Garagengold ist ein Unsinn – Auf alle Fälle für Anfänger

Messe Essen GmbH, Norbertstra§e, 45001 Essen, Germany http://www.messe-essen.de
Quelle: Messe Essen

Es nimmt kein Ende, auch wenn man im Moment von einer Abkühlung lesen kann. Die Reise auf dem Weg zur perfekten Geldanlange bleibt eine Herausforderug, auch wenn sich die alt-ehrwürdige Zeitung „Die Zeit“ über Mondpreise wundert. Es geht nicht anders, man muss einfach jetzt sofort kaufen.

Ja, der Porsche/Ferrari/Jaguar/Mercedes/xy wird ein Renner. Er wird exorbitant teuer, er wird den Banker um die Ecke zur Weißglut bringen, er wird den Nachbarn in tiefe Depressionen stürzen, weil der seine 50.000 Euro, die er von der Tante geerbt hat aufs Konto gelegt hat und nun mehr über Inflation weiß, als der alte Volkshochschullehrer aus dem Nachbardorf. Wehe wenn nicht. Aber in den meisten Magazinen und Zeitungen steht es seit Jahren zu lesen. Irgendein Hersteller wird ein Jubiliäum feiern und dann, ja dann werden die Quattroportes, die Luftgekühlten oder die V8-Sauger nur so in die Höhe rennen. Deshalb jetzt, ganz schnell zum nächsten Händler, ins Internet und bestellen. Bevor´s ein anderer macht.

Garagengold: In dreißig Jahren scheffeln Sie Gold, dank Ihres Oldtimers

Sie haben keine Ahnung von Maserati, Porsche und Co.? Sie finden alte Autos ganz schön? Gut so. Wenn Sie diese Autos mehr als nur schön finden, werden Sie vermutlich noch auf die Idee kommen und damit fahren wollen. Ganz schlechte Idee. Sie müssen kaufen, reaprieren lassen, noch mal begutachten lassen, noch mal nach-restaurieren lassen, dann eine Unterkunft finden, dann den Wagen von Reifen, Batterie und allen Flüssigkeiten befreien, dann zweimal im Jahr alles wieder einbauen und einfüllen, den Motor starten, die Räder laufen lassen, den Wagen wieder, ohne Beule, in die Garage stellen, den ganzen Kram wieder abbauen und eine luftige Folie über den Italiener legen. Und irgendwer wird Ihnen auch noch erzählen, dass Sie unbedingt auf Luftfeuchte und Temperatur achten müssen. Blech rostet, Chrom wird matt und der lack sowieso. Und dann in sagen wir dreißig Jahren kommt der große Moment. Ein oder zwei Menschen rufen Sie an bieten Ihnen Geld zu Kauf des Maserati an. Dreimal mehr, als Sie damals bezahlt haben.

Alfa-8C-2300 und OM Superba 665 SSMM
Foto: Ralf Bernert

Dann müssen Sie ganz schnell zu Ihrem Nachbarn laufen und mit ihm über Inflation reden und über Sparbücher und über den tollen Maserati, der nun nach China übersiedeln wird. Die Chinesen werden bald alle Oldtimer aus Europa kaufen. Sagt man. Noch dürfen sie das nicht, weil gebrauchte Autos nicht nach China eingeführt werden dürfen. Warten Sie nur, das passiert auf jeden Fall.

Garagengold: Die Preise für alle Oldtimer werden durch die Decke gehen. Ehrenwort

Wenn Ihnen der Maserati zu wenig Rendite bringt, verrate ich Ihnen nun ein Geheimnis. Es gibt zwei Wege wie man ein kleines Vermögen mit Oldtimern macht. Erstens, man kauft einen Ferrari 250 GTO, davon gibt es reichlich und alle, wirklich alle sind echt und ihr Geld wert. Für 21 Millionen kann man einen kaufen, dann wartet man runde 20 Jahre und dann ist der Italiener bestimmt 50 Millionen wert. Garantiert. Das steht in jeder Zeitung, jeder Händler wird es Ihnen bestätigen, auch alle Makler und Auktionshäuser werden Ihnen das garantieren. Und denen dürfen Sie auf alle Fälle glauben. Denn am Mythos Oldtimer verdient niemand wirklich Geld, abgesehen von Käufern und Verkäufern. Der zweite Weg ist ein wenig aufwändig, aber er stammt von einem Kenner der Szene. Ein ehemaliger Rolls-Royce Händler hat ihn mir verraten. Derzeit ist der Rolls-Royce Silver Shadow außergewöhnlich preiswert zu haben. Im Schnitt legt man pro Wagen rund 10.000 Euro auf den Tisch. Man kauft rund 100 Shadows, stellt sie in eine große Halle und wartet so rund 50 Jahre ab. Dann werden die Preise für diesen Klassiker durch die Decke gehen. Ich verspreche, nein ich geben Ihnen mein Ehrenwort, dass der Preis für einen Shadow dann bei 200.000 Euro liegen wird.

Ferrari-212-Europa
Foto: Ralf Bernert

Sollte meine Vorhersage nicht eintreffen und ein Shadow weniger als die 200.000 Euro bringen, dürfen Sie mich besuchen und auf meinem Grab tanzen. Wenn Sie dann noch leben. Bis dahin werde ich das tun, was man mit einem Oldtimer tun sollte. Ich werde ihn fahren, geniessen, ich werde mich über ihn ärgern, weil er hier und da spinnt. Ich werde ihm neune Zündkerzen spendieren und ab und an eine Beule aus dem Blech dengeln. Auf alle Fälle werde ich einen Oldtimer niemals als Wertanlage betrachten, weil er das nicht ist und weil alle die vom Garagengold schwalfeln nur eines erreichen, sie treiben die Preise in die Höhe, damit die Händler, Profi-Schrauber und Ersatzteilverkäufer ordentlich daran verdienen. Für mich ist und bleibt ein Oldtimer immer ein teures und wunderbares Hobby.

Text: Redaktion
Fotos: Ralf Bernert / SIHA