Test Pirelli P Zero: Tango auf vier Rädern

Der Audi TT S als Testwagen für den neuen Pirelli P Zero
Der Audi TT S als Testwagen für den neuen Pirelli P Zero

Ein Pirelli P Zero ist eine Hausnummer. Seit etlichen Jahren. Eigentlich schon viel länger. Aber früher, also wirklich früher, hiessen die Schlappen halt nicht P Zero sondern P 3 oder P4 oder P irgendwas. Jedenfalls haben wir den ganz neuen, frisch gebackenen P Zero ausprobiert und ihn vorher mit drei seiner Brüder auf Felgen ziehen lassen und dann ein paar flotte Runden gedreht.

Ja, den P Zero haben wir erlebt. Im McLaren, im Ferrari und auch im mächtigen Bentley Bentayga. Und wenn wir ehrlich sind, dann war unser erster feuchter Autotraum ein Satz Pirellis auf den ersten Alufelgen. Das war 1980 und wir waren stolz. Pirelli, das stand und steht für Exklusivität, für Sportlichkeit und auch für italienisches Flair. Wir geben es zu. Der Name Pirelli klingt halt nach Forza, nach Rapido und nach Sensazione. Das ist kein Beleg für Qualität, aber für Begehrlichkeit.

Der P Zero von Pirelli an die Grenzen gehen

Und nun sitzen wir auf vier nagelneuen P Zero. Zwischen uns und den neuen Italienern fungiert ein Audi TT S Coupé als Steuergerät. Der flinke Ingolstädter hat ausreichend Saft unter der Motorhaube, er ist ein versierter Sportler und hier auf dem Audi Driving Experience Center in Neuburg a.d. Donau. Also Handlingkurs und Freilauffläche inklusive Bewässerung, kurz, alles was der Reifen so braucht, um den Fahrer in die Bredouile zu bringen und dann die Fertigkeiten des P Zero einmal am eigenen Leib zu erfahren. Das klingt nach Praxis und Spaß zugleich, ist aber auch immer eine Frage des Gespürs. Untersteuern, Übersteuern, Vollbremsung, Ausweichen. Es rutscht und klebt oder anders ausgedrückt, wir haben den P Zero ordentlich an die Grenzen gebracht.

Test Pirelli P Zero  Foto: Pirelli
Test Pirelli P Zero Foto: Pirelli

Vorher ein wenig Historie, auch weil der P Zero eben keine unbekannte Größe im Becken der Reifen für die besonders leistungsstarken Fahrzeuge ist. Alles begann anno 1986. Ein Lancia Delta S4 wurde mit P Zero bestückt und auf die Reise geschickt. Eine wirklich harte Reise. Das asymmetrisch geformte Laufflächen-Profil des nur für diesen Wagen entwickelten Reifens kann überzeugen. Ein Jahr später der erste Serieneinsatz. Der Ferrari F40, jener Jubiläums-Ferrari, der aus Kunststoff gebaut, erst bei Tempo 324 km/h seine Leistungsgrenze erreichte, war auf Pirellis unterwegs. Der Pirelli P wurde mit einem Z versehen, natürlich steht das Z nicht für den ganz in Schwarz reitenden Helden sondern für die Fähigkeit jenseits der 240 km/h für beste Traktion zu sorgen. Damals war das eine Sensation und der Beginn einer wirklich beachtlichen Karriere.

Der Pirelli P Zero baut auf eine lange Geschichte zurück

Auf der IAA 1987 sieht man immer mehr Hochleistungs-Fahrzeuge mit dem P Zero an Bord. BMW, Porsche und Ferrari steigen ein. Zunächst über die Tuner Hartge, Koenig oder Schnitzer. Später kommen Lamborghini und der 512 TR von Ferrari hinzu. Die 90er Jahre bringen den echten Durchbruch. Es geht um Homolagtionen, das meint die Erstausstattung durch den Hersteller. Der Diablo von Lamborghini rollt auf P Zero aus dem Werk, Ferrari homologiert ebenso. Der 456 GT und der 348 werden mit dem Pirelli bestückt. Die Reise geht weiter, auch weil Pirelli ab 2011 die Formel-1 bestückt. Vorher haben die Italiener den P Zero Trofeo vorgestellt. Ein Reifen für den Einsatz auf der Rennstrecke und auf öffentlichem Asphalt.

