Ferrari GTC4Lusso: Spielverlängerung in Maranello

GTC-Lusso-Aufmacher

Ein paar Zentimeter länger, ein paar Kilo leichter, der Name mehr als achtmal so lang und dazu noch 30 Pferde mehr unter der Fronthaube. Der Ferrari GTC4Lusso folgt dem FF mit den gleichen Talenten, also vier vollwertige Sitze und Allradantrieb. Das Konzept Alltags-Ferrari bleibt also trotz seiner Skurrilität erhalten.

Anfangs dachte man ja noch, die Italiener testen den Allradantrieb, um dann später mit einem strammen SUV ums Eck zu kommen. Diesen Job hat jetzt erst mal Maserati übernommen. Echte Ferrari-Enthusiasten können aufatmen. In Maranello macht man noch immer einen Bogen um sehr tiefe Schlaglöcher oder Feldwege nach wirklich langen Regenfällen. Es geht beim Allradler aus Maranello wie beim FF um Speed und italienischen Lebensstil. Grandezza oder sogar dolce vita. Je nach Alter und Sozialisation.

Wenn man sich den GTC4Lusso einmal näher anschaut, werden die Unterschiede zum FF schon recht schnell deutlich. Auch wenn es sich nur um Details handelt. Die Lüftungsöffnungen an den vorderen Kotflügeln zum Beispiel. Beim FF waren sie optisch kaum vorhanden, das Ferrari-Logo wurde wie ein Platzhalter direkt daneben platziert. Beim GTC4Lusso sind die Öffnungen wie Kiemen gestaltet. Wir kennen das vom Ferrari 330 GT 2+2. Der Grill wurde modifiziert. Die vertikalen Streben wurden entfernt, die Front wirkt nun deutlich breiter. Die Frontleuchten wurden noch stärker in die Mitte gezogen und die beiden unteren Lufteinlässe wurden durch Flaps ersetzt. Man erkennt unter der Kühlermaske noch einen schmalen Einlass. Insgesamt wirkt die Front durch diese Veränderungen filigraner, moderner und deutlich dynamischer. Beim Heck fallen nun pro Seite zwei Rückleuchten auf, der gesamte Rücken des GTC4Lusso wirkt wie die Front, feingliedriger, schlanker und sportlicher.

Der Ferrari GTC4Lusso kann jetzt Apple CarPlay

Im Innenraum wurde ordentlich aufgeräumt. Der zentrale Monitor ist nun größer und hat damit einen der drei uneleganten Lüftungsdüsen verdrängt. Jetzt gibt’s nur noch vier von diesen riesigen Innen-Endrohren, die man leider auch bei anderen Autos immer wieder sieht. Dafür hat man für Fahrer und Beifahrer einen eigenen Monitor platziert. Beide gab es schon beim FF, im GTC4Lusso wurde natürlich mehr Inhalt reingepackt. Das Zentralinstrument kann jetzt noch mehr Navigation, es liefert dank eines schnelleren Prozessors sogar 3d-Ansichten, man kann mit dem Finger auf dem Schirm spielen und Apple CarPlay gibt es jetzt auch und das ist mal einen gute Nachricht. Ferrari ist damit in der Gegenwart angekommen. Der Beifahrer-Monitor kann nicht nur die Geschwindigkeit anzeigen, er kann auch die Musikanlage steuern und ins Navi eingreifen, wenn man schnell mal ein feines Schnellrestaurant in der Nähe sucht.

Über den Köpfen der Insassen gibt es ein Spezial-Sonnendach. Ferrari nennt es „Dach mit Low-E Glas. Das spezielle Glas kann spüren ob es draussen warm oder kalt ist und entsprechend reagieren. Im Sommer hält es die Hitze draussen und im Winter hält es die Wärme der Heizung drinnen.

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Der Motor, einer der noch wenigen frei saugenden V12 auf dieser Welt, sitzt natürlich vorn. Er kann 690 PS an Leistung zur Verfügung stellen, bei 5.750 Umdrehungen freut man sich über 697 Nm Drehmoment und das langt dann auch für den Standard-Sprint in lockeren 3,4 Sekunden. Bei 335 km/h endet der Vortrieb und damit die Kräfte auch möglichst effektiv auf der Strasse landen, ist der GTC4Lusso, wie sein Vorgänger, mit Allradantrieb unterwegs. Meistens jedenfalls, denn Ferrari hat sich beim Antrieb etwas besonderes einfallen lassen. Schon beim FF haben die Entwickler von Ferrari und dem Getriebe-Hersteller Getrag den Antrieb des Viersitzers mit einem speziellen System versorgt. Der Antrieb wird über zwei Getriebe, eines vorn, das andere hinten, geregelt. Das ist spart Gewicht und soll den GTC4Lusso mit reichlich Traktion versorgen. Dazu gibt es im FF-Nachfolger noch eine Hinterrad-Lenkung, über die man sich in schnellen Kurven besonders freut. Natürlich wurden alle technischen Komponenten im neuen Ferrari GTC4Lusso weiter optimiert. Der Viersitzer ist nun schneller, wendiger, komfortabler und auch sparsamer als sein Vorgänger. Der Preis dürfte um 270.000,00 Euro liegen.

Ach ja, der ungewöhnliche Name. GTC erinnert an den in den 60er Jahren gebauten 330 GTC, die 4 ist klar und Lusso steht für Luxus, was auch an den 250 GT Lusso erinnert, der Anfang der 60er Jahre das Ende der 250er-Reihe einläutete.

Ach ja, hier noch ein Link zu unserem Fahrbericht über den Ferrari FF

Text: Ralf Bernert
Fotos und Video: Ferrari

Und hier noch ein paar Daten (Quelle: Hersteller)

Motor: V12
Hubraum: 6.262 ccm
Leistung: 507 kW / 690 PS bei 8.000 U/min
Drehmoment: 697 Nm bei 5,750 U/min

Antrieb: Allrad
Getriebe: 7-Gang F1 mit E-Differenzial

Maße:
Länge: 4.922 mm
Breite: 1.980 mm
Höhe: 1.383 mm
Radstand: 2.990 mm
Leergewicht: 1.920 kg
Trockengewicht: 1.790 Kg
Leistungsgewicht kg/PS: 2,6 Kg

Kofferraum: 450 – 800 Liter
Tank: 91 Liter

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 3,4 Sekunden
0-200 km/h: 10,5 Sekunden
Top-Speed: 335 km/h

Bremsen:
100 – 0 km/h: 34 Meter
vorn: 398 x 38 mm
hinten: 360 x 32 mm

Verbrauch (kombinierter Zyklus mit HELE-System (ECE+EUDC):
kombiniert: 15 l/100 km
CO2: 350 g/km