Porsche Driving Experience Lappland

Zu viel, zu wenig, zu zaghaft, zu hastig, zu hektisch, zu langsam, zu schnell, zu hart und zu weich. Die Dosis stimmt nie. Am Anfang kommt der Chefkoch noch persönlich vorbei. Er sitzt auf dem Beifahrersitz und erklärt dir, dass Du da eben im Grunde alles falsch gemacht hast. Sauber.
911-Lappland-Titel
Die Prise hat nie gepasst, die Suppe versalzen, das Fleisch verbrannt, die Nudeln verkocht. Noch mal von vorn. Die Töpfe geputzt, der Griff ins Regal noch einmal mit dem Gedächtnis als Assistent. Vor einer Stunde im geheizten Raum. Vorn ein anderer Chefkoch. Er sprach von Kräften, von Energie, von Physik und Haftungsgrenzen. Vorm Über- und Untersteuern, von Heck- und Allradantrieb und von der Dosis. Von Ruhe und Anspannung und vom Porsche 911, der halt viel Kraft hat und diese Kraft gelte es zu kontrollieren. Hört sich einfach an. Die Küche ist kalt, saukalt. Minus 20 Grad, blütenrein der Schnee, wie gemalt. Bäume sind Statuen, weit und breit kein Rentier, kein Schlittenhund und auch keine Wintersportler. Ein riesiges Gelände mit verschiedenen Abteilungen. Abgegrenzt durch Schneewälle, keinen Meter hoch aber als Schutzwall vor fliegenden Porsches durchaus sinnvoll. Wer abfliegt, holt sich keine Beulen oder Kratzer. Im schlimmsten Fall kommt der Cayenne mit dem Seil. Der Cayenne kommt oft und immer pünktlich. Das Funkgerät in der Halterung ist die Leitung nach Draußen. Wer hängt, ruft nach dem Cayenne. Dann warten alle in der Gruppe bis der SUV wieder vom Gelände gerauscht ist. Weiter im Takt. Der Gasfuß, die Hände am Lenkrad, der Hintern mit mehr oder weniger Tuchfühlung zum Sportwagen und seiner Dynamik. Es gibt noch Spikes an der Rädern, 1,5 Millimeter lang und eine Form der Versicherung. Man wäre sonst auf Glatteis verloren, würde Pirouetten drehen. Endlosschleife.

Als wäre der Porsche besoffen

Jetzt steht man in der Reihe, André der Instruktor, Chefkoch und rheinische Frohnatur, sagt was an. Die kurze Gerade runter, bis 50 beschleunigen, aber nicht zu wild. Dann rechts rüber, zwischen den roten Hütchen durch und dann in die Linkskurve, dann wieder beschleunigen und den gleichen Spaß noch mal. Der erste 911 fährt los und kurz hinter den Hütchen dreht sich der Wagen als wäre er besoffen. Zu viel Pfeffer. Nächster. Zu wenig Pfeffer, zu wenig Schwung, der Porsche rollt brav ums Eck, der Chefkoch schüttelt den Kopf. Ohne Würze schmeckt nix wirklich gut. Jetzt wir. Anlauf, 40, 45, 50, 55. leichtes Einlenken, gerade so durch die roten Männlein, dann langsamer, Fuß vom Gas, die Nase des Sportwagens dreht sich ins Kurveninnere, der Beifahrer hat jetzt freie Sicht durch die Seitenscheibe, Aber nicht mehr lange. Das Heck will überholen. Gegenlenken, Gas geben, nicht bremsen. Zu viel Gas, zu viel Lenkbewegung. Pirouette, Tanzschule, verkocht, verdammt. Ehrgeiz sitzt tief. Ego, Eitelkeit. Nach uns ein Streber. Alles richtig gemacht, André jubelt. Noch mal, besser, ernster. Die zweite Runde passt schon ganz gut, die dritte ist die beste, die vierte eine Katastrophe. Alles verlernt, alles vergessen. André spricht von Demut. „Geh´mal zum Golfen.“ Ein satter Volltreffer und danach drei Bälle im Wald.

Porsche Driving Experience Lappland: Driften mit dem 911 ist cool

Nächste Übung. Rundlauf. Wir lieben Kreisverkehre. Ein noch nicht ausgewachsener innen und drum herum ein großer. Autos wechseln. Turbo mit Allrad und 4 Millimeter Akupunkturnadeln. Für den inneren Frieden und bessere Haltung. Übersteuern mit Kontrolle durch den Fahrer nennt man Driften. Man kann auch rutschen sagen. Macht aber keiner. Driften ist cool und kostet ohne Schnee richtig viel Gummi. Hier reichen 50 bis 60 km/h, die passende Lenkradstellung und fein dosierte Gasstöße. Die Tütensuppe der Fahrmanöver auf Eis und Schnee. Auch die kann anbrennen. Rein mit dem 911 in den runden Saal, Gas weg bis die Nase ins Innere zeigt, dann leicht Gegenlenken, Allrad braucht weniger Lenkbewegung, dann mit deutlichen, aber nicht zu heftigen Gasstößen den Wagen auf der Spur halten. Eine Runde, zwei, drei. Dann verdirbt André den Spaß und meint man solle nun bitte mal das Äußere der Kreisbahn ansteuern und dann wieder ins Zentrum vorstoßen. Die Tütensuppe brodelt sauber vor sich hin und wir sollen am Schalter drehen. Also Lenkwinkel verändern, der Wagen dreht sich aus dem Kreisel raus und bevor der Cayenne kommen muss, die Räder wieder fast gerade stellen, mit starken Gasstössen das Heck auf Linie trimmen. Im kleinen Kreis zockelt ein anderer Porsche durch die Runde, Fernsehballett aus Zuffenhausen. Hoch das Bein. Nachher wissen wir, dass der große Kreis einfacher, weil geräumiger ist.


