Ein Rundgang durch eine Röhre in der Mercedes-Benz seine Kompetenz in Sachen Design und Luxus stärken und untermauern will. Mit klassischem Handwerk und hoch moderner Technik. Das Ziel ist klar: Mercedes-Benz wird die Luxus-Marke schlechthin.

Advanced Design Center Nizza

Weiße Kittel sucht man vergebens, Reagenzgläser auch und Wissenschaftler mit wirrem Haar sind auch nicht zu sehen. Bevor man das neue Refugium für angewandte Design- und Luxus-Forschung nahe Nizza betritt, untersucht der neugierige Besucher das Gebäude, welches alles andere als in dieser Region üblich scheint. Ein Bau wie eine Röhre, aus Metall, lang, schmal und irgendwie einer gelandeten Raumfähre ähnlich. Anders eben und schon deshalb interessant. Es stand ein paar Jahre leer, dann entdeckte Mercedes-Benz den Bau. Mitten im Zentrum der digitalen, experimentellen Welt rund um Nizza. Es duftet nach der Cote, das Meer recht nah, das mondäne Universum in greifbarer Nähe und damit immer in Reichweite zum klassischen Lebensstil des Luxus der Region Cannes, Nizza, Monaco und vielleicht noch St. Tropez.

Design Essentials III Nizza 2019
Gorden Wagener, Chief Design Officer of Daimler AG
Design Essentials III Nizza 2019

Genau hier fanden in den Zeiten automobiler Kindheit Rennen statt. Mercedes war dabei. Mit Emil Jellinek, einem erfolgreichen Autohändler und seiner Tochter, deren Name später so berühmt werden sollte. Mercedes ihr Name und sie stand Pate für die Kombination Mercedes-Benz. Soweit die recht weit zurück liegende Geschichte. Heute inhaliert man diesen historischen Duft, natürlich angereichert mit dem Parfum der Cote. Casino, Yachthäfen, Olivenöl und Champagner. Dazu passen noch edle Roben der Gäste dieser Gegend plus Architektur und Landschaft. Alles zusammen kann inspirieren und tut es auch. Deshalb nun das Advanced Design Center von Mercedes-Benz. Als Schmiede, als Kreissaal für neue Ideen, für den besseren Luxus und für noch mehr Lust auf die Dinge, die hier erdacht, skizziert, modelliert und digital geboren werden.

Design Essentials III Nizza 2019
Gorden Wagener, Chief Design Officer of Daimler AG

Insgesamt neun solcher Design-Schmieden sind weltweit aktiv. Natürlich mit dem Zentrum in Stuttgart verknüpft. Gordon Wagener, Chefdesigner und Chefchoreograph aller Kreativen des Daimler-Konzerns rollt im Klassiker, einem Simplex, vor und man spürt wieviel Freude und Emotionalität hier am Werk ist und zukünftig sein wird. Teamarbeit ok, aber man könnte auch denken, dass sich hier Gleichgesinnte, Freunde und Familien-Angehörige treffen. Ideen formulieren, diskutieren, austauschen und umsetzen. Es geht um den Luxus der Zukunft und wie man ihn gestaltet oder noch besser wie man ihn zu einem ganz eigenen Ausdruck führt. Das Thema Auto steht dabei längst nicht mehr im Zentrum aller Gedanken und Ideen. Es geht laut Wagener um das große Ganze, die Marke Mercedes-Benz soll zum Inbegriff des modernen Luxus werden und das nicht nur beim Thema Auto.

Wir kennen Fahrräder, Kleidung, Accessoires und so weiter. Das Sortiment des Daimler-Konzerns ist breit und gut gefüllt und Gordon Wagener ist hoch motiviert, aus dem Premium-Warenhaus ein Luxus-Kaufhaus zu formen, so zumindest der Anspruch, den man in der Führungsetage formuliert hat. Damit das bei der Kundschaft auch entsprechend gewürdigt wird, muss das passende Design, die lockende Ästhetik her. Wir kennen das Spielchen. Man schaut nach Goodwood, nach Crewe, nach Gaydon und seit kurzer Zeit auch nach Woking. Vor allem in England sitzt die automobile Avantgarde, mit reichlich Historie, dem Flair des Selbstverständlichen, dazu die Beckham´sche Range Rover- und Burberry-Clique. Ganz zu schweigen von den vier Buchstaben aus Frankreich: LVMH, deren Sortiment die ganz grosse Nummer des Luxus symbolisiert.

Design Essentials III Nizza 2019
Steffen Köhl

Ein Auto aus Knetmasse, Clay genannt. Spachtel, Schaber, Keitel und all´ die anderen Werkzeuge, mit denen man die Knetmasse nach allen Regeln der Kunst modellieren kann, liegen bereit. Es gehe um die Haptik, die Kunst des Berührens, des emotionalen Kontaktes zwischen Model und Designer. Man wolle das nicht verlieren, auch wenn diese Technik bei vielen Herstellern nur noch in der Ausbildung der Designer verwendet werde. Bei Mercedes-Benz gehe es um weit mehr als nur um Technik und Form. Und ein paar Türen weiter, die ganz neue Welt. Virtuell und SiFi. Die Brille über den Augen und man betritt den digitalen Saal, man nähert sich den Fahrzeugen, steigt hinein und möchte gleich den Motor starten. Die Auflösung der Bilder ist sensationell, die Nähe zum Model ist zum Greifen nahe. Dazwischen erfährt man mehr über die Antwort auf eine sehr wichtige Frage. Wie sieht Luxus in Zukunft aus?

„Moderner Luxus: Mercedes-Benz schafft mit seinen Produkten ein neues
Erlebnis von Luxus, in dem höchste Emotionalität, einfachste Bedienung,
beste Handwerkskunst, Liebe zum Detail und Nachhaltigkeit miteinander
verschmelzen.“

Design Essentials III Nizza 2019
Gorden Wagener, Chief Design Officer of Daimler AG

Wie das aussehen kann, zeigt der Vision Mercedes Simplex. Eine Studie, als Einzelstück in Nizza lebensnah präsentiert und mit einer Aura versehen, die man ohne Übertreibung als sehr luxuriös und trotzdem minimalistisch bezeichnen darf. Too much is out. Könnte man meinen. Edles Roségold gepaart mit einfachen Formen. Jedes Rad eine Skulptur plus E-Motor. Die Sitzgelegenheit ein Sofa der alten Schule, ein Cockpit sucht man vergebens und das Volant könnte locker als Zier in einem Museum für moderne Kunst stehen. Der ganze Wagen strahlt mindestens so stark wie sein Vorbild und man möchte meinen, dass die Zukunft von Mercedes-Benz in der Kunst des Weglassens und in der Fertigkeit des Handarbeitens gesehen werden soll. Recht so. Prunkwagen erfreuen uns beim Karneval. Der neue Luxus aus Stuttgart, Nizza und Co darf uns gerne mit höchster Qualität und der sichtbaren Zuneigung ihrer Erzeuger begeistern.

Fotos: Mercedes-Benz