Nach 30 Jahren Entwicklung und einer ganzen Reihe an Homologationen steht der P Zero für jenen Reifen, der auf Hochleistungsfahrzeugen im Grunde als Standard bezeichnet werden kann.

Und nun die neue Generation. Er wird nun in drei Versionen angeboten: Für Sportwagen, Limousinen und Supersportler. Die erste Variante haben wir im TT S ausprobiert und ausgiebig getestet. Auf sehr nassem und trockenem Untergrund. Die Frage: Bietet der neue P Zero Sicherheit, Komfort und Fahrfreude?

Auf nassen Geläuf bringen wir den Wagen aus der Spur. Zuviel Lenkeinschlag und zu hohe Geschwindigkeit. Man nennt es Untersteuern. Und was macht der Reifen? Wie schnell kann er nach Reduktion der Geschwindigkeit und kurzem Öffnen der Lenkung wieder Traktion aufbauen? Die Antwort, er kann es sehr schnell und vor allem sehr sauber. Der Wagen fängt sich sehr schnell und ohne gefährliches Ruckeln.Nächste Übung. Vollbremsung nach Ausweichmanöver. 80 km/h, ein Hindernis taucht auf, schnelles Einlenkung, wieder gerade und dann Vollbremsung.

Die gesamte Übung rund zehn mal wiederholen. Das Ergebnis: Der Reifen ist auch nach der zehnten Wiederholung taufrisch. Die Lenkbewegung ist sauber und die Verzögerung ist auch beim letzten Durchlauf überzeugend. Der Reifen überträgt die Kräfte sauber und vor allem bis zum Stillstand es Wagens. Gerade bei Notbremsungen ist der Reifen weit mehr als nur ein Sicherheitsfaktor.

Der neue Pirelli P Zero ist jetzt in drei Varianten erhältlich   Foto: Ralf Bernert
Der neue Pirelli P Zero ist jetzt in drei Varianten erhältlich Foto: Ralf Bernert

Die nächste Übung: Slalom und Performance. Die Fahrbahn ist trocken. Der Reifen wird vor allem zum Thema Seitenführung und Stabilität befragt. Wir haben den Wagen ausgetauscht. Der R8 V10 Plus mit knackigen 610 PS ist nun auf dem Handlingskurs unser Partner.

Aufwärmen, die Strecke lernen. Ein paar Geraden, eher kurz. Dazu etliche enge und weite Kurven, eine kurze Steigung und vor allem, das Wechselspiel zwischen hartem Einbremsen, Einlenken und wieder Speed aufnehmen. Eine harte Nummer für den Fahrer und die Reifen. Runde um Runde wird abgespult, die Pneus arbeiten am Limit und verbreiten vom ersten bis zum letzten Meter jede Menge Vertrauen dank Stabilität und Haltbarkeit.

Ein Fazit: Pirelli hat mit dem P Zero mittlerweile eine Klassiker im Programm. Der Reifen steht nicht nur für Performance unter härtesten Bedingungen, er ist auch ein Reifen, der seine Fertigkeiten sehr lange bewahren kann. Im TT S haben wir den P Zero als Reifen mit hoher Griffigkeit bei nasser Fahrbahn erlebt und wir haben sein kultiviertes Abroll-Verhalten genossen. Auf dem R8 gab sich der P Zero keine Blöße. Er greift hart zu, hält sehr lange eine extrem hohes Niveau an Traktion und er vermittelt ein sehr sauberes Abrollverhalten.

Pirelli als exklusiver Ausrüster der Formel-1 und als Erstausstatter der meisten Luxus- und Hochleistungs-Fahrzeuge hat mit der neuen Generation des P Zero ein weiteres Kapitel seiner Erfolgsgeschichte geschrieben.

Fotos: Ralf Bernert und Pirelli