Auto Union Typ C 1936 1:8: Bis ins Detail

Vor mehr als 70 Jahren lieferte sich der Auto Union Typ C spektakuläre Schlachten auf Europas Rennstrecken. Als die Motorsport-Ära der Zwickauer 1939 beendet wurde, ging ein Stück Motorsport-Kultur verloren.

Mit Martin Schröders 1:8 Modell des legendären Siegerwagens von Bernd Rosenmeyer kehrt der Geist von Zwickau wieder zurück.

 

Foto: Audi Classic
Foto: Audi Classic

 

Sie siegten am Nürburgring, auf der Avus in Berlin, in Monza, Donington und zahlreichen Bergrennen in Europa. Zwischen 1934 und 1939 jagten sich Alfa, Mercedes und Auto Union über Schotterpisten und kaum gesicherte Rennstrecken – die Zuschauer so nah, wie heute englische Fußballfans am Spielfeldrand. Die Piloten fast mit der Nasenspitze an riesigen Lenkrädern, ohne Helm, feuerfesten Overall und Nackenschutz. Es waren verrückte Zeiten, in denen schon mal das Hinterrad 30 Sekunden vor dem restlichen Rennwagen an der Box ankam, der Fahrer trotzdem ohne Unfall an der Box vorfuhr, das Auto wechselte und abschließend noch einen Podiumsplatz erreichte. Wie gesagt, verrückte Zeiten.

Leider sind viele dieser spannenden Geschichten nur noch wenigen Menschen bekannt, die Suche nach Zeitzeugen bleibt immer öfter erfolglos, selbst die Silberpfeile aus Zwickau verschwanden unmittelbar nach Kriegsende. Die russischen Besatzer hatten für die Rennwagen zunächst keine Verwendung. In den 70er Jahren wurde ein neues Kapitel der Boliden geöffnet. Martin Schröder aus Hannover konnte Dank einer abenteuerlichen Aktion den Original-Motor eines Auto Union Rennwagens aus der DDR transportieren und anschließend mit dem passenden Wagen verbinden.

Schröder, damals Mitinhaber eines renommierten Autobuch-Handels und Oldtimer-Sammler katapultierte sich mit der Auto Union-Geschichte schlagartig in die oberste Liga der Auto Union-Kenner. Sein Fachwissen um die komplexe Technik der Porsche-Konstruktionen ist weit über die deutschen Grenzen bekannt und gefragt. Dass seine Leidenschaft für deutsche Rennwagen der Vorkriegs-Ära auch nach dem spektakulären DDR-Deal andauert, hat sicher auch emotionale Gründe. Die Faszination Auto Union und Co. ist nachvollziehbar und verständlich.

Der Initiative von Andras Noszvai ist es zu verdanken, dass Martin Schröder nun nach mehr als fünfjähriger Arbeit gemeinsam mit drei Spezialisten aus Ungarn einen Typ C von erstklassiger Qualität der Öffentlichkeit präsentiert. Ds Ergebniss ihrer Mühe ist ohne Übertreibung als Meilenstein des Modellbaus zu bezeichnen. Dass die Auto Union-Historie um ein Kapitel erweitert wird, steht außer Frage. Nach Jahren der detektivischen Suche nach Artefakten der deutschen Motorsport-Kultur werden 25 Exemplare einer hoch-professionellen Arbeit entstehen, die die Faszination „Auto Union Rennwagen“ dreidimensional abbilden. Quasi en miniature.
Vor rund fünf Jahren sahen wir die ersten Fotos der vorbereitenden Arbeiten am Projekt Typ C 1:8. Der Siegerwagen von Bernd Rosenmeyer sollte das erste einer Reihe von hochwertigsten Modellen sein. Perfekt im Detail. Jedes Maß um den Divisor 8 reduziert. Reifenprofil, Pedalerie, Zündkerze und Rückholfedern. Uhrmacher-Handwerk ohne Zeiger und Ziffernblatt. Der Plan, die Aufgabe fast undurchführbar.
Heute, oder besser während des Oldtimer GP auf dem Nürburgring, zeigt uns Martin Schröder die Aufnahmen des ersten Modells. Draußen riecht es nach Rennbenzin, Gummi und Motoröl. Während Schröder voller Stolz über Details spricht, starten einige Meter weiter einige Teilnehmer ihre Maschinen. Selbst die zweidimensionale Darstellung des Rosenmeyer-Wagens fasziniert. Bilder und Szenen tauchen auf. Dicht hinter dem riesigen Lenkrad mit konzentriertem Blick. Das Gesicht rund um die Schutzbrille voller Staub und Öl. Die Siege am Nürburgring, auf der Avus oder sonst wo sind Legende, Martin Schröders Typ C wird Geschichten erzählen. Von Schlachten, eigensinnigen Hinterrädern und außergewöhnlichen Konstruktionen.

