus diversen Erfahrungen, dass der Mensch am Streuer da ein großen Wörtchen mitspricht. Vor allem, wenn unter der Haube 299 PS locken.


Der obligatorische Blitzstart, als Lackmustest, ob wir wirklich in einem E-Auto sitzen. Klappt vorzüglich. Der VW läßt seine 2,2 Tonnen nach vorn springen, die Reifen behalten den kompletten Kontakt zum Asphalt. Und wir erleben das, was man immer in solchen Autos erlebt. Das Bohrmaschinen-Ding. Es geht ohne Vorwarnung los und der Hinterkopf kuschelt mit der Stütze.


Nach zwei weiteren Versuchen gewinnt das Hirn die Oberhand, das pubertäre Spielchen kostet Strom und bringt im Grunde wenig, weil jeder Vollelektriker so motiviert nach vorn rennt. Nur das Gewicht ändert ein wenig die Auswirkungen und beim GTX kümmern sich eben zwei Motoren um den Vortrieb. Da sitzt der rechte Fuß schon mal locker und es werden Zwischensprints absolviert, die man in unserem Fall als notwendige Übung definiert. 70 bis 100 auf der Landstrasse, Überholmanöver. Funktioniert überaus gut.


Der Harz mag uns. Er reicht uns nicht die Hand, er legt uns Kurve um Kurve unter die Räder, läßt den GTX munter wie ein sehr junger Hund durch die Gegend rennen, zwischendurch auf der Autobahn rollen wir dahin. Natürlich sind da kaum Geräusche, kein Sound. Die Reifen rollen ab, der Wind knallt gegen die Aussenspiegel-Gehäuse. So what.


Der GTX absolviert diesen kurzen und teils recht emotionalen Auftritt sehr souverän. Er präsentiert sich als solides, unaufgeregtes und einen Tick sportlicheres Model aus Wolfsburg. Er ist sicher kein elektrischer GTI, aber eben mit spürbar mehr Pfeffer als die anderen IDs.




Fotos: Voilkswagen