Nachwuchs in Woking. Der Name: „Elva“. Gewicht: rund 1000 kg. Mutter wohlauf, das Kind ist stumm wie ein Fisch. Noch. Die Eltern geben den Kleinen zur Adoption frei. Die Gebühr: 1.695.000,00 Euro. Inklusive Steuern und Sturm im Haar.

Hinten die McLaren Elva, vorn die Kreation von Bruce McLaren. Ein Sportwagen des Herstellers Elva.

Der Kleine ist ein Sonderling und doch irgendwie bekannt. Aus den 60ern. Damals rannte eine Elva über Rennstrecken und zeiget der Konkurrenz den sportlichen Mittelfinger. Kein Wunder, die Elva aus den 60ern war, ganz Twiggy, ein dünnes Hemd. Mit reichlich Zunder in der Bluse. Das blieb hängen. Bis heute. McLaren kaufte die Gene und den Namen und legte los. Ein Roadster der alten Schule. Fast ohne Alles. Also, keine seitlichen Scheiben, kein Verdeck, kein Windschutz ganz vorn und keine Scheibenwischer. Nix. Außer dem Zunder weiter hinten.

815 PS haben sie ihm eingebaut. 815 PS! Zwei Sitze, drum herum Carbon, eine lange Nase, zwei Finnen hinter den Köpfen, die Türen wie Scheren. McLaren-Style. Der Zweisitzer gibt den Purist, den Fahrspaß-Mönch, allerdings mit Hightech und dem für McLaren typischen Interieur. Also Leder und Carbon. Über 300 soll er können, muß er können. Wohin sonst mit diesem Leistungsgewicht. Ohne Scheibe vor der Nase wird das windig, stürmisch, abenteuerlich. Auch wegen der Zulassung. Man wird wohl einen Helm überziehen müssen. Ab 120 km/h. Oder man bestellt gleich eine Windschutzscheibe. Wir haben ein Foto gesehen und raten davon ab, es sei denn Sie wollen, dass sich Straßenhunde, streunende Katzen und umher laufende Menschen vor Lachen biegen oder gar auf dem Boden wälzen.

Es wird nun cool, innovativ, anders und ein wenig physikalisch. AAMS heisst der Zauber und er kann begeistern. Wir haben ihn nicht erlebt, aber die Kollegen vom britischen Automagazin „Pistonheads“ waren bei aktivem AAMS an Bord. Das Active Air Management System, welches per einfacher Mechanik die Luft über die Köpfe der Insassen leitet und damit eine Art Akustik- und Sturm-Blase erzeugt. Vorn auf der Motorhaube sitzt ein Windabweiser, der per Knopfdruck ausgefahren wird. Die weiter vorn eingesaugte Luft wird über einen Kanal an den Abweiser geleitet und der schickt dann den Luftstrom über die Köpfe nach hinten, wo der Luftstrom dann vom Heckflügel freundlich empfangen wird. Es bleibt eine Blase der Ruhe.

McLaren Elva – Orkan um die Nase

Wir durften Platz nehmen. Im Prototyp, in Woking. Ein paar Minuten nur, mit Strom im Cockpit. Vieles ist McLaren-like, der Monitor rechts neben dem Lenkrad wirkt ein wenig deplatziert und man wünscht sich eher ein Screen direkt vor der Nase, vielleicht auch, weil man sich fragt, ob das Teil bei einer Geschwindigkeit von über 200 km/h seine Haltung bewahren kann.

Die Technik der Elva ist einfach erzählt, weil wir noch nicht so viel wissen. V8 Biturbo, vier Liter Hubraum, ein cleveres Luftleitsystem zur Kühlung und für reichlich Abtrieb. Natürlich Carbon in Hülle und Fülle. Der Roadster ist so steif wie eine Brise an der Nordseeküste und beim Thema Fahreigenschaften dürfte es kaum Kritik geben. Das Ding wird extrem schnell nach vorn rennen und wenn wir einen Wunsch frei hätten, dann wäre eine Passstraße mit Sonnenschein genau die richtige Nummer.

Den Preis haben wir weiter oben schon aufgeschrieben. 399 Stück wird es geben. Und jetzt die Überraschung: Es sind noch nicht alle Elvas unter der Haube.

Fotos: McLaren