Buchtipp zum Thema Auto Union:
“ Neusilber“.
Verlag: Motorbuch
ISBN: 3-613-02161-7

Daten und Fakten:
Die beteiligten Personen:
Attila Fabri (53), gelernter Goldschmied, befasste sich schon vor der Wende mit einem Kreis anderer Kunsthandwerker mit Modellbau für Industrie und Museen.
1990 Gründung der Firma Fabri Design mit Schwerpunkt Innengestaltung und Ausbau von Banken.
2001 richtete Fabri Design für die ungarische Kirche eine Ausstellung im Vatikan aus.
2005 Eröffnung der neuen Werkstatt, die ausschließlich der Produktion der Kleinserie und der Entwicklung der Folgemodelle dient.

Andras Noszvai (53), arbeitete als gelernter Flugzeugmechaniker bis 1979 in Ungarn, danach lebte er zehn Jahre in Wien, dort übernahm er die Vertretung für Chronoswiss mechanische Uhren, kehrte 1989 zurück nach Budapest und betreibt bis heute Groß- und Einzelhandel mit hochwertigen Uhren, 1999 nahm Andras Noszvai Kontakt zu Martin Schröder auf und initiierte das Projekt AUTO UNION 1:8. Andras Noszvai hat gute Kontakte zur Oldtimerszene in Ungarn, Österreich und Deutschland und ist Veranstalter der Chronoswiss-Audi-Hungaria Classic.

Janos Rakoczi (55) ist Chef der Modellbauabteilung des Ungarischen Verkehrs-Museums und der Entwickler des Prototyps des AUTO UNION 1:8 Modells. Er ist der am besten qualifizierte Modellbauer und hat in der Vergangenheit ein 1:5 Modell des NSU TT-Motors mit allen Innereien als Einzelstück gebaut. Das Daimler Motorrad in einer Auflage von fünf Exemplaren war das erste Modell im Maßstab 1:8. Janos Rakoczi hat den Typ C im November 1999 vermessen, er hat die wunderbaren technischen Zeichnungen angefertigt, das Modell konstruiert, eine komplette Bauanleitung zu Papier gebracht und im Lauf der vergangenen Jahre viele Technologieänderungen für die Serie vorgenommen.

Martin Schröder (65) ist seit 1973 mit der Renngeschichte und den GP-Fahrzeugen der AUTO UNION AG befasst. 1979 brachte er den AUTO UNION 12-Zylinder Motor aus der DDR und damit den ersten AUTO UNION nach dem 2. Weltkrieg zum Laufen. 1979 erschien die erste Renngeschichte der AUTO UNION unter dem Titel „Auto Union – Die großen Rennen 1934-39“, an der Martin Schröder als Ko-Autor mit seinem Archiv beteiligt war. Von 1982 bis 1986 Entwicklung und Vertrieb der ebenfalls auf 25 Ex. limitierten Kleinserie FINE ART AUTO UNION 1:10 Typ D 1938, von der, bedingt durch Brianzas Tod, nur 17 Ex, gebaut wurden. Eins davon steht im Audi museum mobile. Seit 1999 Vorbereitung des aktuellen 1:8 Modells des AUTO UNION Typ C 1936, Bernd Rosemeyers Siegerwagen beim Großen Preis von Deutschland.

 

 

Das Modell besteht aus exakt 5397 einzeln angefertigten Teilen. Zählt man die Werkzeuge, Formen und Schablonen hinzu, so kommt man gar auf 6.000 Teile.

Einige Beispiele:
Motor: 804 Teile
Zündkerze: 3
Getriebe : 10
Differential: 7
Karosserie: 22
Armaturenbrett: 12
Instrumente: 44
Räder: 648
Pedalerie: 52
Fahrwerk vorn: 390
Hinten: 489
Bremsanlage: 52
Hauptbremszylinder: 20
Handbremse: 20
Rückspiegel: 16
Wasserkühler: 239
Ölkühler: 211

Maße und Gewicht:
Länge über alles: 515 mm
Breite: 210 mm
Höhe: 132 mm
Gewicht: 5700 g

Das Modell wird in einer Vitrine als vernickeltem Messing mit Edelstahlplatte und Glashaube geliefert.
Länge: 690 mm
Breite: 340 mm
Höhe: 250 mm

Preis: ca.20.000,00 Euro
Text: Ralf Bernert

Fotos: Martin Schröder