Lost Race Tracks: Opels scharfe Kurven
Die Südschleife liegt zurück, wir haben ein paar Reste bewandert und nun führt uns die Autobahn weiter südlich. Rüsselsheim und Opel. Eine historische Verbindung. Und dann war da eine Rennbahn.

 

Opel-Rennbahn-Aufmacher

 

Mitten im Wald, eine Schranke mit Schloss, von Rennwagen, Curbs und Pole-Position keine Spur. Manfred Powalka, Opelaner und Fakten-Sammler im Heimatverein Rüsselsheim hat den Schlüssel und öffnet die Schranke. Ein kleiner asphaltierter Weg, links ab und die kurze Reise in eine weitere Geburtsstätte des Motorsports findet ein beeindruckendes neues Ziel. Die Opel-Rennbahn, eine Highspeed-Arena des frühen 20. Jahrhunderts. Etliche Jahre bevor in der Eifel der Nürburgring Gestalt annahm, wurden hier in diesem Wald Räder und Menschen bewegt. Fast wie in einem englischen Fußballstadion, näher dran am Geschehen ging nicht und wäre heute undenkbar.

Eine Rennbahn mitten im Wald. Damals, ab 1919 zunächst als Teststrecke für Opel erbaut, dann sehr schnell als Rennbahn weit über die Grenzen der Region bekannt und beliebt. Bis zu 50.000 Menschen wurden teils mit Sonderzügen zu den Steilkurven gebracht. Ikonen wie Hermann Lang, Fritz von Opel oder Rudolf Caracciola drehten hier ihre Runden. Bis zu 140 km/h schnell waren die Rennwagen, die Zuschauer konnten die Piloten fast mit Händen greifen, Zentimeter neben dem Betonkragen am oberen Rand der Steilkurven rasten die Rennwagen vorbei. Heute stehen Alex und ich auf diesen Steinen und spüren der Atmosphäre von damals nach. Im Innenfeld bestellte damals ein Landwirt seine Felder, eine kleine Zufahrt verband ihn mit der Außenwelt. Es ist eine verwunschene Stelle, ein Kuriosum der sportlichen Art. Anfang der 30er Jahre verblasste der Ruhm dieser einzigartigen Arena, der Nürburgring und auch der Hockenheimring übernahmen die Führung der deutschen Rennstrecken. Bis 1946 wurden immer weniger Rennen auf der Opel-Bahn gefahren, dann kam das Ende. Die US-Armee nutzte nach dem Krieg die Stecke noch zu Einstellfahrten, der Wald übernahm das Zepter. Der Abriss der Betonplatten wurde als zu teuer empfunden, man engagierte die Natur als Helfer. Kleine Löcher im Beton wurden mit Baumsamen gefüttert, man hoffte auf die Kräfte des Waldes. Einzelne Baumstümpfe dienen heute als Zeugen dieser Idee.

Auf unserer Tour durch Deutschland werden wir noch weitere besondere Rennstrecken erleben, die Opel-Rennstrecke ist und bleibt eine faszinierende Ausnahme. Spektakulär während der aktiven Zeit, geheimnisvoll bis heute.

 

rechts: Manfred Powalka
rechts: Manfred Powalka