Ausverkauft. Ruckzuck. Wie der Senna. Oder der Speedtail. McLaren ist beim Thema Kundenbeglückung derzeit der absolute Winner. Der wilde Bruder des Senna, GTR der Rufname, wurde in Genf vorgestellt und soll ab September die ersten Kunden zum automobilen Orgasmus führen. Wir haben ein paar Daten und Fakten.

Auf dem Flügel hat es genug Platz für ein Acht-Gänge Menü, zwischen Frontspoiler und Asphalt passt keine Tageszeitung, im Innenraum spricht man nur eine Sprache: Speed und unter der Motorhaube regiert ein Kraftwerk, dass die 1.188 Kilo plus Flüssigkeiten und Insasse in den Rennstrecken-Himmel katapultiert. Der Senna GTR, also jene Variante des Senna, an die man kein Nummernschild ungestraft schrauben darf, ist das Gerät mit dem man so gerne an der Ampel stehen und Autogramme aus der geöffneten Fahrertür reichen möchte. Mal eben von der Rennstrecke falsch abgebogen, mangels Navi den rechten Weg verpasst und dann mitten in der Stadt. Niemand da, der es mit die aufnehmen will. Gut so. Rennen auf öffentlichen Strassen sind nur für Nasenbohrer.

Man kann sich fragen, was die in Woking am Senna so alles ausgebaut und angeschraubt haben, damit der GTR auf dem Track so richtig krass nach vorn läuft. Wir wissen, dass Leistung nicht alles ist, wir wissen auch, aus Erfahrung, dass Top Speed nicht wirklich relevant ist. Abtrieb ist ein Thema, eigentlich das Thema. Kurvengeschwindigkeit, Bremsleistung, raus aus der Kurve, so früh und schnell wie möglich. Den Bremspunkt so weit wie möglich nach vorn bringen, x Runden durchhalten, Traktion ist die Droge, von der man auf der Strecke nie genug haben kann. Und genau darum hat man sich bei McLaren gekümmert. Dass der Wagen nun ein wenig aussieht, als trüge er eine Rüstung, ist ein Nebeneffekt.

Nehmen wir den Senna mit Strassenschild als Basis und erklären die Basis zum derzeit heftigsten, was man mit KFZ-Steuer und Haftpflicht bewegen darf, dann sollte der GTR das von der STVO befreiten Über-Tier sein. Was man ihm denn auch ansieht, mit Flügel, Kriegs-Bemalung und tiefer Unterlippe, die scheinbar jeden Lufthauch dorthin schickt, wo jedes Gramm Luftdruck zu einhundert Prozent verwertet wird. Im Optimalfall drückt eine Tonne Luft den Wagen zu Boden, was nicht nur sehr viel sondern rekordverdächtig ist. Im Vergleich zum „zivilen“ Senna, der bei Tempo 250 km/h mit 800 Kilo Abtrieb arbeiten kann, liegt beim GTR der Anpressdruck von 1000 Kilo schon bei 212,5 km/h an. Das liegt erstens am Heckflügel, der vergrössert wurde und der weiter hinten sitzt. Abgesehen davon, hat man bei McLaren den gesamten Wagen in puncto Luftführung optimiert, was durch den Wegfall aller Regeln für die Strassenzulassung nicht mehr ganz so kompliziert war.

McLaren Senna GTR – Motorschalter im Dach

Beim Motor hat man in Woking auf den vier Liter V8 gesetzt, die Software wurde angepasst, ein Katalysator wurde entfernt und die Auspuffrohre schauen nicht mehr aus der Seite des Wagens hervor, sie wurden ans Heck verlegt, unter den Flügel, was Gewicht einspart und das Abgassystem in seiner Konstruktion ein wenig vereinfachte.

Der GTR wird mit Klimaanlage ausgeliefert, Audio und Touchscreen entfallen. Die Windschutzscheibe und die Seitenfenster mit Schiebeöffnung sind aus Polycarbonat. Das Fahrwerk des GTR stammt aus dem GT3-Programm von McLaren, der Senna GTR ist mit einem Pit-to-Car Radio und zwei On-Board-Kameras ausgestattet: eine nach vorne und eine in dem Cockpit. Es gibt einfache Ein-/Aus-Tasten für die Startsteuerung, die Geschwindigkeitsregelung der Boxengasse und die Einstellung der Dynamik bei leichten Regenfällen.  Wie beim McLaren Senna ist der Motorstartschalter im Dach montiert.

Und noch ein Info: Der GTR ist ein Linkslenker. Man ging davon aus, dass die meisten Käufer in Lefthend-Drive-Märkten leben. Es besteht die Möglichkeit, dass ein Beifahrersitz ohne zusätzliche Kosten eingebaut werden kann. Man sitzt auf einem FIA-Carbon-Sitz und wird mit einem FIA Sechspunkt-Gurt festgebunden. Und dann ist da noch der Himmel, er wird mit Alcantara verkleidet.
Die ersten Kunden werden ab September diesen Jahres die ersten Runden drehen können. Vielleicht haben wir Glück und McLaren läßt uns auch mal ein paar Kilometer über einen Track rollen.

Fahrbericht McLaren 600LT Spider
Fahrbericht McLaren 720S Spider
McLaren GT
McLaren Speedtail

Fotos: McLaren

Die technischen Daten (laut Hersteller):

Motor: V8 BiTurbo
Hubraum: 4.0 Liter
Leistung: 607 kW / 825 PS
Drehmoment: 800 Nm
Antrieb: Hinterräder
Bereifung: Pirelli

Höhe: 1.195 mm
Spur vorn: 1.731 mm
Spur hinten: 1.686 mm

Getriebe: 7-Gang Automatik stufenlos
Trockengewicht: 1.188 kg
Preis: 1.250.000,00 Euro plus Steuer
Stückzahl: 75
Auslieferung: ab September 2019