Eigentlich bewegen wir lieber die Produkte von Lexus, der Toyota-Tochter. Aber der Hatch aus dem Toyota-Corolla-Regal gefiel uns bei der ersten Testfahrt derart gut, dass wir uns gerne mal aus dem Fenster lehnen und behaupten: Dieser Japaner wird viele Freunde finden.

Fahrbericht Toyota Corolla: Cockpit – Foto: Toyota

Ein Hybrid, ein Voll-Hybrid. Das meint, mindesten zwei unterschiedliche Motoren, zwei unterschiedliche Energie-Träger, eine Verwaltung, kein externes Akku-Laden und Verbrauchswerte, die mit den Hersteller-Angaben fast auf einer Linie stehen.

Unten rot, oben schwarz, mit 180 PS, die schmalere Hybrid-Version wäre dann mit 122 PS unterwegs. Das Design sehr modern, reichlich Linie und die Schweller stehen optisch nicht allein, die Nase fast zu groß, zu aufdringlich, weil der Lufteinlass mit dem breiten Rahmen schon sehr hungrig im Wind schwimmt. Hinten dann zwei schmale Endrohre, darüber dann die schmalen Rückleuchten und die Kanten und Ecken. Wer´s lieber teutonisch glattrasiert mag, wird den Asiaten nicht lieben können. Sie sind da mutiger, klarer, mit dem Herzen unterwegs.

Im Innenraum das gleiche Spiel. Hochwertig, durchdacht, aber eben nicht so aufgeräumt wie bei Mutti neben dem Sofa. Wenn der Monitor vor dem Volant runde Ecken und der zweite Monitor an der Mittelkonsole eher klare Kante zeigt, dann kann das verwirren. Oder gefallen, je nach Orientierung, nach Erwartung. Und gefällt´s.

Fahrbericht Toyota Corolla – Es flutscht und läuft

Und dann ist da noch das Getriebe, das nur zwei Gänge kennt. Vorwärts und Rückwärts. Ein Planetengetriebe, das offensichtlich kaum in die Werkstatt muss, auch weil es eben ein einfaches technisches Bauteil ist. Und wo keine Kupplung dran ist, kann auch keine Kupplung kaputt gehen. Beim Fahren jedenfalls entsteht schnell der Eindruck, dass da keine Gänge sind, obwohl im Display angezeigt, die Schaltpaddel sind eben keine Fakes, damit sich der Fahrer irgendwie wie ein Fahrer fühlen kann. Es flutscht, auch bei hurtiger Fahrweise. Im Modus Sport laufen die Kräfte durch die Gänge, als wäre da nur ein Gang nach vorn. Wir kennen das von sehr, sehr alten Rolls-Royce Modellen. Da gab´s nur einen oder zwei Gänge und dafür reichlich Drehmoment.

Fahrbericht Toyota Corolla: Die Familie. Vorn: Sport Touring, Mitte Hatch, hinten: Limousine – Foto: Toyota

Grundsätzlich ist der Corolla im Hatchback-Format der Jugendliche unter den Corollas. Da wären noch die Stufenheck-Limousine und der Touring Sports, beides Modelle, in die man lieber eine Familie setzt oder die man morgens auf dem Weg zur Arbeit nutzt, die natürlich auch mit dem Voll-Hybrid-System arbeiten und die deshalb besonders clever mit Energie umgehen. Der rot-schwarze Hatch jedenfalls verbrauchte, bei sportlicher Fahrweise, gerade mal vier Liter und wir waren fast ausschließlich in der Stadt unterwegs. Also sportliche Ampelstarts, zackig auf Landstrassen und den ein oder anderen Zwischenspurt auf der Tempo-limitierten spanischen Autobahn. Wir haben ihn gefordert und da sind vier Liter ein Klacks.

