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Porsche 911 (992) Carrera 4S – Nassrasur in der Schikane
Fahrberichte

Porsche 911 (992) Carrera 4S – Nassrasur in der Schikane 

Irgendwann seht man sich den Regen herbei oder wenigstens eine grössere Pfütze in einer Kurve. Der Wet Mode im 992 ist nagelneu und wir wollten wissen, was der so macht, wenn dem 911 das Wasser nur so um die Füsse spritzt. Eine Pfütze haben wir nicht gefunden aber eine 1A-Bewässerung auf einer Cart-Strecke.

Es ist gar nicht so schwierig, der neue 911 kann einige Dinge besser einige sogar überhaupt, die der Vorgänger überhaupt nicht konnte. Dass er schneller und stärker als der 991 ist, darf man als gesetzt annehmen. Nennen wir das eine Tradition. Vermutlich haben in der Vergangenheit zahllose Verkäufer in Porsche-Zentren potenzielle Kunden mit hängenden Köpfen aus den Showrooms laufen sehen. Niemand will sich in seinem nagelneuen Elfer vom Vorgänger überholen lassen.

Porsche 911 (992) Carrera 4S – Sag´ elf

Und niemand will acht mal um den Neune laufen, bis er endlich erkennt, was den Neuen vom Alten unterscheidet. Deshalb vermutlich die fast komplett versenkbaren Türgriffe und deshalb vielleicht die beiden Bremsleuchten zwischen den Streben. Wenn man die Streben abzählt, egal von welcher Seite, endet die Zählerei immer bei Neun plus die beiden Leuchten und man sagt „elf“. Derzeit läuft das noch auf Partys ganz gut, in fünfzig Jahren kann man damit wieder punkten.

Dass der 992 nun mit Mischbereifung unterwegs ist, kann man als Zugabe zur noch besseren Performance werten. Es sieht auf alle Fälle gut aus. Hinten 305er Pirellis, die Ansage ist klar. Mehr Traktion am Hintern, mehr Speed in der Kurve, mehr Porsche auf dem Asphalt. Dazu passt auch der neue achte Gang. Das PDK, bisher als nahezu perfekt bewertet, ist nun noch schneller und dank des achten Ganges auch beim Thema Effizienz sehr erfreulich bei der Arbeit. Gang sieben und acht sind nun länger übersetzt, man kann das auch Reichweiten-Verlängerung nennen oder Fahrkomfort.

Schneller schalten geht nun mit der Blitzschaltung, die vor allem bei hohen Drehzahlen noch schneller in den nächsten Gang wechselt. Nach unten geht’s auch, wir haben das auf der Rennstrecke erlebt und müssen leider gestehen, dass unsere Sinne den Unterschied zum 991 nicht vollständig bemerkt haben. Was wir bemerkt haben, ist die Leichtigkeit, mit der die Gangwechsel vollzogen werden. Ganz abgesehen davon, dass der Sechszylinder des 992 so nah am Gas hängt, wie man es eigentlich nur als Profi kennt. Der Fuß senkt sich und die sechs Kolben schlagen die Hacken zusammen, das Prinzip Befehl und Gehorsam kommt einem in den Sinn.

450 PS, 30 mehr als beim Vorgänger. Man spürt das, logisch. Ein paar km/h mehr, ein paar Zehntel weniger. An den Ladern wurde gearbeitet, an den Ladeluftkühlern, Piezo-Ventile versorgen den Motor noch besser, noch präziser mit Treibstoff. Zusammen ergibt das mehr Dynamik, mehr Lust, mehr Reichweite, dank weniger Verbrauch. Und die Frage, wie weit man den 911 noch treiben kann.

Etliche Runden haben wir den 992 über den Kurs Ricardo Tormo getrieben. Vor der Abkühlrunde haben wie den Porsche gefragt, worauf er denn besonders viel Lust hat. Er will rein und wieder raus, fast schon ein wenig wie ein kleiner Junge im Freibad. Der Sprung ins Becken ist das Nonplusultra. Immer näher an den Bremspunkt, auf Zentimeter genau, das gleiche beim Einlenkpunkt. Auf die Spitze treiben, das Glas mit den Keksen steht ganz oben auf dem Regal, auf den Zehenspitzen balancieren, die Finger greifen nach dem Objekt der Begierde und dann schnapp.
Runde um Runde, die Bremsen greifen zu, kein Fading, die Pirellis spielen sauber mit. Rein-Raus. Immer einen Wimpernschlag schneller. Du steigst aus und bist felsenfest davon überzeugt, dass es noch schneller ginge. Der Mensch ist die Grenze, die immer zuerst erreicht wird.

Die Sache mit dem Wet Mode müssen wir noch erklären. Sensoren in den Radhäusern messen den Wasserstand. Sie hören und wissen dann, wie nass die Strasse ist. Ja, sie hören. Und sie liefern Daten ans Fahrwerk, ans Stabilitätsprogramm und wenn dann der Vortrieb nicht zum Untergrund passt, weil man den Hintern des Porsche mit aller Gewalt zum Sidestep auffordert, dann greift das System ein und der Wagen läuft, wie einst John Travolta, über die Tanzfläche. Mit Hüftschwung und totaler Kontrolle und dabei ist er alles andere als langsam. Und auch dann steigt man nach getaner Tanz-Arbeit aus und weiß, dass das alles nur eine Frage der Einstellung ist. Drei Runden ohne Wet Mode und der Unterschied ist klar. Ohne die Ohren in den Radhäusern ist es einen spürbaren Tick anders, ein wenig nur, aber spürbar.

Fahrbericht Porsche Macan 2019

Fotos: Porsche

Die wichtigsten Fakten (laut Hersteller):

unser Testwagen: Porsche 911 Carrera 4S
Motor: 6-Zylinder Boxer BiTurbo 
Hubraum: 2.981 ccm
Leistung: 331 kW / 450 PS bei 6.500 U/min
Drehmoment: 530 Nm bei 2.300 bis 5.000 U/min
Antrieb: Allrad
Getriebe: 8-Gang PDK

Maße:
Länge: 4.519 mm
Breite (mit Spiegel): 1.852 mm (2.024)
Höhe: 1.300 mm
Radstand: 2.450 mm
Kofferräume: 132 Liter
Leergewicht: 1.565 Kg
Wendekreis: 11,2 m
Tank: 75 Liter

Räder/Reifen:
vorn: 8,5J x 20 ET 53 mit Reifen Pirelli 245/35 ZR 20
hinten: 11,5J x 21 ET 67 mit Reifen Pirelli 305/30 ZR 21

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 3,6 s
0-200 km/h: 12,7 s
Top Speed: 306 km/h

Verbrauch kombiniert: 9,0 l/100 km
CO2 kombiniert: 206 g/km
geprüft nach: Euro 6d-Temp EVAP

Preis in Deutschland ab: 120.125,00 Euro inkl. MwSt.

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