Express stimmt schon mal. 250 km/h und in 5,2 Sekündchen bis Tempo 100. Das ist express. Der Ionimus stimmt auch, weil der Cullinan einer ist, der anders sein will und anders ist. Wir haben das erlebt. In Nizza und seiner Umgebung.

Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan – Foto: Rolls-Royce Motorcars

Die Klappe am Ende der 5,3 Meter Rolls-Royce macht erstmal den Unterschied. Natürlich ist das Heck auch anders. Im Vergleich zum Phantom, der fast einen halben Meter länger ist, kennt der Cullinan keine Abstufung. Er ist mehr SUV, obwohl der Hersteller diesen Begriff nicht mag. Man spricht von einem Auto für alle Terrains oder alle Untergründe, bis hin zur Wüste. Die Geschichte von Rolls-Royce spricht für diese Bezeichnung. Als Anfang des 20ten Jahrhunderts Strassen mit festem Untergrund eher die Ausnahme waren und man im Silver Ghost den Kontinent bereiste, war das Thema Offroad so normal wie heute, nur dass es eine Notwendigkeit war und keine Frage des Lebensstiles. Ein Rolls-Royce musste über Stock und Stein laufen und er tat das auch mit der Lässigkeit einer Bergziege, nur ohne Ziegenduft und dem dazu passenden Gemecker.

Und heute? Der Wendekreis liegt trotz Allradlenkung bei stolzen 13,23 Meter. Die Masse von 2.66 Tonnen ist trotz diverser Assistenten irgendwie immer mit an Bord, sie treibt den Briten, einmal per Impuls angetrieben, nach vorn und in Kurven immer nach aussen. Der Viersitzer ist kein Sportler, kein Konkurrent des nach vorn fliegenden Urus aus Sant´Agata oder des Autobahn-Helden Bentayga, der fast gnadenlos alle anderen vor sich her treibt. Der Cullinan ist eine ganz andere Nummer.

Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan – Dein Hintern will bleiben

Die Portal-Türen öffnen sich und der Anblick ist umwerfend. Ein Salon steht da vor dir, er lädt ein, verführt, projiziert Bilder im Kopf, läßt dich träumen und hoffen. Möge der Eigner nur ein paar Minuten Zeit erübrigen und dich auf eine kurze Fahrt mitnehmen. Hinten Platz nehmen, die Schuhe im höchsten aller Teppiche versinken lassen und Versteck mit den Augen spielen. Hättest du blos´ deine besten Socken angezogen oder noch besser eine Pediküre machen lassen. Das Gefühl, wenn dir feinste Teppich-Schlingen die Planta massiert und du jetzt gerne eine Ganzkörpermassage in diesem Meer aus diesem wunderbaren Bodenbelag geniessen könntest. Dabei meldet dein Hintern, dass er sich nie, nie wieder erheben will, die Hände liegen auf Leder, dass von Göttern gegerbt und vernäht wurde.

Es geht weiter mit der Übertreibung. Die Ohren lauschen diesem Nichts, dass ohne Dämmung ein Säuseln des V12 war. Auf der runden Anzeige, vorn bei Chauffeur, liest man 98, was bedeutet, dass gerade mal 2 Prozent der Kräfte des Motors genutzt werden. Der Cullinan läuft fast 80 km/h und es fühlt sich an, als schiebe jemand die Landschaft da Draussen am Wagen vorbei. So, genau so, fühlt man sich in einem Rolls-Royce und eben auch im Cullinan.

Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan – Foto: Rolls-Royce Motorcars

Im Hier und Jetzt fällt auf, dass der grosse Brite natürlich voller Technik, voller Entwicklungen steckt. Das Getriebe von ZF kennen wir aus dem aktuellen Phantom und es sortiert die Gänge nahezu unbemerkt. Das Fahrwerk kümmert sich rührend um alle Bodenunebenheiten, in recht hastig angesetzten Kurven sind Wankbewegungen die Ausnahme und bei voller Beschleunigung wird höchstens Rotwein im Kristallglas ein wenig zu arg an den Rand bewegt. Vorsicht beim Entschleunigen. Der Monitor liefert sauber, schnell und bestens sichtbar alle wichtigen Infos zur Route, die Musikanlage verteilt feine Klänge im ganzen Raum, fast wie eine Duftwolke. Hinten finden sich pro Sitz ein Tisch mit Monitor darüber, natürlich Touchscreen mit Musik, TV und Navi-Infos. Beides elektrisch bewegt, der Monitor klappt aus, je nach Neigung der Rückenlehne des Vordersitzes und auf dem mit Holz belegten Tisch könnte auch ein Laptop ruhen. Arbeiten im Rolls-Royce, welch´ eine paradiesische Vorstellung.

Fahrbericht Lamborghini Urus
Fahrbericht Bentley Bentayga W12

Und da ist er wieder, der Expressionist. Zum Fotoshooting am Meer. Präsent wie ein Präsident. Kein filigraner Leichtfuß, eher Ausdruck des früher Unvorstellbaren. Massiv, fast ausufernd, provokant, fast too much, mitten im Lustzentrum einer Minderheit, mitten Fokus derer, die gern weniger hätten und doch nie genug bekommen können. Ein Grenzüberschreiter mit dem Charme des Spielzeuges aus unbehandeltem Holz, weil so selten wie eine Fata Morgana mitten in München. Ein cooles Teil, das dir jede Form von Schüchternheit nimmt, wenn du am Steuer sitzt und nach vorn schaust. Expressiv als Kalkül und bestens kalkuliert weil um die Lust der Menschen wissend.

Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars
Fahrbericht Rolls-Royce Cullinan - Foto: Rolls-Royce Motorcars

Fotos: Rolls-Royce Motorcars

Die technischen Daten (laut Hersteller):

Motor: V12 BiTurbo
Hubraum: 6.750 ccm
Leistung: 420 kW / 571 PS bei 5.000 U/min
Drehmoment: 850 Nm bei 1.600 U/min
Antrieb: Allrad
Lenkung: Allrad
Getriebe: 8-Gang Automatik
Türen: 5
Sitze: 4 + 2 (Extra)

Maße:
Länge: 5.341 mm
Breite (ohne Spiegel): 2.164 mm (2.000 mm)
Höhe: 1.835 mm
Radstand: 3.295 mm
Wendekreis: 13,23 m
Gepäckraum: 526 l
Leergewicht: 2.660 kg

Fahrleistungen/Verbrauch:
0-100 km/h: 5,2 s
Top Speed: 250 km/h abgeregelt
Verbrauch kombiniert nach WLTP: 15,0 l/100 km
CO2 nach WLTP: 341 g/km

Preis in Deutschland inkl. Steuer ab: 315.350,00 Euro