Rauf und runter, kreuz und quer, schräg und fast Kopf über, den Hintern hoch und wieder zurück. Ein Spielplatz mitten im Hamburger Hafen zeigt, was man mit dem neuen EVoque von Range Rover so alles machen kann. Wir haben uns reingesetzt und die Sickbags bereit gehalten.

Foto: Land Rover Deutschland

Der Platz sieht nach Rummel aus, nach Ärger in der Magengrube und nach diesem Gefühl der Beklommenheit, wenn einem der Himmel zu nah und der Boden zu fern ist. Wir sollen den neuen EVoque von Range Rover erleben und gleichzeitig über das vielleicht zu üppige Frühstück nachdenken. Es gluckert im Bauch und der Wagen rollt an. Ein kleiner Parcours wurde vorbereitet, blaue, riesige Kräne stehen da, als hätten sie gerade Pause. Der neue EVoque rollt an, zuerst ein Fachmann am Steuer, der Parcours erinnert an ein internationales Springturnier, nur ohne Publikum.

Der Anfang ist ganz einfach, den Wagen sehr langsam und sauber über eine kleine Erhöhung bugsieren. Dabei präzise mit Lenkrad und Gaspedal arbeiten.Wir wissen: je derber das Gelände, desto langsamer. Also rauf auf die beiden Streben, kaum breiter als die Reifen und der Blick geht, wie gewohnt aus dem Seitenfenster, nach dem Motto, wenn der rechte, vordere Reifen gut passt, geht es dem linken Kollegen auch gut. Wäre da nicht der Instruktor, der nun, in der zweiten Runde auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat. Er lenkt den Blick auf den oberen Monitor in der Mittelkonsole. Dort sieht man, in aller Klarheit, die beiden vorderen Reifen, als wäre die Motorhaube plus der Technik darunter, unsichtbar. Ein Zaubertrick? Nein, eine Simulation in Echtzeit. Kameras und Sensoren zeichnen das Bild der beiden Reifen auf und projizieren es auf den Monitor. Klar und deutlich. Der Wagen rollt, dank der sehr präzisen Lenkung, sauber über die Streben und das Hindernis.

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Die Runde auf dem Parcours läuft weiter, es geht auf eine Wippe, die hydraulisch den Wagen hochhebt, als hätte der Hulk höchstpersönlich die grünen Finger im Spiel. Wir sitzen in einem Spielzeug und betrachten Teile des Hamburger Hafens aus ein paar Metern Höhe. Vorher wieder das exakte Auffahren, wieder der Monitor, vorab die richtige Einstellung wählen. Das Terrain Response System ist neu oder besser 2.0, Software, Sensoren und Kameras arbeiten jetzt noch präziser, noch schneller zusammen. Man wählt den Untergrund selbst oder das System übernimmt diese Aufgabe. Der Wagen rollt, vorsichtig wie ein Jaguar auf Beutezug, auf die nächste Hürde zu. Diesmal soll es um die clevere Verteilung des Antriebsmomentes gehen, wenn der Range Rover das hintere, linke Beinchen hebt, braucht es dort keinen Vortrieb. Die Technik ist nicht neu, aber wichtig. Der EVoque kann das auch, er tut es auch und er rollt auf drei Beinen sauber über das Hindernis.

Reden wir über Wattiefe mit zwei t. Es geht um die Frage, wie tief ein Wagen sinken kann und trotzdem noch Luft im Motor hat. Der Vorgänger unseres Kandidaten schaffte einen satten halben Meter. Der Nachfolger kann zehn Zentimeter mehr und darf damit als Rettungsboot bei Überschwemmungen gelten. Nicht offiziell, aber er kann, was viele andere nicht können und deshalb kann man über 60 Zentimeter Wattiefe schreiben.

