Krug in Berlin: Party mit Freunden

 

krug-celebration-aufmacher

 

Musik spielt eine Rolle, die Wissenschaft auch und natürlich Champagner. Zwei Tage wurde zelebriert, zwei Tage dem Gaumen und den Ohren zugehört, wie sie flüstern, wie sie swingen und wie sie sich freuen können. Let´s celebrate!

Cool war auf alle Fälle Jacky Terrasson und natürlich seine Gang, pardon seine drei Partner. Mitten im Berliner E-Werk, jenes Gemäuer, dessen Fassade nicht wirklich festlich, dafür umso berlinerischer ist. Im E-Werk wurde musiziert, gelauscht, getafelt und das wirklich aller bestens. Gastgeber Krug hatte ein paar wirklich gute Tropfen aus Reims mitgebracht und Tim Raue hatte mit seiner Mannschaft gezaubert. Man erlebte einen Abend voller Freude, ein kulinarisches und optisches Allegro. Als Abschluss einer Begegnung mit Krug, jenem Haus, das sich seit 1843 dem Champagner und seiner Vollendung verschrieben hat.

 

krug-regal

 

Der erste Champagner. In einer Airbus 380 Richtung Los Angeles, Business-Class. Noch vor dem Start stand das Glas auf der sehr breiten Armlehne des Sitzes 6A. Die Taschen verstaut, aus dem kleinen Fenster den Leuten draussen beim Verstauen der letzten Koffer zuschauen und der Champagner wirkt wie eine Medizin gegen Langeweile. Der Gaumen wird angesprochen, in ein Gespräch über Wein, Trauben, Gärung und Alkohol verwickelt. Die Speiseröhre als Verdichter und letzte Instanz vor dem Magen beschleunigt den fast freien Fall des feinen Getränkes, bevor von oben wieder nachgefüllt wird. Das klingt mechanisch, wie ein Wasserfall ohne tropische Pflanzen drum herum. Aber es ist Champagner, ein guter und er verziert die halbe Stunde bis der Flieger stolz die Nase Richtung Atlantik hebt. Schön war´s.

Der letzte Champagner. In Berlin. Olivier Krug steht uns gegenüber und spricht über seinen Vorfahren, Johann-Joseph Krug, jenen Mainzer, der 1843 einen wirklich besonderen Champagner kreieren wollte und es getan hat. Ein Buch mit seinen Notizen liegt vor uns, wie eine Bibel, ein Kochbuch, eine geheime Rezeptur. Es geht um Akribie, um Hingabe, Weinverstand, Genuss und um den Mensch, dessen Freude durch einen guten Champagner weiter gesteigert wird. Gibt es schönere Motive? Freude, Qualität, Besonderheit, Handwerk, Hingabe.

 

krug-buch

 

Ein Forscher schaut uns in den Kopf. Er kommt aus Oxford in England. Er will, dass wir sehr süssen Wein trinken, dabei Musik hören und aufschreiben, wie uns der Wein schmeckt. Sehr süss halt. Und dann das zweite Glas, andere Musik. Nicht so süss. Erwischt. Der gleiche Wein. Musik macht den Gaumen an, im Kopf werden Knöpfe gedrückt und die machen den Wein süsser oder trockener. Wir werden schlauer und wissen, dass der Kopf nicht nur aus Gaumen besteht. Obacht bei der Weinverkostung, Stille ist wichtig.

 

Der Champagner-Gipfel bei Krug

 

Eric Lebel hat, wie Olivier Krug, ein Buch. Eric ist der Kellermeister bei Krug in Reims. Der Mann ist ein Künstler. Er spaziert durch Weinberge, er beobachtet die Rebstöcke wie ein Chefkoch die Pflanzen in seinem Kräutergarten, er nimmt Trauben zwischen die Finger, er probiert, er hat den Blick, den Gaumen, den Blues. Casting für Reben, für Weine. Wer steht später im Buch, wer wird Jahrgang, wer Grande Cuvée? Tausende Noten, eine Symphonie. Eric Lebel ist der Créateur, der Parfümeur für den Gaumen. Er zeigt uns seine Noten, er ordnet sie bis eine Melodie, eine Arie entsteht und er steht nun in einem Raum mit lauter kleinen und grossen Bergen aus weißem Papierblättern. Es sind Tausende, jedes Blatt eine Nuance, eine Traube. Eric Lebel wird aus diesem Gebirge eine Auswahl treffen, eine kleine, feine Auswahl. Und genau die treibt dann unseren Gaumen zum Gipfel.

