Ja, in diesem Ferrari kann die Welt ein wenig durchatmen. Er ist stark und auch schnell, aber prahlt nicht damit, was fast schon wieder langweilig sein kann. Wäre da nicht die Ästhetik des Roma, der eben schnell und elegant ist und genau das macht diesen Ferrari so interessant.

Ferrari hat ein Video zum Roma veröffentlicht. Rom bei Nacht, junge Menschen, elegant gekleidet, ein antiquarisches Buch auf dem Beifahrersitz und die Reise geht los. Kreuz und quer durch die Stadt, vorher ein paar Landstraßen, der V8 als Pulsbeschleuniger, die Kräfte des Roma zeige sich. Und dann in der Ewigen Stadt, der Ferrari als Model, als Botschafter und vor allem als ästhetischer Leckerbissen für alle, denen die Rennwagenschmiede bisher zu sehr das Gaspedal als Pulsgeber in den Mittelpunkt rückte.

Nach dem Portofino, jenem Ferrari, der vorn den V8 trägt und der mit seinem Verdeck als Sommer-Frühlings-Ferrari unterwegs ist, kommt nun der Roma. Ebenfalls mit dem V8 unter der Fronthaube und mit dem Prädikat Coupé unterwegs. Also mehr Raum in der Kabine, mehr Raum weiter hinten für Gepäck und der, im Vergleich zum Roadster, meist unschlagbare Übergang von Kabine zum Heck. Der Schwung, den man sich so gern im Aussenspiegel anschaut und der eben den feinen Unterschied zwischen den Muckies, deren Existenz der Pubertät geschuldet sind und der optischen Kraft, die fast wie eine Naturkonstante dem ganzen Wagen eine bella Figura verleiht. Der Roma jedenfalls strahlt diese Selbstverständlichkeit aus. Er ist stark, er zeigt es, aber er war nicht deswegen in der Körper-Optimierungs-WorkOut-Zone.

Die Nase, welche man am besten von der Seite und auf Augenhöhe anschaut, ist das Abbild eines Feinschmeckers. Ein Gourmet der Straße. Die Kühlermaske fast zu schlicht, kein blinkender Chrom, keine filigran polierte Spangen, ein einfach wirkendes Blech mit rechteckigen Öffnungen darin. Und genau das ist das Gesicht dieses besonderen Ferrari. Stylisch, pur, fast ein wenig britisch, der Weg als Ziel, wobei der Speed, das Spiel der Kräfte dann nicht immer im Mittelpunkt steht.

Ferrari Roma – Das junge, süsse Leben

Kurz vor Sendeschluss noch ein Blick unter die Hülle und unter das Dach. Beim Getriebe haben sie in Maranello ein wenig Raffinesse in den Roma eingebaut. Variable Boost Management, so unitalienisch das auch klingen mag, es ist mal wieder eine Ferrari-Entwicklung, die den Roma aus dem Schönheits-Schlaf wecken soll. Sobald man den V8 nebst Turbo dann doch wie ein Ferraristi durch die Gegend laufen lassen will, kümmert sich eine Steuerungs-Einheit u die optimale Drehmoment-Verteilung. Je nach Gang und Drehzahl wird das passende Drehmoment geliefert. Die beiden letzten Gänge sind dabei in der Poleposition. Beide, üblicherweise etwas länger übersetzt, werden vom Boost Management besonders großzügig bedacht, damit der Vorwärtsdrang bei hohen Geschwindigkeiten nicht spürbar nachläßt. Wie sich das anfühlt können wir uns vorstellen, auf der Autobahn bei Tempo 250 und nach vorn ist noch reichlich Luft.

Auf dem Fahrersitz Platz genommen, das Menettino untersucht und nach kurzer Orientierungsphase etwas Neues entdeckt. Ganz rechts, ein Trackpad. Auf das der rechte Daumen die richtigen Infos im Monitor zeigen möge. Ferrari´s Idee, das Lenkrad ist Schaltzentrale, aus der Formel-1 entwickelt und in Maranello zum Standard erklärt. Man gewöhnt sich schneller, als man denkt. Selbst wenn man aus einem McLaren steigt, der das exakte Gegenteil propagiert. Auf dem Beifahrersitz dann ein schmaler Screen direkt im Blickfeld. Speed, Drehzahl und allerlei andere Informationen. Aus dem 812 Superfast bekannt. Und dann natürlich die Inneneinrichtung. Edel, luxuriös. Die Verarbeitung exzellent, die Hand kann das bestätigen. Das Auge auch.

Im Sommer soll der Roma auf den Strassen auftauchen. Wir bezweifeln das, die Produktion bei Ferrari in Maranello ist gerade erst angelaufen. Vermutlich sprechen wir dann doch über den frühen Herbst. Der Händler sollte mehr wissen. Dort wird der 2+-Sitzer schon kräftig beworben. Und uns interessiert, ob und wieviele Ferrari-Neukunden den Roma kaufen werden. Wann wir dann endlich auch den neuen Ferrari am eigenen Leib auf der Strasse erleben können, wissen wir heute noch nicht.

Und nun wollen wir fahren. Hören dürfen wir schon mal. Der rote Knopf weckt die Geister weiter vorn. Mehr im Video.

Fahrbericht Ferrari 812 Superfast
Fahrbericht Ferrari 488 GT Spider
Fahrbericht Ferrari GTC4 Lusso V12

Fotos: Ferrari
Video: Jürgen Stephan www.motoraktion.de

Die technischen Daten laut Hersteller:
Motor: V8 Biturbo
Hubraum: 3.855 ccm
Leistung: 456 kW / 620 PS bei 5.750 bis 7.500 U/min
Drehmoment: 760 bei 3.000 bis 5.750 U/min
Getriebe: 8-Gang DKG
Antrieb: Hinterräder

Maße:
Länge: 4.656 mm
Breite: 1.974 mm
Höhe: 1.301 mm
Radstand: 2.670 mm
Leergewicht: 1.570 kg
Trockengewicht: 1.472 kg
Ladevolumen: 272 + 73 l
Tank: 80 l

Fahrwerte/Verbrauch:
Top Speed: 320 km/h
0-100 km/h: 3,4 s
Verbrauch kombiniert: noch nicht verfügbar
CO2 kombiniert: noch nicht verfügbar

Preis in Deutschland: ca. 200.000 Euro
Verfügbar: voraussichtlich ab Herbst 2020