Exclusive-Life

driven by exception

Er kann Gelände, klar. Er kann Gepäck, auch klar. Er kann british durch die Stadt, sowieso klar. Und er kann schnell, superklar.Wir haben den DBX bewegt, ohne Tweet und Stiefel von Hunter. Und den großen Aston hat´s nicht gejuckt. Er ist Europäer und er ist entspannt.

Die oberen Fotos zeigen den DBX, die unteren den Bowmore-DBX (links 1und 2) und den DBX by Q (3 und 4)

Da ist zuerst die Optik, die Erscheinung und die Frage, ob man diesen großen Wagen sympathisch finden kann und ob er die allgemeine Abneigung hierzulande gegen große SUV befeuert oder diesen Ausnahmebonus erhält, den man schon mal vergibt, wenn der Einssiebzig-Wagen dann doch nicht so wuchtig, nicht ganz so grob und nicht ganz so langweilig vor dir steht. Gesehen haben wir ihn ja schon. Allein, im Fotostudio. Innen wie Aussen, ein eher eleganter Anblick. Unverkennbar ein Aston Martin, nur eben höher und praktischer wirkend.


Der DBX als Model in Malaga


Jetzt also die Frage, wie er sich in Bewegung so macht. Zuerst Gelände, dann fester Untergrund. Ein Übungsplatz nahe Nürburgring, es hat brav geregnet, es ist sumpfig, die Schuhe bringen reichlich Dreck in den Wagen. Schade für den schönen Teppich, der schon mal zeigen darf, was er so aushalten kann. Auf den Felgen sitzen Pirellis, Scorpion Zero AS, extra für den DBX entwickelt. Auf das alle vier Räder den Briten bestmöglich mit der Erde verbinden. Die Italiener haben dem Scorpion neue Blöcke an der Aussenseite eingebaut, zudem wurde das komplette Profil neu geschnitten. Mehr Haftung, mehr Traktion und vor allem auf Asphalt rollen die Reifen deutlich besser, also leiser und ruhiger ab.


Wir probieren das aus. Der Parcours in der Eifel bietet jede Form der Gelände-Ausprägung, die man mit dem Auto schaffen kann, es aber kaum versuchen wird, denn es wäre schade um die schönen Felgen, den Lack und das gesamte Kleid dieses Aston, der im Steinbruch, einer Skulptur gleich, ins Auge fällt und das nicht nur wegen seiner Farbe. Wir rollen trotzdem mal durch´s Gelände. Durch einen kleinen Teich, Steigungen, Gefälle, Schräglage, loses Geröll und ein paar dicke Brocken zum Thema Verschränkung. Das alles kann der Aston, weil er mit so ziemlich allem ausgerüstet ist, was einen 2,2-Tonner in der Spur hält. Wir schreiben mal die Abkürzungen auf: ESC, TC, RSC, HDC, HSA plus Luftfederung, die den Wagen hebt, senkt, je nach Bedarf und natürlich für reichlich Fahrkomfort sorgt. Die ganzen Helferlein sind ja heutzutage eher Standard und man lernt schnell, dass dieser Allradler in leichtem bis mittleren Gelände sehr sauber unterwegs ist. Probleme haben wir keine erkannt und die wirklich spannende Frage ist und bleibt: Was kann dieser Aston auf der Straße?


Zunächst einmal kann er schnell. 291 km/h sind eine Ansage und die 4,5 Sekunden bis 100 km/h sind auch nicht gerade träge. Es gibt schnellere Brüder, härtere und teurere, klar. Aber das Gesamtpaket muss stimmen. Und der DBX hinterläßt schnell einen klaren Eindruck. Dank 700 Newtonmeter Drehmoment rennt er mehr als zügig nach vorn, der Durchzug ist eindrucksvoll und die Nummer mit dem Top Speed ist bis 280 kein Thema, dann wird’s ein wenig mühsam. Der V8 von AMG ist dann eben doch kein Wunderkind. 550 PS und 2,2 Tonnen plus Inhalt sind kein perfektes Team, die Physik redet mit und ganz am Ende der Fahnenstange wird es dann doch eng mit den 291 auf der digitalen Anzeige. Was uns aber nicht stört, Rennen fährt man auf dem Track und den beste Modus des DBX auf der Autobahn nennen wir „200-km/h im Neunten“.


Der DBX als Model in Malaga


Und dann kann er auch dynamisch, also auf der kurvigen Landstraße die losen Sachen auf der Rückbank von links nach rechts fliegen lassen. Was dann dazu führen sollte, dass man mal kurz anhält, das Zeug verstaut und weiter geht die Fahrt. Denn Querdynamik ist die eine Sache, Längs geht es auch, in beide Richtungen. Was hinten lag, fliegt dann nach vorn und das schnurlose Telefon gibt den Tiefflieger, weil es auf der Mittelkonsole parkte und der Brite zum Halali bläst. Also wieder anhalten, Handy einsammeln, festbinden und lernen, dass 550 V8-PS auch in einem 2,2 Tonnen leichten Fünfsitzer ganz schön wirken können. Ein paar Kurven nehmen wir dann, ganz im Sinne unserer beruflichen Aufgabe, etwas dynamischer.