Handlingkurs. Kaum Geraden, viele, sehr viele kurze, lange, geschlossene und offene Kurven. Jetzt werde es ernst. André grinst in die Funke.  Ja bisher haben wir alle gelacht. Eine Runde mit dem Chef de Cuisine vorweg. Hier ein Prise Gas, dort eine Handvoll Einlenken, Jede Kurve eine potenzielle Backpfeife, der Beifahrer bleibt sitzen und notiert im Geiste die Fallen, in die man ruckzuck reinfahren kann. Es ist immer das gleiche Thema: Tempo und Ruhe. Man ist fast immer zu schnell, zu langsam, zu hektisch oder man schaut sich selbst bei der Arbeit zu, steht neben sich. Die Kurve ist dann passé und der Porsche ist stinksauer, weil er schon wieder vom großen Bruder aus der Schneewand gezogen werden muss.

911-Lappland-Strecke

Nach drei Runden passt dann doch alles zusammen. Der Hecktriebler lässt sich sauber und ohne große Mühe durch den Parcours zirkeln. Es ist eine Freude, die eigenen Fortschritte zu spüren, der Instruktor freut sich, der Beifahrer will jetzt auch mal ran und versemmelt gleich die erste Runde. Abschauen allein macht keinen Sinn. Nach weiteren zwei Runden tanzt der 400 PS-Sportler leicht und locker durch die weißen Kurven, noch ein paar Minuten Genuss und Spaß. Genau deshalb kommt man hier hoch. Man lernt, man arbeitet, man lacht und ärgert sich. Man wird besser.

911er im Anflug
911er im Anflug

Die letzte Übung, die große Nummer. Länger, schneller und dunkler. Die Sonne, den ganzen Tag unser Flutlicht, geht zu Bett, wir schnallen uns an, erste Runde hinter André mit Traktionskontrolle, dann Fangleine raus, eine nicht enden wollende Rechtskurve, die sich sehr gemein immer enger zuzieht, dann ohne Übergang eine links und noch eine rechts. Dann eine fette Gerade, die man am Ende mit 90 km/h nehmen kann aber nicht sollte, weil man eben nicht Walter mit Vornaemn und Röhrl mit Nachnamen heisst. Der kann so was aus dem Effeff, aber dazu später mehr. Der Parcours von unserem Instruktor recht laut als echte Herausforderung bezeichnet, haut uns in den ersten beiden Runden ganz gut in die Pfanne. Dann aber laufen die Räder des Porsche wie von Geisterhand durch die Kurven. Die lange Rechts macht richtig Spaß, die Links danach ist ein Genuss, weil man sie komplett im Drift durchlaufen kann, dann die recht enge Rechts auch im Drift. Man schaut sich den Sonnenuntergang meist durch die Seitenscheibe an, leider hat die keinen Scheibenwischer. Nach zwanzig Minuten haben alle ihre Freude an Schnee, Eis und der Kälte da Draussen. Die 911 spuren und man weiß, Übung mach besser.

Der Nachtisch. Vor dem Abendessen wird uns ein Röhrl serviert. Er wartet auf jeden Einzelnen in einem roten Carrera S. Zwei Runden Delikatesse, zwei Runden Anschaungsunterricht in Sachen Feinmotorik. Fingerspitzen am Volant, Fußspitzen an den Pedalen, der lange Mann aus Regensburg spricht, schaut, grinst und zirkelt. „Der Wagen ist ein Körperteil, der Zeigefinger.“ Walter Röhrl hat vermutlich hunderte solcher Sätze zum Thema Auto und Mensch zum Besten gegeben. Man glaubt sie alle. Der Porsche wird gleich vor der ersten Kurve angestellt, dann zeigt die Nase ins Innere der Kurve und genau diese Perspektive verlässt der Sportwagen nur noch zum Luftholen in längeren Geraden, bei Tempo 100 weiß man, dass man selbst vielleicht 60 gefahren wäre. Genau das macht Champions aus: schnell, präzise und das bis zum Ende des Rennens. Wie wäre diese Runde im Quattro S1? „Schwerstarbeit.“ Und die Rallye-Autos heute? „Leicht zu fahren, fast Spielzeuge.“ Alles klar?

Am nächsten Tag Ski-Doo. Heckantrieb per Kette, vorn zwei Kufen. Ein Lenker mit kleinem Gashebel, 160 PS, das Visier des Helms beschlägt und friert ein, anhalten am Auspuff wieder auftauen und weiter. Für Autofahrer gewöhnungsbedürftig, für Motorrad-Fahrer eine echt coole Sache. Man springt durch den Wald, man hämmert mit 100 km/h über einen See mit Eis-Mütze. In Finnland sind Ski-Doos so normal wie Fahrräder in Amsterdam. Der dicke Schneeanzug, die Handschuhe und die Haube unter dem Helm werden langsam Schweiss-nass. Nach 40 Kilometer ist von minus 20 Grad keine Rede mehr, man will nur noch duschen.

Porsche bietet derzeit vier verschiedene Winter-Programme an. Die einzelnen Komponenten bauen zum Teil aufeinander auf:
Camp 4
Camp 4S
Ice-Force
Ice-Force S

Alle Informationen zu den einzelnen Programmen, Preise und Termine finden Sie hier:
http://www.porsche.com/germany/sportandevents/driving-experience/

Text: Ralf Bernert
Fotos: Porsche / Ralf Bernert