McLaren P1 GTR

McLaren P1 GTR: Geht’s noch?

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Ja, es geht noch. Noch mehr Leistung, noch mehr Schub, noch mehr Downforce, noch mehr Traktion und natürlich noch mehr Exklusivität. Ein Besuch in Woking lockte den Über-McLaren aus seiner Tarnung.
Man stelle sich das vor. 30 McLaren P1 GTR auf der Start-Ziel-Linie. Dann das Grün aus der Ampelbatterie und 30.000 PS stürzen sich auf die erste Kurve. Das Feld ist kunterbunt bemalt, grüne, schwarze und silberne Rennwagen rennen durch ein Kurvenlabyrinth, immer wieder schiessen die enormen Heckflügel an den Haupttribünen vorbei. Das Feld dezimiert sich mit der Zeit, die V8 unter den Hauben schreien wie die Blöden die ganze Bude zusammen. Ehefrauen tragen zu den Schuhen passende Handtaschen durch die Boxengasse und ein ganzes Rudel McLaren-Techniker schraubt in regelmäßigen Abständen Frontschürzen, Heckflügel und Reifen an pausierende GTRs. Es wird diese Rennserie geben, die man in Deutschland so gut wie nie im TV sehen kann. Wir sind Deutsche sind Formel-1 und DTM verseucht.

Markenserien wie sie zum Beispiel Porsche seit Jahren erfolgreich durchführt, sind vielleicht ein Gegenmittel. Robert Harting reisst sich ja auch nicht das Trikot vom Leib, weil seine Techniker den besten Diskus bauen.

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Jetzt mal zum GTR aus Woking. Bei der Grundlage, dem P1, und dem direkten Wettbewerber, dem La Ferrari, ist die Erwartung deutlich klar definiert. Der P1-Kunde will auf Strecke Kilometer fressen, er will als Erster die karierte Flagge sehen und am Ende mit nem fetten Lorbeerkranz um den Hals auf die jubelnden Menschen im Erdgeschoss schauen. Rennfahrer, ob Profi oder Amateur, sind wie Schlittenhunde, nur lieber allein unterwegs. Sie wollen los. Und der GTR wird die Hunde loslassen. Besonders cool wird es, wenn die Schlitten aus Maranello mit von der Partie sein werden.

Der GTR, dieses Ding

Und dann steht da der GTR, dieses Ding, das dem F1 GTR nachfolgt. Jenem McLaren, der in Le Mans ganz vorn dabei war und der den F1, dieser Ultimate Driving Machine, noch heute die Krone aufsetzt. Jetzt also der Rennanzug für den P1, 84 PS mehr, weit weniger Gewicht und mit einem Layout, das man niemals in seinem Leben im Rückspiegel auf der Autobahn bei 300 km/h sehen kann. Der P1 GTR wird als reiner Rennwagen keine Nummernschilder tragen, was auch gut ist, denn es würde schlimm aussehen. Zudem würde es bei dem Zustand unserer Strassen eh eine kurze Fahrt werden. Die Nase dieses McLaren hängt so tief am Boden wie das versilberte Schniefrohr eines Koksers, der sein Pülverchen aus versehen auf die Strasse verschüttet hat. Für manche Autos ist Luft so kostbar wie das weisse Pulver im Silberrohr, deshalb muss der GTR auch so aussehen wie er aussieht. Hinten wie vorne. Luft ist ein Stück Lebenskraft. Auftrieb, Abtrieb egal wie, der GTR braucht sie und das sieht man auch nur zu deutlich.

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McLaren Cheftester Chris Goodwin

 

Chris Goodwin, Cheftester bei McLaren Automotive, bereitet eine Hand voll Journalisten auf die erste Kontaktaufnahme mit dem Über-McLaren vor. Er spricht über den F1 GTR in Le Mans, seinen Sieg und den damit eingefahrenen Rekord. Bis dahin hatte noch nie ein Rennwagen bei seinem ersten Auftritt bei den legendären 24-Stunden den Gesamtsieg errungen. Diesen Rekord wird der P1 GTR nicht jagen, McLaren hat seinen jüngsten Spross zwar nach den Regeln der FIA gebaut, jedoch nicht nach den GT3-Regeln, deshalb auch der Name GTR. Man wird den zwei Millionen Pfund teuern Hybrid-Sportler also nur in einer eigenen Rennserie sehen. Zunächst erhalten nur P1-Kunden eine Kaufoption. Goodwin spricht von einer kleinen zweistelligen Produktionszahl pro Jahr, sobald der letzte P1 ausgeliefert wurde, soll die GTR-Fertigung starten.

Und dann verzieht sich das Tuch, der Rennwagen zeigt sein Gesicht, seine Figur. Bilder im Kopf beginnen zu laufen. Nein, sie rennen. Der GTR zeigt die Kriegsbemalung des F1 GTR, die mächtige Frontlippe drückt den Charakter und die Aufgabe des Rennwagens derart klar aus, der Spruch „Form follows function“ wurde selten so klar in die Tat umgesetzt. Wobei der McLaren nicht die „böse, böse ist gleich cool ist gleich positiv“-Fraktion in einen rauschartigen Zustand versetzt. Der P1 GTR hat auch ästhetisch relevante Seiten. Vor allem wenn man den Wagen seitlich von hinten betrachtet, fällt die schwungvolle und elegante Linie auf. Der dominante Flügel übertrifft mit seiner Präsenz trotzdem jede noch so feine Linie, Abtrieb und Luftführung stehen auf der Agenda aus gutem Grund ganz weit oben. Echte Rennfahrer wollen siegen, schneller sein, den Preis für das schönste Auto auf der Strecke stellt man in der Vitrine dann doch in die dritte Reihe.

Der McLaren P1 GTR wird auf GT3-Niveau unterwegs sein

Über Fahrleistungen wird noch nicht gesprochen, wobei die 1000 PS auf entsprechende Bremsleistungen treffen, bei den Kurvengeschwindigkeiten wird der GTR sicher auch auf GT3-Nivau unterwegs sein. Lediglich die Fahrer werden den Wagen in seinen Möglichkeiten einbremsen, was aber nicht so wichtig ist. McLaren ist mit dem 650S GT3 schon gut unterwegs.

Wer den GTR kauft, wird mit einem „all you can drive“-Paket belohnt. Im Preis ist eine solide Leistungs-Garantie enthalten. Der Käufer wird auf Formel-1-Strecken den GTR mit Instruktoren von McLaren erleben und erlernen. Vorher werden etliche Runden im McLaren-Simulator auf den Stundenplan abgefahren. Die doch recht hohen körperlichen Anforderungen werden mit dem Fitness-Team der F1-Fahrer des Hauses gemeistert und die komplette technische Betreuung des GTR übernimmt ebenfalls das Werk. Nur bei den Rennen muss der Besitzer oder sein Fahrer selbst in den Sitz steigen.

 

 

Fotos: McLaren

Text: Ralf Bernert

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