Schon der Weg zur Rennstrecke ist ein Schauspiel. Der Gasfuß will, was das Rennfahrerherz will. Druck und noch mehr Druck. Aber da sind die Limit-Wächter in den Lüften und da ist die Geduld, die dann später aufs Schönste belohnt wird. Wir haben´s am eigenen Leib erfahren.

McLaren 720S Spider and 600LT Spider Global Test Drive – Arizona – Jan-Feb 2019
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Der Einstieg, wie immer, eine Nummer für sich. Nach dem dritten oder vierten Anlauf klappt´s dann sehr leicht. Die Scheren laufen weit genug nach oben, auch bei geschlossenem Verdeck ist da kein Problem erkennbar. Es sei denn, man übertrifft die Marke 2.0 Meter an Länge, dann wird’s eng. Mit 1,80 ist die McLaren-Welt ein Paradies. Die Sitze sehr bequem und an den Seiten schön eng. Das Lenkrad, mit Alcantara umgeben, liebt die Hände und umgekehrt. Überhaupt Alcantara, fast der ganze Innenraum ist mit dem in Japan erfundenen Microfaserstoff ausgelegt. Schöner Fahren ist zuweilen eine feine Sache.

Entlang diverser Hundertschaften an Kakteen, deren Arme manchmal die Sonne anbeten. Dazwischen Steppe und im Winterschlaf befindliche Riesenspinnen, Schlangen und andere Lebewesen, die wir auf keinen Fall wecken wollen. Wir wollen zum Arizona Motorsports Park Circuit, ein Spider in unseren Händen reicht vollkommen aus.

Mclaren 600LT Spider – Beste Laune auf dem Track

Die Meilen laufen dahin, hier und da sind Rückspiegel und Frontscheibe leer. Niemand da. Anhalten, den Sportkanal auf der Mittelkonsole einschalten und den Spider nach vorn schicken, nein nicht schicken, jagen. Da ist ein Doppelkupplungsgetriebe und das treibt die Gänge derart schnell, sauber und gekonnt durch die Welt des 600LT, dass es eine Freude ist. Bis 100 km/h vergehen gerade drei Sekunden. Oder weniger, wir hatten keine Messanlage zur Hand. Jedenfalls sind die 600 PS in Kombination mit dem Fahrwerk und dem Getriebe plus den Pirelli P Zero Trofeo bester Laune. Ein paar offene Kurven lassen die Vorfreude auf den Track spürbar anwachsen. In Deutschland würde man noch auf die Autobahn, die 324 km/h erleben oder noch besser den Weg dahin.

Einfahrt Park Circuit, in direkter Nachbarschaft hat eine Airbase der US-Luftwaffe ein paar F15 und F35 stationiert. Sie heben ab, sie kurven und sie landen wieder. Manchmal starten sie durch und dann bebt die Luft. Ein Tipp an Leute, die überlegen, wo man am besten eine Rennstrecke bauen kann. Eine Airbase ist ein feiner Nachbar, denn das Thema Lärmemission wird von den fliegenden Maschinen komplett übernommen.

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Der LT biegt auf die Boxengasse ein, Jungs in McLaren-Kleidung prüfen Reifendrücke, Bremsscheiben, Helme werden gereicht, vorab angebotene Snacks lehnen wir dankend ab. Der Magen könnte dann später meckern. Eine erste Runde über das Terrain und schnell wird klar, dass eine unbekannte und komplett flache Strecke drei, vier Runden erkundet werden muss. Drei Geraden, eine Kombination aus Kurven direkt hintereinander plus sehr flache Kurbs sind zu meistern. Und dann ist da noch ein erheblicher Mange an Begabung in Sachen Rennsport. Der Wagen scheint in sich zu ruhen. Helm auf, Gurt an und der Streckenposten meldet freie Fahrt.

