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Fahrbericht Tesla S – Hochspannung auf Asphalt
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Fahrbericht Tesla S – Hochspannung auf Asphalt 

Man kann ja mal Gas geben. Nur so zum Spaß. Für den anderen, nebenan. Damit der später im Büro was zu erzählen hat. „Von einem Elektroauto zersägt, zerbröselt, abgehängt, in Grund und Boden gefahren.“

Man wird es aber erstmal lassen. Wer erzählt so was schon gerne den Kollegen. Elektroautos sind noch nicht soweit. Wie Männer mit Vollbart im Fummel. Das geht bei einer Karnevals-Veranstaltung. Aber im richtigen Leben? Von einem Stromauto? So ganz ohne Verbrennung, ohne Zündung, ohne Benzin oder wenigstens Diesel. Selbst das ist noch immer eine kleine Schande. Obwohl man in Le Mans ja schon mit dem Diesel ganz schön weit kommt. Aber mit Strom? Rasenmäher, Golfwägelchen, Modellautos mit Fernbedienung. Und dann eine ausgewachsene Limousine. Vier Türen, ein gigantisches Panoramadach, das Design schöner als bei den meisten Autos dieser Größenordnung. Unglaublich. Es gibt noch eine ganze Menge Vorurteile, ein dickes Klischee, eine gigantische Horde echter Männer, die das einfach nicht zulassen wollen. Elektroautos sind was für Freaks.

Unsinn. Angst. Totschlagargument. Der Verbrenner ist die Cash-Cow. Weshalb sollte Volkswagen seine Energie, seine Kreativität und seine monetäre Kraft in eine Idee stecken, die womöglich das eigene Lager kanibalisiert? Volkswagen, Mercedes-Benz, um nur zwei Hersteller zu nennen, verkaufen Autos mit Verbrennungsmotoren. Seit vielen Jahrzehnten. Und nun kommt ein kleines Unternehmen aus den USA daher und baut Elektroautos. Das ist erstmal nicht so wichtig. Wichtiger ist die Idee. Die Philosophie. BMW geht voraus, baut den i3, baut den i8 und baut auf die Zukunft. Auf einem Nebengleis, mit viel Geld und viel Mut.

Tesla Model S
Tesla Model S

Aber nur Elektroautos? Mercedes-Benz hält Anteile an Tesla, man schaut erstmal zu und liefert Teile. Aber der Kuchen, so klein er auch im Moment sein mag, wächst und die Erfahrung des Konditors ist mit Geld kaum bezahlbar. Die Konzerne werden weiter als Zuschauer am Strassenrand stehen, sie werden Hybride bauen, sie werden die alte Strategie „Mehr Kraft – weniger Verbrauch“ weiter fahren, sie werden E-Autos als Drittwagen anbieten. Ein Golf für mehr als 30.000 Euro als „nach 100 Kilometer-Liegenbleiber“. Interessant ist das nicht. Wieviel Geld hat VW in die Entwicklung des Bugatti Veyron gesteckt. Und wie viel Geld hat Mercedes-Benz in die Formel-1 investiert. Der Smart könnte seit Jahren das beste E-Fahrzeug sein, Mercedes könnte seit Jahren führend in der Entwicklung von E-Mobilen sein. Und nun ist Tesla der erfolgreichste und renommierteste Hersteller von Elektroautos. Auch wenn im Moment Verluste gemeldet werden.

Drei Tage im Tesla S – keine Probleme zwischen Hamburg und Berlin

Mit reichlich Kraft, einem Design, das vielen Menschen sehr gut gefällt, mit einer Verarbeitungsqualität, die man kaum kritisieren kann und einem Fahrverhalten, das sich vor keiner Limousine in dieser Preisklasse verstecken muss. Das ist schon mehr als nur ein Auto für Freaks.

Über die Beschleunigung muss man nicht mehr groß schreiben. Sie ist bekannt und muss als Kaufargument eigentlich nicht herhalten. Ein Besitzer, den ich an einer Ladestation traf, erzählte mir, dass er den Tesla S wegen seiner Reichweite, seines Designs und seiner „sauberen“ Technik gekauft habe. Er pendelt zwischen Hamburg und Berlin ohne Probleme. Er nutzt den Tesla als einziges Fahrzeug, er kaufte ihn vor eineinhalb Jahren und fährt ihn ohne Probleme. Der Akku hat unmerklich an Kapazität eingebüsst, drei Kilometer weniger Reichweite. Das ist nicht der Rede wert.

Die Tankstelle für den Tesla S – der Supercharger

Und dann ist da noch der Strom, der Treibstoff. Man schaut vor der Reise noch mal nach. Auf der Website von Tesla. Dort findet man die Supercharger, die blitzschnellen Tankstellen. Der Treibstoff ist kostenlos und der Akku ist in maximal 75 Minuten voll. 515 Kilometer, in der Theorie. Die Praxis mit Ampelstarts, Tempo 160 auf der Autobahn und gelegentlichen Sprints lassen die Reichweite schrumpfen. Dazu kommt noch der Winter mit seiner Kälte, die Nacht mit mehr Strombedarf für die Beleuchtung und die vielen Kleinigkeiten wie Gepäck, Scheibenwischer, Sitzheizung und so weiter. Es summiert sich, aber es reicht immer für 300 Kilometer und damit ist der Tesla S das einzige Elektroauto für lange Fahrten. Alle anderen bleiben in der Stadt, auch weil es keine Supercharger gibt. Wer will schon von Stadt zu Stadt im acht Stunden-Rhythmus fahren?

Und die Stromlieferanten? RWE, Vattenfall und Konsorten? Man kann ihre Stromtankstellen besuchen und den Wagen aufladen. Kostenpflichtig, der Tesla hat alle Kabel und Stecker an Bord. Bei Vattenfall zahlt man per Karte, die man sich vorher besorgen muss. Bei anderen Anbietern, meist Netzwerke aus lokalen Stromanbietern muss man eine Grundgebühr bezahlen, um dann das Netz nutzen zu können. Die meisten Ladestationen findet man leider nur in Ballungsgebieten, oft sind die Ladestationen von parkenden Verbrennern besetzt. Man spürt, dass das Thema Strom für Automobile kein Geschäft ist, für die Konzerne geht es derzeit eher um die Entsorgung von Kernkraftwerken und weniger um ein paar Hundert Autos. Auch das ist ein Feld für kleine, flexible Unternehmen. Tesla plant die Errichtung von weiteren Superchargern, alle 150 Kilometer an den wichtigsten Autobahnen. Dann ist die Fahrt von Hamburg nach München bald kein Problem mehr. Und wenn sich VW und die anderen Riesen nicht bald auf die Hinterbeine stellen, werden Google, Apple und Co. bald das Feld der E-Mobilität untereinander aufteilen. Sie haben das Geld, sie haben das Image und sie haben Zig-Millionen Kunden.

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