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Rolls-Royce und die Zukunft Der leise Schatten aus Goodwood

Es geht voran, überall. Nahezu jeder Autohersteller spricht und schreibt dieser Tage über seine mittelfristigen Pläne und darin taucht mehr oder weniger deutlich das große E auf. Bei Rolls-Royce Motorcars in Goodwood ist das nicht anders.

Wir ahnen es bereits, seit das Thema Emissionen durch die Autowelt geistert. Die Flotte wird per Gesetz an die Abgaskette gelegt, wer den Grenzwert überschreitet, zahlt. Und dann ist da noch dieser Trend, dem so viele gerne folgen wollen, der aber einige Unbekannte im Gepäck hat. Es geht um E-Mobilität und auch ein so glorreicher Name wie Rolls-Royce kann sich vor diesem Trend nicht verstecken.

Dem V12, diesem kraftvollen, mechanischen Herz, soll kein Schrittmacher auf die Sprünge helfen. Nein, der V12 soll raus. Endgültig und ohne Ausnahme. Es ist sind Brücken, die man derzeit überall in Autos einbaut. Der Name: Hybrid. Verbrenner und E-Motor im fröhlichen Kombinat vereint. Mal mehr, mal weniger effizient. Immer mehr Firmen ordern diesen Typ Auto, nicht weil man der Umwelt die Hand reichen will, man greift die Hand des Finanzamtes. Prämien vom Staat, direkt oder indirekt, sorgen für eine Nachfrage nach PlugIn-Hybriden, die man vor der Motivationshilfe aus Berlin nicht für möglich gehalten hätte. Und jeder, der einem PlugIn bei der Arbeit erleben konnte weiß, dass 2,1 Liter Benzinverbrauch jedem Prospekt die Schamesröte ins Gesicht treiben. Vielleicht hat nun Rolls-Royce, auch aus diesem Grunde, das Wort PlugIn kategorisch aus seinem Vokabular gestrichen.

Es wird keinen Hybrid-Antrieb in einem Rolls-Royce geben. Basta. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Und der CEO, Torsten Müller-Ötvös, sagt es dann auch ganz klar: „Wir müssen bei unseren Investitionen smarte Entscheidungen treffen. Für größere Firmen mag es richtig sein, auf Hybride und allerlei andere Technologien zu setzen, wir mussten eine bestimmte Entscheidung treffen“, sagte Müller-Ötvös dem britischen Autoportal „Autocar“ ins Mikrofon.

Es soll also einen reinen Elektriker aus Goodwood geben. Natürlich mit BMW-Technik, uns fällt da der iX ein. Ein SUV mit 100 kWhStromspeicher, gut 500 PS und 600 Kilometer Reichweite. Und den 102 EX, der vor knapp zehn Jahren die Welt erkundete und im Auftrag von Rolls-Royce die potenzielle Kundschaft ausfragte, ob denn die Dame auf der Motorhaube unbedingt die Vibrationen von zwölf ausgewachsenen Zylindern spüren will. Wir haben gehört, dass die Lady schon neugierig ist, wie sich das Summen und Surren so anfühlen mag. Und die Kundschaft sprach ganz klar von hohen Erwartungen. Also lange Touren müssen möglich sein, auch mit dem gewohnten Drive. Und allzu lange möchte man bitte nicht an Stromtankstellen verbringen müssen. Wer will schon seine Picknickdecke auf den Asphalt einer Raststätte der A5 ausbreiten.

Und nun lehnen wir uns mal ganz keck aus dem Sprossenfenster. Sie bauen einen. Einen Vollelektriker. Er könnte „Silent Ghost“ oder „Silent Shadow“ heissen und er wird auch bald kommen. Er soll mehr als 100 kWh an Strom speichern können und die Marke 500 bei der Reichweite soll auch übertroffen werden. Ob das Thema „induktives“ Laden noch aktuell ist, wissen wir nicht, aber was bringt es, wenn der Wagen es kann aber keine einzige Ladestation mitspielt.

Soweit zu neuen Früchten aus dem Garten der Gerüchte. Wir bleiben am Ball oder besser am Außenspiegel.

Fotos: Rolls-Royce

Text: Ralf Bernert