Lost Race Tracks: Schikanen an der Donau
Hier war ich schon mal. Durch die Torbögen der Stadtmauer, vorbei an den Ufern, links und rechts viele Menschen mit großen Augen. Der Donau-Ring in Ingolstadt. Eine Perle des Motorsports.

 

donauring-finanzamt

 

Es war 2003. Von Hamburg nach Ingolstadt der Legenden wegen. Auf zwei und vier Rädern, mit Verkleidung und unglaublichen Tönen. Es kreischt, es röhrt, es quietscht und es bollert. Vor zehn Jahren habe ich eine Reise recht tief in den Süden des Landes unternommen. Ein Freund hatte mir dazu geraten. „Nirgendwo gibt es mehr Klassik auf zwei Rädern.“ DKW, BMW, Triumph, sogar Münch und Maserati. Arndt Schoppmeyer war der Organisator und er hat einen Event auf die Räder gestellt, der es in sich hatte. Die Donau schwappte vor lauter Motorengesang fast über die Ufer, die Zuschauer waren aus dem Häuschen und die Teilnehmer hatten ihre Freude. Auch August, oder besser Gustl Hobl war damals dabei. Ein echter Meister der 350er Klasse. 2003 war er dabei, im Lederkombi mit Helm, Brille und dem Können, das man nie verlernt. In den 50er Jahren hat er oft genug bewiesen, dass er zu den besten seiner Zunft zählt. Auch am Donauring war er erfolgreich.

 

Donauring 2003  Foto: Ralf Bernert
Donauring 2003 Foto: Ralf Bernert

 

Zehn Jahre später stehe ich mit Alex in Ingolstadt, wieder sehe ich die Torbögen, wieder die Straßen am Ufer und wieder höre ich im Geiste die Zweitakter. Neben uns stehen Gustl und Arndt. Beide noch immer mit dem Glänzen in den Augen, beide noch angeturnt und vom Virus befallen. Ein kurzer Spaziergang zur ehemaligen Start-Ziellinie des Donau-Ringes, der zwischen 1949 und 1956 die besten Rennfahrer nach Bayern zog. 100.000 Zuschauer waren damals hier. Rund um das Auto Union-Gelände, die Altstadt wurde umrundet, bis 170 km/h schnell. Mit Vollverkleidung und dem Blick für die optimale Linie. Neben den Motorrädern waren auch Rennwagen der Formel 3 am Start. Die Stadt als Arena, kurz nach dem Krieg war der Drang nach positiver Energie kaum zu bremsen. Man freute sich mit den Athleten, Motorsport als Therapie.

Auf unserer Lost Tracks Tour sind wir in Ingolstadt angekommen. Nach dem spektaulären Solitude-Ring nun die Donau-Metropole. Viermal fand das Rennen auf dem Donau-Ring statt, auf vier Kilometer erstreckte sich der Kurs. Man fuhr gegen den Urzeigersinn, dort, wo heute das Finanzamt steht, war damals die Auto Union zuhause, die hier die DKW Motorräder baute. 1956 war leider Schluß, das Thema Sicherheit bereitete dem Stadtkurs das Ende. Gustl Hobl war damals Werksfahrer bei DKW und siegte auf seiner „Singenden Säge“, die ihren Namen durch das Geräusch des Roots-Gebläses erhielt. Sein Motorrad kann man heute im Audi-Musem bewundern.

Bevor wir uns nun auf den Weg in Richtung Chemnitz machen, läuft der Evoque noch einmal die Strecke ab. Natürlich sind die Spuren des Donau-Ringes nicht mehr sichtbar. Wir fahren mit Arndt Schoppmeyer an einem roten Backsteingebäude vorbei und wollen wissen, wann endlich wieder die alten Maschinen von damals diese lange Gerade mit Leben füllen und Legenden wie Gustl Hobl und seine singende Säge nicht nur die Donau in Wallung bringen werden. Leider haben sich die Zeiten geändert sagt Arndt Schoppmeyer. Der Organisator der letzten Donauring-Events. Sicherheitsvorschriften, Verwaltungswege und natürlich das liebe Geld verhinderten bisher eine Fortsetzung der sehr beliebten Classic-Veranstaltung. Nach dem Treffen mit Arndt Schoppmeyer und Gustl Hobel wissen wir, dass man nicht nur nach Rennstrecken, nach Curbs und Starthäuschen suchen muss um den Geist vergangener Motorsport-Tage zu finden. Oft genug sind es die Menschen, deren Begeisterung und Enthusiasmus den Mythos des Motorsports über Jahrzehnte erhalten. Ich wünsche mir, dass Arndt noch einmal den Donauring zum Leben erweckt und dass Gustl noch einmal in seinen Lederkombi steigt und die singende Säge am Finanzamt vorbei laufen lässt.

 

von rechts: Alex Kahl, Arndt Schoppmeyer, Gustl Hobl, Ralf Bernert
von rechts: Alex Kahl, Arndt Schoppmeyer, Gustl Hobl, Ralf Bernert
Donauring 2003  Foto: Ralf Bernert
Donauring 2003 Foto: Ralf Bernert
Donauring 2003 Foto: Ralf Bernert
Donauring 2003 Foto: Ralf Bernert
Donauring 2003 Foto: Ralf Bernert
Donauring 2003 Foto: Ralf Bernert
Skizze: Donauring
Skizze: Donauring

 

Hier finden Sie viele Infos zum Donauring: www.donauring.de

Text: Ralf Bernert
Fotos Donauring 2003: Ralf Bernert
Fotos Ingolstadt: Heiko Seibel
Skizze: donauring.de