 

Eric Lebel, Olivier Krug, Jacky Terrasson
Eric Lebel, Olivier Krug, Jacky Terrasson

 

Ganz am Anfang, der erste Workshop. Eine Treppe hinauf, die Wände sporadisch verputzt, durch die alte Tür, ein Regal mit Champagner-Flaschen, natürlich Krug. Die Möblierung spartanisch, verschiedene Stile. Man lernt, dass in Berlin nicht die Haute Couture der Möbelindustrie eine Hauptrolle spielt, es geht um den Mix, die Lässigkeit und um Jazz. Also das Talent gepaart mit Handwerk und der Verweigerung vor dem Schick des Professionellen. Berlin ist Baustelle und Galerie plus Atelier, alles in einem. Nun also eine Stunde Krug Champagner plus Jazz plus Konzentration auf das Wesentliche. Das erste Glas füllt sich, Jahrgangs-Champagner 2000. Frucht trifft auf Sonne, auf Klarheit und auf Leichtigkeit. Dann 2003. Mehr Würze, mehr Kraft. Das Wetter spielt eine Rolle. Mehr Regen, Wind, Sonne, Kälte. Man wünscht sich einen schlaueren, gebildeteren Gaumen, mehr Kompetenz. Auch, weil die Menschen bei Krug so viel Herzblut in ihre Arbeit stecken. Dann der Grande Cuvée. Die Symphonie aus Jahrgängen, stärker, kraftvoller, intensiver als die beiden davor. Schon die Farbe ist ein Hinweis. Man nimmt einen Schluck, lässt ihn auf dem Gaumen arbeiten, vorher die Nasenspitze über den Rand des Glases gesetzt, einatmen, wirken lassen. Das alles, während im Hintergrund, leise aber doch spürbar, ein paar Töne durch den Raum laufen, wie kleine Visitenkarten die man mit Flügeln versehen hat. Der Ausflug in diesen Raum ist eine kurze und interessante Reise.

 

Die Krug Celebration mit Feuerwerk

 

Das Finale. Eine rote, runde Bühne in der Mitte. Drum herum Tische, fein gedeckt, edles Glas, Silber, Porzellan, weiße Tischdecken und eine Menükarte. Tim Raue hat wieder gezaubert. Diesmal im E-Werk Berlin, jenem Ort, der einst als Umspannwerk genutzt wurde, bis die Techno-Szene das Denkmal entdeckte, heute produziert hier Anne Will ihre Sendung. Und eben Krug seine Celebration mit einem finalen Feuerwerk abschliesst. Wasabi Langoustine plus Krug Grande Cuvée ID 214032 steht auf der Karte ganz oben. Die ID mag technisch klingen, sie ist aber wichtig, weil man eine App für sein Smartphone nutzen kann und nach Eingabe der ID erfährt man ganz unbürokratisch welche Weine von Eric Lebel und seinem Team in diesem Grande Cuvée zu finden sind. Man lernt etwas über die Jahrgänge, die Komposition und den Charakter. Das, was der Gaumen nicht sofort identifiziert, liefert die App. Die Technik spielt mit und der Mensch sagt aha. Zwischen den Gängen, als eine Art Verbindung zwischen Wasabi, Sellerie, grüner Melone und dem unglaublich zarten Sichuan Beef, werden Melodien gereicht. Auf dem besagten roten Tuch. Das Quartett des Jacky Terrasson, jenem Musiker, der seine Freude an Jazz, Swing, Blues und feinen Klängen so derart lebendig und mitreissend gemeinsam mit seinen drei Freunden in diesen Raum sprüht, dass einem der Champagner wie ein feines Tablett vorkommt, auf dem nun beste Küche plus erfrischende Klänge serviert werden.

 

Maggie Henriquez und Jacky Terrasson
Maggie Henriquez und Jacky Terrasson

 

Innehalten. Nachdenken. Zuhören. Zwei Tage Champagner, in verschiedenen Ausprägungen, mit und ohne Musik. Eine App zur Kommunikation mit Reims, der Heimat von Krug. Man traf die Familie Krug, den Kellermeister, die Präsidentin Maggie Henriquez, bei der Lebensfreude und CEO-Dasein permanent auf einem gemeinsamen Level unterwegs sind. Und dann Tim Raue, der Berliner mit dem asiatischen Herz und der wunderbaren Lust am Komponieren neuer Gerichte. Und  Jacky Terrasson, dessen Kunst mit der des Eric Lebel vergleichbar ist. Komposition, Harmonie und Takt, gepaart mit Hingabe, Handwerk und Lebensfreude. Die Celebration ist angekommen, wird konserviert und bei einem Glas Krug, wenn die Lust danach ruft, wieder in Erinnerung gerufen.

 

Tim Raue
Tim Raue

 

Text: Ralf Bernert
Fotos: Krug