Lamborghini Huracán: An der dicken Leine
Einen Hund führt man der Leine spazieren, einen Stier wohl am Stahlseil. Wobei auch ein kurzer Ausgang mit dem neuen Stier aus Sant’Agata eher ein kleines Abenteuer denn ein Spaziergang sein dürfte.

 

lambirghini-huracan-Aufmacher

 

Wir erinnern uns an recht lebendige Begegnungen mit dem Gallardo SE, dem Gallardo Superleggera und natürlich mit dem Aventador. Ein Lamborghini ist kein Schoßhündchen. Niemals.

Jetzt ist der Gallardo Geschichte, eine sehr erfolgreiche. Mehr als 14.000 Exemplare wurden in zehn Jahren verkauft, der Nachfolger wird einiges leisten müssen. Vor allem die gelungene Mischung aus purer Kraft, klarem Design und der deutlichen Abgrenzung zum Flaggschiff ist kein einfaches Unterfangen.

 

 

An den Zeichentischen und auf den großen Computerbildschirmen haben die Designer einen in weiten Teilen neuen Lamborghini gezeichnet. Die Front wird, auch der technischen Notwendigkeit folgend, über drei auffallend große Einläße Lüft zur Kühlung und zur Stabilisierung eingesogen. Downforce ist eine elementare Sache, am Heck werden dann andere Winde zur besseren Straßenlage über den Hintern geleitet. Ein Diffusor weiter unten, sorgt für noch mehr Stabilität am Heck. Die Zeiten, in den Luft einfach so über einen Sportwagen strömte sind lange vorbei. Autodesigner sind auch Luftfahrt-Entwickler.

Bei der Beleuchtung werden ab sofort nur noch LED-Leuchtkörper verwendet. Das macht sich beim Design bermerkbar und in der Nacht sind eben nicht mehr alle Stiere grau. Einen wesentlichen Anteil an der besonderen Ausstrahlung des neuen Lamborghini haben die Rückleuchten. Sie bilden das jeweilige Ende eines schmalen Bandes direkt zwischen Abrisskante und der darunter liegenden schwarzen Abdeckung. Bereits dieser Anblick erinnert recht deutlich an den Miura Concept, der vor sieben Jahren vorgestellt wurde und seitdem im Firmenmuseum als Bindeglied zwischen der großen Zeit des Miura Neuzeit gelten soll. Auch die Abdeckung der Motoröffnung unterscheiddet sich deutlich von der des Vorgängers Gallardo. Die schwarze, einer Jalousie nicht unähnliche Kunststoff-Mütze läßt einen Vergleich mit dem Concept zu.

 

links: Huracán / rechts: Miura Concept
links: Huracán / rechts: Miura Concept

 

Der Innenraum des Huracán trifft den Lambrghini-typischen Stil sehr genau, schwarzes Alcanatra und Nappalder kleiden den Zweisitzer wie erwartet sehr gut. Dazwischen werden Aluminium und Kunststoff das Ambiente vom rassigen Sportler komplettieren. Die Instrumentierung ist spartanisch-technisiert angordnet, ein 12,3 Zoll großer TFT-Monitor liefert alle notwendigen Daten. Die wichtigen Fahrwerkseinstellungen, STRADA – SPORT – CORSA, lassen sich natürlich seperat einstellen. Der Huracán wird im Dschungel der Großstadt ebenso souverän unterwegs sein, wie auf einer Rennstrecke. Zieben Gänge werden per Doppelkupplungsgetriebe sortiert und wenn gewünscht per Paddel am Lenkrad gemanged.

Der Motor ist ein reiner Sauger, also ohne Turbo oder ähnliche Hilfsmittel. Die maximale Leistung liegt deshalb recht spät, bei 8.250 Umdrehungen pro Minute an, das höchste Drehmoment von 560 Nm liefert der 5,2-Liter-Motor bei 6.500 Umdrehungen ab. Der Vortrieb endet bei 325 km/h und den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft der Ilatiener mit dem Namen eines sehr brühmten und mutigen Stieres in 3,2 Sekunden. Der Wagen wiegt trocken 1,422 Kilo, daraus ergibt sich ein Leistungsgewicht von 2,33 Kilo pro PS. Die gesamte Kraft wird durch permanenten Allradantrieb auf die Reifen transportiert und durch serienmäßige Carbon-Keramik-Bremsen wieder eingebremst.

Einen Preis nennt Lamborghini noch nicht. Seit Anfang Januar wird der neue Lamborghini in 60 Städten weltweit seiner potenziellen Kundschaft vorgestellt, beim Genfer Salon feiert der Huracán dann seine Weltpremiere. Ausgeliefert wird der Wagen ab dem Frühjahr diesen Jahres.

 

Fotos: Lamborghini