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Ferrari 296 GTB

Fahrbericht Ferrari 296 GTB – Gefahren und erlebt

Sechs Zylinder weiter hinten, dazwischen ein Elektriker für die Summer aller Kräfte. 830 Pferdestärken und die Reise in diesem besonderen Ferrari wird zum Spiel mit dem Mut.

Es ist noch kühl und der Wetterfrosch sprach vollmundig von bis 27 Grad. Später dann am, Nachmittag. Vorher wird es gelb und rot und blau. Gelb die beiden 296 GTB in der Boxengasse. Rot die Ferrari-Mannschaft, blau die Leute von Michelin, dem Reifenlieferant. Die Strecke, recht neu. Nahe Sevilia, noch näher am Monteblanco. Die Gerade ganz schön lang, fast einen Kilometer. Und das soll den V6 plus E-Motor so richtig anheizen. Man könne so um 275 km/h schaffen, bis zum Bremspunkt. Das ist eine Menge Holz. Und eine Challenge. Wer schafft mehr?


Einführungsrunde, vornweg ein Werksfahrer aus Maranello. Erklärungen, zum Auto und zur Strecke. Beides neu, wobei der Ferrari nicht der erste Hybrid des Hauses ist. Der SF90 ist ebenfalls mit einem Benzin-Elektro-Kombinat unterwegs. Der Verbrenner ist allerdings ein V8 und damit einen Tick stärker. Unser Kandidat muss sich mit einem V6 begnügen, weshalb die Medienwelt den Namen „Dino“ ins Spiel schrieb. Was falsch ist, weil der Dino eben kein Ferrari war. Vielmehr stimmt eine Verbindung, die der Hersteller selbst ins Spiel brachte. Der 250 LM, als Gladiator in Le Mans unterwegs. In den 60ern. Und der Link ist sofort aktiv, wenn man sich den Hintern des 296 GTB anschaut. Passt und gefällt sehr. Vor allem aus der Vogel-Perspektive.


Die erste Runde ohne Aufpasser und Fremdenführer. Den Fahrmodus auf Rennstrecke justiert, am Volant. Wo sonst. Der Ferrari-Tradition folgend, wandern alle Knöpfe, Dreh- und Druckschalter, sogar ein Trackpad auf´s Lenkrad, sogar die Rückseite wird bewohnt. Das Haus wird immer voller und man fragt sich, wie lange es wohl noch dauert, bis die Italiener eine weitere Speiche ins Volante einbauen. Als Wohnraum für weitere Kontroll- und Einstell-Medien. Egal, die Finger finden ihre Ziele. Die Augen nach vorn gerichtet, los.


Ein paar Worte fliegen einem vor dem geistigen Auge umher. Traktion, Sound, Balance, Oper, Tradition, Moderne und natürlich: la velocità!





Es geht also los, aus der letzten Rechtskurve, die Lenkung öffnet sich während der Vorderwagen gerne nach oben schauen möchte, aber nicht kann, weil die Aerodynamik ihn zu Boden zwingt. Beschleunigen, den Gasfuß sehr nachhaltig nach unten drücken. Wie ein Ringer den Gegner auf die Matte drückt und die Front des 296 GTB verliert, was dem ganzen Wagen zugute kommt. Er rennt aus der Kurve, stürzt sich auf die Gerade und kennt nur ein Ziel: 280 km/h. Und er schafft es. 281 und noch rechtzeitig die Kurve gekriegt. Sauber abgebremst, sauber eingelenkt. Ab in den Rest der Strecke. 



Kurven fast jeder Art. Schikanen und kurze Geraden dazwischen. Der jüngste Ferrari kümmert sich vorbildlich um Traktion, klare Fahrmanöver sind Routine, die Lenkung, das Fahrwerk inklusive der Reifen arbeiten so sauber wie ein wirklich sehr guter Profi. Und der Sound des V6 plus Abgasanlage ist bei nahezu jeder Drehzahl eine Freude für die Ohren. Mal leise, mal grollend, mal ekstatisch. Wir haben das vor allem Draussen auf der Straße erlebt. 


Hinter den Zäunen der Rennstrecke kann der V6 hier und da eine Pause einlegen und der Zweisitzer rollt fast wie ein Beobachter durch Dörfer und kleine Städte. Aus dem flinken Rennwagen wird ein flinker Flaneur. Und wenn dann der Gasfuß tut, was ein echter Gasfuß so gerne macht, dann kommt der Rennwagen wieder raus und er will los. Auf die schnelle Tour. Auch wenn hinter der Zahl die Buchstaben GTB den Eindruck erwecken, dieser Ferrari hat etwas mit Gran Turismo und Berlinetta zu tun. Nein, er bleibt der kurze, knackige Sportler, er liebt die schnelle Kurvenfahrt und das kraftvolle Intermezzo danach. Eine Tour von Maranello nach Sizilien wäre spannend, das Gepäck fände seinen Platz unter der Fronthaube und zwei Erwachsene würden ihre Freude haben. Aber ein Sportler reinsten Wassers bleibt eben ein Sportler. Die Sitze sehr passgenau, das Cockpit eher eine Informationszentrale und die komplette Anmutung des Innenraumes doch recht knapp bemessen. Vermutlich ist der Roma der deutlich bessere Langstrecken-Ferrari. 

Zusatz: Ferrari kündigt den 296 GTS an.

Fotos: Ferrari