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Fahrbericht Toyota GR Yaris – Der clever Hitzkopf

Grrrrr, ein paar R im Namen zu wenig, dafür reichlich Zunder unter der schmalen Brust. Toyota hat seinen Yaris zum Sportler gemacht und dabei vor allem das Thema Traktion mit Leben gefüllt. Wir waren an Bord und wir haben einen Profi bei der Arbeit erlebt.


Isolde war dabei. Fuhr voraus, sprach mit uns, redete über die hängende Kurve und die Traktion dieses kleinen Toyota. Vorab eine Übung mit ihr. Traktionskontrolle aus und immer schön links halten. Eine Runde aus vier Linkskurven, dazwischen kurze Geraden. Den Japaner am Limit, bis er den Brummkreisel gibt. Und das dauert und bedarf einiger Überwindung, weil der Kleine beim besten Willen nicht die Fassung verlieren will. Man muß ihn zwingen, ihn rauswerfen. Die Übung ist gut, Isolde am Funkgerät erklärt weshalb man diesen Yaris so gut finden kann. Er sei ein Traktionswunder. Wegen der sehr guten Balance, der Allradantrieb kommt dazu, dann Differenziale , die Maße spielen eine Rolle, der Asiate ist gerade mal 3.95 Meter lang und wiegt 1,3 Tonnen. Das passt zusammen und der Dreizylinder mit 260 PS und oben drauf, als Sahnehaube, ein Handschalter mit sechs Vorwärtsgängen. Knackig, direkt und die Lenkung spielt auch sehr gut mit. „Es ist das Paket“, sagt Isolde und wir nicken bevor wir auf den Handlingskurs pilgern. Nahe Mendig, dort, wo früher Militär-Flieger abhoben.


Isolde Holderied, Rally-Weltmeisterin auf Toyota, ist dabei, sitzt im Wagen vor uns, spricht über jede Kurve, läßt den Kleinen tanzen, ohne Fehltritt. Profi-Fahrstunde am Rande der Eifel. Im GR, welches für Gazoo Racing steht und bedeutet, dass man bei Toyota mit dem GR in der WRC mitfahren will, natürlich vorne mitfahren. Und deshalb ist der GR schon mal in Teilen recht nah am Rennwagen. Nur zwei Türen plus Heckklappe, das Dach aus Carbon, das spart Kilos. Ein paar andere Teile der Karosserie sind aus Alu. Ach das wegen der Kilos. Im WRC Yaris wird natürlich noch mehr gespart. Sitze raus, der ganze Zivil-Kram, wie Navi, Unterhaltung und so weiter. Eh klar.


Jetzt wieder mit Isolde. Rein und raus, Kurvenfliegerei, auf der langen Geraden, eine Startbahn, rennt der Zwerg wie ein Wilder und der Motor dreht so schön hoch, extrem motiviert das Teil. Und dann wieder raus auf die Gerade, bis ganz nach oben drehen lassen, dann in den Dritten, volle Möhre auf die Bremse, kurz nur, aber nachhaltig. Und der GR bleibt in der Spur, kein Schütteln, kein Rutschen, Nix. Isolde legt einen Zahn zu, fährt erstmal weg. Bis wir das Gaspedal finden und den Wagen endlich mal duzen. Runde um Runde werden wir mutiger, schneller, dann eben doch dieser obligatorische Dreher. Und kurz mal quer geht auch, weil unser Lenkeinschlag dann doch diese berühmte Spur zu weit ging. Tempo und Lenkeinschlag, sie können nicht ohne einander. Auch nicht in einem GR Yaris.


Raus aus den Kurven, rein in den Alltag. Kennzeichen aus Belgien, das Eifelzonenrandgebiet um Mendig freut sich, dass Motorsport mit Strassenzulassung so gelassen und auch zackig daher kommen kann. Das Getriebe kann die Gänge auch nahezu unbemerkt flutschen lassen, die Bremse kann auch zivil, die Lenkung auch und der gesamte Wagen schlendert lässig durch die Gegend und wenn dann mal ein Aspirant vorbei kommt und seine Kräfte, einem pubertären Poser gleich, zum Besten geben will, dann, ja dann kann der Yaris mit diesem GR vornweg so richtig die Sau rauslassen. Was wir nicht getan haben, weil es Regeln gibt und wir raten dann auch potenziellen Saurauslassern, dass sie das bitte auf abgesperrten Plätzen tun, dort, wo man nur sich und den Wagen aus der Bahn werfen könnte.


Wir zockeln so durch die Gegend, steigen mal aus und bemerken, dass man bei Toyota das Thema optische Zurückhaltung so gar nicht auf dem Zettel hatte. Ganz vorn die Lust auf Luft, weiter hinten, weit ausgestellte Radhäuser, das Heck mit Spoiler am Dach, die schmale Heckscheibe darunter das Leuchtwerk, alles wirkt sehr modern und mit diesem sportlichen Unterton versehen. Die beiden Endrohre, links und rechts als kleines, fast zierliches Signal, dass hier ein kleiner Kraftsportler steht. Die gesamte Ästhetik des Wagens ist einerseits sehr typisch für Toyota, auffällig, präsent und modern. Und daneben klassischen Indizien für ausgeprägte Fahrdynamik.


Der Innenraum gewohnt Toyota, beste Verarbeitung, viel Liebe für´s Detail. Der kleine Monitor auf der Mittelkonsole zeigt alles,was wichtig ist. Apple CarPlay mit allem Drum und Dran. Man findet sich schnell zurecht, die Sitze bieten sehr viel Seitenhalt und sind dennoch sehr bequem. Man hat genug Raum, 1,80-Menschen sehen alles, Ein- und Aussteigen ist kein Thema, kurz: der GR Yaris ist ein durch und durch sehr gutes Alltagsauto, allerdings gewürzt mit reichlich Pfeffer unter´m Hintern.


Toyota bietet den GR Yaris in zwei Varianten an. Den Standard-GR für 33.200,00 Euro und den Performance mit geschmiedeten 18-Zoll-Rädern, Michelin Pilot Sport, rot lackierte Bremssättel, High Performance Fahrwerk und Torsen Differentialen. Der Preis: 37.690,00 Euro.


Fotos: Toyota



Die technischen Daten (laut Hersteller):


Motor: R3 Turbo

Hubraum: 1.618 ccm

Leistung: 192 kW / 261 PS bei 6.500 U/min

Drehmoment: 360 Nm bei 3.000 bis 4.600 U/min

Antrieb: Allrad

Getriebe: 6-Gang manuel


Maße:

Länge: 3.995 mm

Breite mit Spiegel: 1.805mm

Höhe: 1.455 mm

Radstand: 2.560 mm

Leergewicht: 1.280 kg

Tank: 50 l


Fahrleistungen und Verbrauch

:0-100 km/h: 4,5 s

Top Speed: 230 km/h abgeregelt

Verbrauch kombiniert nach WLTP:

8,2 l100 km

CO2 kombiniert nach WLTP: 186 g/km


Preis in Deutschland ab: 33.200,00 Euro inkl. MwSt.

GR Yaris Performance: ab 37.690,00 Euro inkl. MwSt.