Lost Race Tracks: Ost-Pole
Es gibt zwei Sachsenringe und einer von beiden wurde bereits 1927 als Rennstrecke genutzt. Man fuhr auf Landstraßen, durch Ortschaften und man verband Ost und West mit sportlichen Ambitionen. Der andere Sachsenring ist ein Race Track der modernsten Art. Wir haben beide Strecken besucht und mit einem echten Racer gesprochen.

 

sachsenring-aufmacher

 

Uwe Wächtler führt uns durch seinen Ring. Die GP-Strecke am Sachsenring ist leer. Der Evoque folgt dem Führungsfahrzeug mit aller Energie und den ganzen Spuren, die sich bisher auf unserer Reise angesammelt haben. Südschleife, Opel-Rennbahn, Solitude, Donau-Ring, Schleizer Dreieck und nun der frisch gefegte Bitumen am Sachsenring. Der Range Rover als Sammelstelle für historisch-archeologisch wertvolle Überreste deutscher Motorsportkultur. Wer diesen Wagen nach unserer Reise durch die Waschanlage fährt, sollte dies mit angemessener Haltung tun.

Eine Runde, noch eine und dann Startaufstellung. Natürlich die Pole. Hier im Osten, wo bereits 1897 erste Rennen gefahren wurden. Auf zwei Rädern und ohne jede Genehmigung. Man fuhr einfach und konservierte diese Begeisterung bis man 1925 einen Club gründete. Die Bevölkerung war nicht begeistert, Sicherheit war ein Thema. 1927 dann ein Lichtblick, ein Viereck wurde befahren. Schon wieder Geometrie. Eine Naturstrecke, von mehr als 130.000 Zuschauern bevölkert, wurde ein paar mal befahren, dann war Schluß. Zuviele Unfälle, zuwenig Sicherheit.

Hier der Streckenverlauf 1927:

– Start und Ziel, kurz nach dem
Lutherstift unweit der Einmündung der
– Lutherstraße
– die Bismarckstraße heute Friedrich-Engels-
Straße in die Stadt hinein
– weiter über die Badstraße und
– die Waldenburger Chaussee
– bis zur Kurve, an der der Bauer Nötzoldt
sein Gut betrieb
– hinunter zum „Heiteren Blick“
die Eisenstraße entlang
– am Wasserwerk vorbei
– bis zum Queckenberg hinauf – ohne die
später ausgebaute Kurve –
– wieder zurück über die Lerchenstraße
in die Stadt
– zum Start und Ziel.

Infos aus: www.hohenstein-ernstthal.de/sachsenring/streckenverlauf.htm

 

Die 30er Jahre brachten den Durchbruch, Der Große Preis von Deutschland für Motorräder fand hier statt. Ab 1937 sprach man offiziell vom Sachsenring. 8,7 Kilometer, über Teile der heutigen B180 und parallel zur heutigen A4. 1950 kamen 400.000 Zuschauer, eine Fahrbahn der Autobahn wurde gesperrt, man stellte gigantische Holztribünen auf die Fahrbahn. Heute ist das undenkbar, damals war das ein Fest.

Giacomo Agostini hält den Rekord. Mit seiner MV Augusta schaffte er einen Schnitt von fast 180 km/h. Bis zur Wiedervereinigung wurde der Sachsenring fleißig besucht. Er gilt als Geburtsstätte der Melkus-Rennwagen, Heinz Melkus einer der Helden des DDR-Motorsports, war hier besonders oft unterwegs.

 

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Uwe Wächtler ist ausgestiegen. Man bewundert die moderne Anlage. Neben Moto-GP, werde hier auch Rennwagen bewegt. Das ADAC GT Masters gastiert hier, Fahrsicherheitstrainings sind bestens besucht. Während unseres Besuches steht eine kleine Flotte vor dem Start. man will raus auf die Strecke. Wir verlassen den modernen Kurs und besuchen den Straßenkurs oder was noch davon übrig ist.

Zuerst das alte Start- und Zielhaus. In Sichtweite eine lange Linkskurve, die B180. Dort fuhren die Rennwagen und Motorräder hinauf, rechts neben dem Gebäude der neue Startturm. Zwei Welten, zwei Generationen. Man stellt sich vor, wie vor zig Jahren hier an dieser Stelle Tausende standen, die Helden anfeuerten und für ein paar Stunden die Power des Motorsports hautnah erlebten. Wir können heute nur noch indirekt miterleben, was damals hier los war. 400.000 Menschen, das klingt nach einem Livekonzert von Queen, den Stones oder eben dem Großen Preis von Deutschland für Motorräder.

Alex und ich fahren nun zum Bilster Berg, der modernsten Strecke in unserem Land. Dort werden wir den Evoque in die Mausefalle locken.

 

 

Text: Ralf Bernert
Fotos: Heiko Seibel

Sachsenring: www.sachsenring.de