McLaren Speedtail – Ein guter Tropfen

McLaren Speedtail – Foto: McLaren

Die Spezial-Sonder-Super-Serien aus Woking laufen wie geschnitten Brot über die Ladentheke. Der Preis ist offensichtlich wurscht und die Orderbücher füllen sich wie von Geisterhand. Man macht wohl alles richtig bei McLaren. Mit dem Speedtail haben die Briten nun einen Hypersportler gebaut, der Nostalgie und SiFi auf eine Ebene hebt.

1,75 Millionen Pfund schwer, mal 106 macht 185,5 Millionen plus Steuer, plus 106 Menschen, die dann bald Führungen durch ihre Garagen anbieten können, denn dort steht ein Ding, das man, von allen Seiten betrachtet, durchaus als besonders bezeichnen kann.

McLaren Speedtail – Foto: McLaren

Der Begriff Tail ist in der Autobranche kein Fremdwort. Boattail zum Beispiel, der Hintern geformt wie ein Bootsheck, war vor einigen Generationen keine Seltenheit. Oft aus Holz geschnitzt und gehobelt, spitz zulaufend und die maritime und die automobile Welt verbindend. Ein Trend, den man heute nur noch aus Museen kennt. Und dann waren da noch Rennwagen in Le Mans. Die Porsche 906, 917 oder 956 wurden mit Langheck gefahren, die Aerodynamik dieser speziellen Karosserieform ermöglichte höhere Endgeschwindigkeiten. McLaren spielte diesen Trumpf ebenfalls, der F1 GTR LT fuhr 1997 den Sieg und Platz 2 in der GT1-Klasse ein. 2015 präsentierte McLaren den 675 LT, auch als Hommage an den F1 GTR Longtail, auch wenn der 675 kein längeres Heck als der 675 hat. Und jetzt kommt der Speedtail von McLaren daher.

McLaren Speedtail – Der F1 lässt grüssen

Das Heck und der Innenraum als Rückspiegel in vergangene Zeiten. Der F1 läßt grüssen, man sitzt in der Formation 1+2 und man blickt auf ein Dashboard, dass einem, wenn auch sehr kleinen, Raumschiff sehr gut zu Gesicht stehen würde. Drei Monitore plus die beiden Screens für die entsorgten Außenspiegel, dazu ein Minimum an Knöpfen und Schaltern. Alle wirkt nicht auf- sondern weggeräumt. Über den Köpfen sind dann doch noch ein paar Schalter, die Mittelkonsole fehlt halt und irgendwo muss man schließlich den Motor starten, den Rückwärtsgang einlegen oder die Scheiben der Türen rauf und runter fahren. Wie gesagt, aufgeräumt und sehr, sehr futuristisch.

McLaren Speedtail – Foto: McLaren

Bevor man einsteigt in dieses Sammlerstück, bleibt das Auge am Hintern hängen. Da ist der rote Faden an der Wirbelsäule, aus dem Dach hinab laufend. Das Heck dann weit auslaufend, als wolle es kein Ende finden, macht zum Schluß eine einen Bogen nach oben. Darunter der obligatorische Diffusor, der seitlich an den Radhäusern endet. Das ganze Hinterteil wirkt dabei wie das Ende eines Kunstwerkes, das Thema Technik und Aerodynamik scheint eher Vorwand als Notwendigkeit. Dabei läuft der Speedtail laut McLaren 403 km/h und da sind Kräfte, die den Wagen am Boden halten sehr willkommen. As hätte man den F1 LT in die nahe Zukunft gebeamt. Die Luftbremse am Heck taucht nur auf, wenn es notwenig ist, an den seitlichen Enden des Hecks bezeichnet McLaren als Querruder. Sie stellen sich eigenständig auf und liefern den notwendigen Abtrieb weitaus exakter als herkömmliche Flügel.

McLaren Speedtail – Bis zur Grenze des Machbaren

Weiter vorn sieht man zwei Dinge, den Speedtail zur Kuriosität der Neuzeit machen. Die Radkappen der Vorderräder und die seitlichen Kameras, die den beiden Monitoren links und rechts an der Instrumententafel die Bilder liefern, für die eigentlich die Seitenspiegel verantwortlich sind. Ob das in Deutschland erlaubt ist, bleibt abzuwarten. Bisher ist das noch nicht zulassungsfähig, mit Ausnahme von Kleinserien Aber welchen Sammler sollte das kümmern? Der Speedtail wird weltweit verteilt in Garagen oder Ausstellungen stehen und hier und da auf Festivals auftreten. Beide, Spiegel und Radkappen, sind Teil der ehrgeizigen Lust auf perfekte Aerodynamik zur Leistungssteigerung und natürlich auch zur extremen Leistungsnutzung. Die insgesamt 1050 PS sollen bis zur Grenze des Machbaren genutzt und in Fahrleistung verwandelt werden. Der seltene Brite soll in 12,3 Sekunden die 300-km/h-Marke schaffen, das komplette Konzept will Grenzen schaffen wie einst der F1, den man zurecht „The Ultimate Driving Machine“ nannte und nennt. Der Speedtail wird in 20 Jahren vielleicht der letzte Extrem-Wagen mit Verbrenner-Technik genannt werden. Für McLaren ist er offensichtlich schon heute ein Extrem. Nicht nur wegen der Hightech-Kohlefaser-Orgie, sondern auch wegen des Beweises, dass die Kundschaft dem Hersteller höchstes Vertrauen entgegen bringt. Ausgeliefert wird der Wagen zu Beginn des Jahres 2020.

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McLaren Speedtail - Foto: McLaren
McLaren Speedtail - Foto: McLaren
McLaren Speedtail - Foto: McLaren
McLaren Speedtail - Foto: McLaren
McLaren Speedtail Luftbremse - Foto: McLaren
McLaren Speedtail Luftbremse - Foto: McLaren

Fotos: McLaren