Was wir nicht fordern mussten, aber trotzdem sehr gut finden, ist die Sicherheitsabteilung im Corolla, die recht umfangreich besetzt ist und die sogar ohne Extra-Kosten arbeitet. Hier mal eine kleine Liste:

– automatischer Fernlichtassistent
– Verkehrsschilderderkennung
– Pre-Collision System mit Fußgänger-Erkennung bei Nacht
– Pre-Collision System mit Radfahrer-Erkennung
– Adaptiver Geschwindigkeitsregler
– Spurhalteassistent

Beim Thema Fahrwerk haben die Japaner besonders ehrgeizig gearbeitet. Der Corolla basiert zum großen Teil auf den Modellen Prius und C-HR, was den Japaner in puncto Agilität und Dynamik ein deutliches Stück nach vorn bringt. Die 180 PS werden bei niedrigen und hohen Drehzahlen sauber auf die Strasse gebracht, das Fahrwerk kann man als komfortabel und sportlich bezeichnen. Wer hinten sitzt, muss keine Schläge ins Kreuz oder Sprünge befürchten. Sehr gefallen hat uns die Dämmung des Wagens, der Geräuschpegel ist auch bei Tempo 130 auf der Autobahn mehr als erträglich.

Bein Thema Energieverbrauch muss man die Leute von Toyota loben. Sie führen ein Tempolimit von 180 km/h ein, welches aber auf einer soliden Argumentationsbasis sitzt. Wer seltener zur Tankstelle will, sollte den Gasfuß im Griff haben. Vor allem hier in Deutschland erliegen viele Autofahrer der Versuchung und stellen den freien Lauf des Wagens über den Verbrauch an Treibstoff. Nennen wir das mal Disziplin oder Vernunft.

Fahrbericht Toyota Corolla – Foto: Toyota

Bei PlugInHybriden tritt zuweilen das Thema Disziplin in den Hintergrund. Der Akku mit einer Reichweite von 40 Kilometer wird entleert, dann folgt die Entleerung des Treibstofftanks. Hier 40 Kilometer, da 350 Kilometer. Die Abrechnung zum Thema Effizienz fällt dann deutlich aus und die Werte des Herstellers sind soweit von den realen Werten entfernt, man bräuchte ein Fernglas. Beim Vollhybrid sieht die Sacher anders aus.

Unser Corolla wurde schon hurtig bewegt und trotzdem registrierten wir einen Verbrauch, der sich von den Herstellerangaben nur marginal entfernt hatte. Die Software des Corolla und nach unserer Erfahrung aller Vollhybride organisiert den Einsatz beider Motoren derart clever und sinnvoll, dass eine Verdreifachung des angegebenen Verbrauchs komplett unmöglich ist. Vielleicht denken die Ingenieure bei Toyota, dass viele Autofahrer den Gedanken an Disziplin nach dem Einstieg ins Handschuhfach legen und ihn erst wieder heraus nehmen, wenn sie dem Tankwart ihre Kreditkarte in die Hand drücken.

Klar ist jedenfalls, dass der Corolla zu den Fahrzeugen zählt, dessen Stärken nicht die, vor allem in Deutschland, üblichen Stammtisch-Stärken sind, sondern eher die Themen Effizienz, Leistungs-Bilanz und Langlebigkeit. Allein die Tatsache, dass ein Akku, der permanent bis zur Neige entleert und dann wieder aufgeladen wird, keine besonders hohe Lebenserwartung weckt, sollte zu denken geben. Genau hier liegt die zweite Stärke des Voll-Hybrid-Systems.

Unsere Behauptung, der Corolla Hatch werde viele Freunde finden, fußt auf der Erkenntnis, dass dieser Japaner ein sportlicher, jugendlicher und effizienter Wagen ist, dessen Preis recht hoch, der aber dafür ein hohes Niveau an Qualität und Leistung liefert. Und gut aussehen kann er auch.

Fotos: Toyota

Die technischen Daten (laut Hersteller):

Model: Toyota Corolla Hatchback 2.0 Hybrid (Vollhybrid)
Motor (Verbrenner): 4-Zylinder Reihe
Hubraum: 1.987 ccm
E-Motor: Synchron
Systemleistung: 132 kW/180 PS

Getriebe: Planetengetriebe

Fahrleistung:
Top Speed: 180 km/h
0-100 km/h: 10.9 s

Verbrauch/CO2 nach NEFZ:
Verbrauch kombiniert: 3,3 l/100 km
CO2 nach WLTP: 101 g/100 km

Preis in Deutschland ab: 29.290,00 Euro inkl. MWSt.