Wir lassen die fünf Meter etwas schneller in den Kurvenverlauf eintauchen, bremsen dann etwas druckvoller ein, ganz so, als wollten wir herausfinden, ob der DBX eventuell auch als Fluchtfahrzeug einsetzbar sein könnte. Er kann, wenn auch ein wenig widerwillig. Die Masse stört den Prozess des rhythmischen Rein-Und-Raus-Spieles. Der Brite will den abrupten Lenkrad-Dreh-Tanz nicht so recht mittun. Er folgt lieber seiner natürlichen Begabung und swingt durch offene, lange Kurven. Er kann schneller, zackiger, aber es fühlt sich nicht wirklich gut an. Begriffe wie: Untersteuern fallen uns ein. Was bei einem Aston Martin doch eher für die Sportcoupés wünschenswert ist. Egal, man fängt den DBX schneller wieder ein, als man „ups“ sagen kann. Die Elektronik ist wachsam und sauschnell.


Jetzt noch die Alltagsnummer. In der Stadt, navigieren, Stop and Go. Ein- und Ausladen, Vorfahren, Parken und alles, was beim DBX noch dazu kommt, man beantwortet Fragen, weil der Brite aufgrund seiner Kleidung das Thema Aston Martin recht deutlich aufnimmt. Man sieht den Hintern und erkennt den Vantage, man betrachtet die Kühlermaske und sieht mehr als deutlich die Familie. Dazwischen natürlich den SUV, allerdings eher sportlich, weniger den Utility-Wagen. Drinnen dann die Einrichtung. Edles Leder, viel, sehr viel Raum. Vor allem hinten. Man wundert sich, wie dieser Korpus, der von Aussen recht filigran daher kommt, hinten mehr Raum als üblich anbietet. Die Oberschenkel freuen sich, man lehnt sich zurück und schaut raus. Noch weiter hinten die Lagerstätte für Gepäck, das man sogar beim Aston-Händler ordern kann. Auch der Wauwau wurde bedacht.


Und nun noch das Fazit, nach ungefähr sechs Stunden DBX. Er ist schnell genug, er schaut sehr gut aus, edel, fast vornehm, die Bedienung ist kinderleicht, er bereitet Freude, ob nun im Cruise-Modus, im Gelände oder auf der Autobahn. Was der DBX besonders gut kann, ist das allgemein schwache Image der SUV-Welt aufpolieren. Der Brite schaut einfach besser aus, als der ganze Rest der hochgebockten Bande, die vielleicht schneller, teurer, höher ist, aber meist eher als grober Klotz unterwegs ist. Der DBX kommt da schon als filigraner Alleskönner daher.


Und jetzt noch zwei Sondermodelle aus der DBX-Reihe. Aston Martin hat mit der schottischen Whiskybrennerei Bowmore einen Deal vereinbart. 18 Exemplare wird es geben. Die „Aston Martin DBX Bowmore Edition“ wird ab dem 4. Quartal 2021 ausgeliefert. Technisch hat man den Wagen in Ruhe gelassen, es geht um Stoffe, Farben und Materialien, die man in Schottland kennt und schätzt. Abgesehen davon haben die leite bei Q, dem Individualisierungs-Team von Aston Martin mal in die Firmen-Archive geschaut und irgendwer hat bei einem Meeting erwähnt, dass man 1964 schon mal mit Bowmore eine Special Edition auf die Räder gestellt hat. Damals wurde der DB5 verfeinert. 25 Stück wurden verkauft. Für den Bowmore-DBX sind die Leute von Q durch die Destillerie gelaufen, haben Kupferstreifen der Kesseln entnommen, haben die Farbe Bowmore Blue wieder zum Leben erweckt, sie haben Bowmore Tweed von Islay Woollen Mill im Innenraum ausgelegt und für den Ausflug auf´s Land hat Q noch eine schicke Picknickdecke plus Ledertasche in den Wagen gelegt. Fertig. Die neuen Eigner des speziellen DBX werden nach Edinburgh eingeladen, besteigen dort ihr neues Gefährt und fahren drei Tage durch Schottland, die dann natürlich in der Destillerie Bowmore und bei Isla Wooden Mill endet. Ob noch Exemplare zu kaufen sind, wird der Aston-Dealer wissen. Und den Preis kennt er sicher auch.


Der zweite Special-DBX kommt ein wenig düster daher. Der DBX by Q ist in Satin Xenon Grey lackiert, die 22er-Felgen strahlen in Hochglanz-Schwarz, dazu kommen dann noch etliche Applikationen in Carbon. Im Innenraum kommen Sichtcarbon-Freunde auf ihre Kosten. Die Mittelkonsole und die Türen sind innen mit Sichtcarbon verziert, der Boden des Kofferraumes ist ebenfalls damit belegt, plus Schutzleisten, damit beim Be- und Entladen das schicke Material nicht zu sehr leidet. Auch hier haben wir keinen Preis. Der Händler dürfte mehr wissen.

Fotos: Aston Martin

Die technischen Daten (laut Hersteller):


Motor: V8 TwinTurbo

Hubraum: 3.982 ccm

Leistung: 405 kW / 550 PS bei 6.500 U/min

Drehmoment: 700 Nm bei 2.200 bis 5.000 U/min

Antrieb: Allrad

Getriebe: 9-Gang Automatik


Maße:

Länge: 5.039 mm

Breite (mit Spiegel): 1.998 mm (2.220 mm)

Höhe: 1.680 mm

Radstand: 3.060 mm

Leergewicht: 2.245 kgTank: 85 lKofferraum: 632 l

max. Zuglast: 2.700 kg

Watttiefe: 500 mm


Fahrleistungen und Verbrauch

:0-100 km/h: 4,5 s

Top Speed: 291 km/h

Verbrauch kombiniert nach WLTP (Zielwert): 14,32 l100 km

CO2 kombiniert nach NEDC (Zielwert): 269 g/km


Preis in Deutschland ab: 193.744,00 Euro inkl. MwSt.