Foto: Land Rover Deutschland
Foto: Land Rover Deutschland
Foto: Land Rover Deutschland
Foto: Land Rover Deutschland
Foto: Land Rover Deutschland
Foto: Land Rover Deutschland

Wir verlassen den Parcours, der Brite hat den Umlauf fehlerfrei bestanden. Der Fahrer wurde hier und da erwischt, wie er das Seitenfenster öffnete und mit blossen Augen die Position des rechten, vorderen Reifens überprüfte. Die Macht der Angewohnheit, ein Überbleibsel aus der Fahrschule Bundeswehr 1981. Damals musste man den Beifahrer in den Schlamm schicken, als Einweiser und Rückversicherung. Sorry Feldwebel, Unteroffizier Müller hat eindeutig Vollgas befohlen. Dazu noch folgende Empfehlung. Je schwieriger das Gelände, desto langsam. Egal mit welchem Gefährt. Jeremy Clarkson ist lustig, aber kein echtes Vorbild.

Auf der Landstrasse und mitten in der Hamburger City. Unser Viertürer gibt den City-Cruiser mit Platz für vier Erwachsene plus Gepäck weiter hinten. Weiter vorn liefert ein vierzylindriger Benziner 250 PS, was in der Stadt keine Rolle spielt, jedenfalls nicht beim Thema Vortrieb. Später auf der Autobahn Richtung Lüneburger Heide dann schon, denn der Wagen läuft doch recht zügig nach vorn und ist dabei kein Schreihals. Später, auf gewundenen Landstrassen, freut man sich über die gute Lenkung, das Fahrwerk hat keine Dellen in die Wirbelsäule ist aber auch kein Beispiel dafür, wie schnell einen auf vier Rädern die Seekrankheit heimsucht. Die Sickbags bleiben unangetastet.

Aussteigen und den Wagen in aller Ruhe von aussen wie innen ansehen. Wirken lassen, mal die Fingerkuppe auf Wanderschaft geschickt, einen der besten natürlichen Sensoren für Materialqualität. Bei Range Rover liegt die Latte recht hoch. Der neue EVoque ist sehr gut verarbeitet, man sitzt gut, fühlt sich als Kunde ernst genommen. Kein nutzloses BlingBling, keine Show. Eher typisch britisch, aber das neue Typisch British. Also ein wenig kühl, technisch. Von aussen, weg von der Kante, hin zum Schwung des Hinterns aber immer noch typisch, weil Luxus mit Handwerk verknüpft, viel Raum und Luft.

Der neue EVoque ist in Deutschland in sechs Varianten erhältlich. Drei Benziner, drei Diesel. Fünf als Mid-Hybrid, also ein kleinerer Akku, kein PlugIn-Suchen nach Steckdosen für Autos. Die Auswahl reicht vom 150-PS-Diesel für 38.100,00 Euro bis zum 300-PS-Benziner ab 53.100,00 Euro. Außerdem kann man die „First Edition“ mit dem 180-PS-Diesel für 67.100,00 Euro der mit dem 248-PS-Benziner für 69.600,00 Euro bestellen. Beide Sondermodelle ist nur dieses Jahr bestellbar und sehr üppig ausgestattet.

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Neues vom Defender

Wir fuhren den Si4 und das sind seine technischen Daten (laut Hersteller):

Motor: 4 Zylinder BiTurbo
E-Motor: Synchron-Reluktanzmotor
Leistung: 184 kW / 250 PS
Drehmoment: 365 Nm bei 1.300 bis 4.500 U/min
Getriebe: 9-Gang Automatik
Antrieb: Allrad

Maße:
Länge: 4.372 mm
Breite (eingeklappte Spiegel): 2.100 mm (1.996 mm)
Höhe: 1.649 mm
Radstand: 2.681 mm
Überhänge vorn/hinten: 880 mm / 810 mm
Wendekreis: 11,60 m
Leergewicht: 1.893 kg
Ladevolumen: 591 bis 1.576 l
maximale Anhängerlast: 1.800 kg

Offroad:
Böschungswinkel vorn/hinten: 25 / 30 Grad
Rampenwinkel: 20,7 Grad
Wattiefe: 600 mm
Bodenfreiheit: 212 mm

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 7,5 s
Top Speed: 230 km/h

Verbrauch / CO2:
Verbrauch kombiniert nach NEFZ2: 7,9 bis 8,0 l/100 km
CO2 nach NEFZ2: 180 bis 182 g/km

Preis in Deutschland ab: 48.550,00 Euro