Normalerweise werden bei Presse-Vorstellungen auf Rennstrecken die Journalisten in drei oder vier Fahrzeugen, jeweils allein, hinter einem Instruktor aufgereiht und können dann fünf oder sechs Runden fahren. Überholen verboten, das Führungsfahrzeug gibt das Tempo vor, per Funk werden Anweisungen gegeben. Heute sieht die Sache anders aus. Vier Fahrzeuge, jeweils mit Journalist und Instruktor besetzt gehen auf die Strecke, zwei Stints á 20 Minuten sind angesetzt. Überholen erlaubt, allerdings erst, wenn der zu Überholende anzeigt, ob er nun links oder rechts überholt werden kann.

Auf die Boxenausfahrt, ein Streckenposten meldet freie Bahn, die erste Runde zum Schnuppern. Der Instruktor gibt knappe Anweisung: jetzt bremsen, jetzt einlenken, rechts rüber, Bremse lösen, Gas, Vollgas, weniger Gas und so weiter. Man lernt, man speichert die Strecke ab, man wird mutiger, schneller, übermütig, wieder zaghaft und irgendwann spricht der LT mit dir. Die Bremspunkte verlagern sich immer weiter nach vorn, die Geschwindigkeiten am Ende der Geraden wachsen deutlich. Die Finger an den Schaltpaddels arbeiten immer besser und der Wagen zeigt immer deutlicher seine wahre Bestimmung.

Allein die Reifen kümmern sich nahhaltig um die Verbindung mit der Strecke. Dort wo man vorher schon bei 115 Meilen pro Stunde eingebremst hat, werden nun 130 angezeigt, einfach weil man aus der letzten Kurve mit deutlich mehr Schwung heraus kam. Dann die Beschleunigung vom zweiten bis zum vierten Gang, was derart sauber und schnell läuft, dass man spürt, wie sauber Motor und Getriebe an einem Strang ziehen. Immer und immer wieder. Runter schalten, zwei mal rauf, volles Rohr auf die Bremse, ganz kurz nur, aber nachhaltig, dann Einlenken, den Scheitel spüren, dann aus der Kurve tragen lassen, die komplette Breite der Bahn ausnutzen, Vollgas und das Spiel von vorn. Bis die Uhr abgelaufen ist und der Helm zwei Stunden im Regal pausiert.

Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Man lernt im Gespräch, wo die Haken der Strecke liegen, wo der Wagen seine Stärken hat. Von mechanischem Grip ist die Rede, von der Präzision der Lenkung und der Bremsen und vom aerodynamischem Grip wird gesprochen. Der 600LT Spider tritt zu den nächsten zwanzig Minuten an. Der Fahrer, ein wenig besser auf die Strecke und den Wagen eingestellt. Es läuft immer runder, die Kurbs verwandeln sich in Navigationspunkte, die Bremsen werden noch mehr gefordert und das nahe Dröhnen der F35 beim Durchstarten ist ein feines Rauschen im Walde. Der V8 spielt die erste Geige im Orchester. Nach etlichen Runden ein letztes Cruisen zur Abkühlung. Helm ab zum Gebet. Der 600LT Spider ist ein scharfer Hund, keine Frage. Das er auch lammfromm durch die Gegend laufen kann, haben wir ebenfalls gelernt. Will man ihn so richtig verstehen, wird eine Autobahn ohne Limit nicht ausreichen, der wahre Charakter tritt auf dem Track zu Tage.

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Fotos: McLaren

Fahrbericht McLaren 720S Spider
McLaren Senna GTR
McLaren GT
McLaren Speedtail

Die technischen Daten (laut Hersteller)

McLaren 600 LT
Motor: V8 BiTurbo
Hubraum: 3.799 ccm
Leistung: 441 kW / 600 PS bei 7.500 U/min
Drehmoment: 620 Nm bei 5.500 bis 6.500 U/min
Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 7-Gang DKG

Leergewicht (trocken): 1.297 kg
Länge: 4.604 mm
Breite (mit Spiegel): 2.095 mm
Breite mit geöffneten Türen: 3.233 mm
Höhe (mit geöffneten Türen): 1.196 mm (1.973 mm)

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 2,9 s
0-200 km/h: 8.4 s
Top Speed: 324 km/h
Verzögerung: 100 km/h bis 0: 32,0 m

Verbrauch nach WLTP
kombiniert: 16,3 l /100 km
CO2: 266 g/km

Preis in Deutschland ab: 250.000,00 Euro inkl. Steuer