Italienisch für Wahnsinnige Teil 3: Stierkampf im Po

Die Leute von der Autorevue können ein Liedchen singen, vom Stierkampf und dem Satz, der einem in den Sinn kommt, wenn man heil aus einem Aventador aussteigen kann: “Mama mia, ist das ein wildes Viech.”

 

schulklasse

 

Es juckt schon gewaltig. Vor dem Werk derer von Lamborghini stehen gut und gern 30 Teenies rum. Schulklassen-Tag, Jungs machen Bilder, Mädchen denken über reiche Männer nach. Schon wieder Klischees. Und jetzt stehen da vier Typen rum und wedeln mit Autoschlüsseln. Gallardo, Aventador, Bentley GTC und Mercedes-Benz AMG Shooting Brake. So ein Fuck. Und dann steigen die Jungs in die Autos und fahren weg. Yepp.

 

Lamborghini Aventador
Lamborghini Aventador

 

Wieder ein Brückenkopf, vorher erobern die beiden Supersportler eine Anhöhe. Attacke, mit Gebrüll. Rot und Gelb, wie die Farben Spaniens. Arriba! Wieder wird Pasta geordert, Aqua Minerale in großen Dosen und zur Verzückung des Gaumens noch Espresso satt. Es wird serviert, mit jedem Kollegen der verschwindet, macht sich auch ein Lamborghini aus dem Staub. Fabian nimmt den Großen, Camillo den Kleinen und umgekehrt. GoPros werden angeflanscht, vorn, hinten und auf der Seite. Die Videos werden noch geschnitten und sind dann auch hier zu sehen und zu hören. Jetzt ich. Scherentüren öffnen sich, wie bei einem Hummer, den man zappelnd ins kochende Wasser geworfen hat. Der Rote Stier zuckt. Und los.

 
 

Lamborghini ist ein geiles Zeug, ich bin schon lull und lall.

Im Aventador fliegt einem alles um die Ohren. Der Kram vom Beifahrersitz, der Motorsound, die Landschaft, ganze Orte, Menschen am Straßenrand und irgendwie auch die Beherrschung. Jeder Wagen, der im Weg rum fährt, sollte per Laser weggezappt werden können. Der Wagen schreit nach vorn: “Mach´ den Abbieger und zwar pronto!” Italiener sind am Steuer auch immer Sportler, sie schauen in den Rückspiegel, sehen den Satan tanzen und sind ruckzuck von der Bildfläche verschwunden. In Deutschland würden ganze Horden voller Polizisten aus dem Gebüsch springen und den Klingelbeutel zücken. Man darf nicht alles überall. Der Aventador ist ein Stier, ein Viech, ein roter Drache aus dem Fundus von Thomas Harris. Gemeingefährlich und faszinierend zugleich.

Wer nach vorn will, zieht beide Paddel. Neutralstellung, dann den rechten Paddel ziehen und der Wagen rollt ganz brav los. Wie ein kleiner Dackel an der Leine, brav Kleiner. Dann ein kurzer Tritt mit dem rechten Fuß und die Hölle bricht los. Aus dem Dackel wird eben das Viech und das stürzt sich in die Landschaft der Po-Ebene wie ein Rudel Jagdhunde, das den Fuchs gerochen hat. Jetzt ist Stierkampf im Po und der Umgebung. Kurven rücken immer enger zusammen, Geraden schmelzen in der Mittagssonne dahin, der Lamborghini macht leichte Sprünge bei jeder etwas härteren Verzögerung und die Handgelenke leisten ihren Teil. Nachher weiß man, was Rennfahrer so alles aushalten müssen. Die Hitze hier drin wird unerträglich und ist doch kaum zu spüren. Ein Radio ist da und wird doch ignoriert, die kleine Straße mit den rund zehn Kurven wird ein paar mal abgefahren, aus einem LKW kommen Schreie. Man möge doch bitte den Stier ein wenig lauter schreien lassen, so meine Interpretation. Ben detto! Noch ein paar Kilometer, noch ein Schuß. Noch ein paar Tritte ins Genick. “Ich hol’ den Masochist aus Dir raus, ich fessel’ Dich, ich schrei’ Dich an und zeig’ Dir den Himmel in der Hölle. Ich mach’ Dich zu meinem Sklaven und wenn Du wieder zu Dir kommst, wirst Du von mir träumen. Ich krieg’ Dich! Ich krieg’ Sie alle!”

 

grand-mit-vieren

 

 

Björn Habegger wartet. Pasta kalt, Aqua Minerale warm, Espresso abgeräumt. Luft holen, rechts in die Einfahrt. Hinter dem Fenster fragen sich gerade ein paar Leute, wer denn um die Mittagszeit so dämlich ist und in einer rasenden Sauna durch die Landschaft hämmert. R wie Rückwärtsgang, hinten raus ist die Aussicht dem Design zum Opfer gefallen. Beide Paddel, der rechte Paddel und wieder im schnellsten Galopp zurück zur Startlinie. Es scheppert, es kracht. Jede Bodenwelle, jedes Mauseloch, jede Unebenheit wird perfekt an mich gemeldet. Wo der Bentley wie der MI6 jedes Schlagloch perfekt für sich behält, meldet der Lamborghini alles. Whistleblower auf Rädern. Der Gallardo steht noch da, er denkt wohl an eine Pause. Nix da, Tür auf, rein, Gurt um und los. Der V10 ist nicht gar so vorlaut. Man könnte ihn fast zivilisiert nennen. Bis dann der rechte Fuß dem bis dahin ruhigen Auslauf ein jähes Ende bereitet. Der Gallardo prescht nicht weniger stürmisch davon, er schreit ein wenig sonor im Vergleich zum Aventador, aber die Marschroute ist ebenso deutlich. Nur ist der Gallardo eben der Zivi, der Aventador ist der Anarcho.

Ein Bauernhof irgendwo. Zwei ältere Herren sitzen beim Kartenspiel, im Stall dösen Kühe. Wir bringen die Stiere und ein wenig Unruhe. Karten werden beiseite gelegt, aufstehen, nachsehen und den Sohn mit der Kamera rufen. Wer auch immer die Ruhe stört, er bringt Abwechslung. Die beiden Stiere werden per Kamera verarztet. Nach einer Stunde endet die Session. Man will die Kühe nicht in Versuchung führen. Stiere stürmen gern.

Zurück zur Pasta. Björn verschwindet mit dem Roten, Fabian hat den gelben Gallardo und ich die kalte Platte. Zeit für Fakten und Gedanken. 700 PS bewegen rund 1.600 Kilo. 12 Zylinder, längs eingebaut, 6,5 Liter Hubraum. Von Null auf Hundert in 2,9 Sekunden. 350 km/h Spitze und einen Preis gibt es auch: 312.970,00 Euro. Der Gallardo kommt mit 560 PS und 540 Nm zurecht. Er schafft den Sprint bis 100 km/h in vier Sekunden und bei rund 320 km/h werden Grenzen erreicht. Der Preis rangiert bei rund 200.00,00 Euro. Eine Probefahrt auf einer Rennstrecke ist ratsam, ein Training mit einem guten Instruktor ein Muß.

 

 

Text: Ralf Bernert

Fotos: Ralf Bernert/Björn Habegger/Fabian Mechtel

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