Fahrbericht Range Rover Autobiography 2016: Ganz weit oben

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Eine gute Stunde nur, dafür mit reichlich Feedback und die Frage nach dem Status des ganz großen Range Rover ist beantwortet. Das Highlander-Motto fällt uns ein und die Vorstellung, dass man an diesem Briten aus gutem Grund nur behutsam Hand angelegt hat.

Damit eins klar ist, dieser Range ist und bleibt die Mutter aller SUV. Vor allem der Autobiography ist das Blech, Holz und Leder gewordene Herzstück der feinen Landart. Mit ihm fährt man durchs Gelände und wenn man aussteigt kann man sich wie ein Lord fühlen, der seine Ländereien besichtigt und anschließend dem Gutsverwalter mitteilt, das der Bestand an Wachteln Grund zur Freude bereitet. Dass man während der Landpartie seine Mails checkt, mit Wonne durch tiefe, wassergetränkte Bodenfurchen pflügt und anschließend auf der Autobahn den 550 PS starken V8 mal so richtig zur Wallung bringt, steht auf einem anderen Blatt Büttenpapier.

Und nun der Reihe nach. Im Norden der Republik, nahe Lübeck, steht ein recht feines Hotel und dort hat man uns den Range Rover SV Autobiography in die Hand gedrückt. Dass es den ganzen Tag wie aus Kübeln geregnet hat, ist unwichtig, weil Briten und Menschen nördlich der Lüneburger Heide grundsätzlich nach vorn und nicht nach oben schauen.

Fahrbericht Range Rover Autobiography 2016

Unser Testwagen, der Range Rover SV Autobiography ist mit dem 5,0 Liter V8 und 550 PS ausgestattet. Er kostet 183.500,00 Euro und wenn man die lange Version dieser Ikone bestellt, werden 196.500,00 Euro fällig. Inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Für diese ordentliche Stange Geld bekommt man eine ganze Menge Automobil und diese Menge macht auch enorm viel Spaß.

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Im Norden Deutschlands sind Bergziegen eher selten, weil ohne natürliches Terrain. Wer in Ermangelung eines ordentlichen Berges einen Deich erklimmt, wird mit grünen Gummistiefeln beworfen, also haben wir den Range Autobiography über schicke Landstraßen, durch verschlafene Dörfer und hier und da in sumpfartiges Gelände gesteuert. Das Terrain-Response-System der zweiten Generation hat seinen Job ganz prima erledigt. Ok, viel haben wir dem cleveren Teil nicht abverlangt, aber aus Erfahrung an anderer Stelle können wir bestätigen, dass die Ingenieure bei Land Rover eine wirklich sinnvolle und zuverlässige Erfindung gemacht haben. Traktion, Sicherheit, Dynamik, überhaupt das ganze Fahrverhalten passt sich wie von Zauberhand den eingestellten Begebenheiten an. Matsch, Glatteis, Schotter, nasser Asphalt, alles geht und super einfach. Dazu noch die Bergziegen-Einstellung, ob rauf oder runter. Der Range und seine Helferlein machen das schon.

Der Range Rover Autobiography kann schnell, sehr schnell

Auf der Autobahn sind 250 km/h drin, auf der Landstraße legt sich der große Range schon mal spürbar zur Seite, aber nur, wenn man schon arg am Steuer dreht und dabei den Gasfuß nicht wirklich im Griff hat. Die maximal 680 Newtonmeter Drehmoment liegen zwischen 3.500 und 4.00 Touren an, der gut 2,5 Tonnen schwere Luxus-Gelände-Brite schiebt dann eindrucksvoll nach vorn und den Sprint von 0 auf 100 km/h kann man in 5,4 Sekunden schaffen. Ein Ampelstart mit Schmackes ist damit drin, wenn auch nicht wirklich stilvoll.

Den echten Stil des Range Rover Autobiography kann man erstens an seiner äußeren Form erkennen, weil die Designer bei Land Rover den Autobiography nicht mit BlingBling gespielt haben und zweitens sieht und spürt man auch im Innenraum, dass Luxus und Komfort viel mit Raum, Qualität und Tradition zu tun haben. Leder, Holz, Alu, Chrom und was man sonst noch von einem Klassiker aus England erwartet, aber eben nicht die von Wettbewerbern zelebrierte Orgie an Überfluss und Maßlosigkeit. Der Range Rover Autobiography ist die moderne Variante des 1970 vorgestellten Kantholzes mit dem aus dem Gelände in die Stadt fuhr und vor der Oper anhielt. Kein Kopfschütteln, kein Naserümpfen, alles gut.

Jaguar XJR and Range Rover Cotwolds, England. 25th - 26th January 2016. Photo: Drew Gibson.

Natürlich gibt’s auch moderne Technik an Bord. Neben der Alu-Haut, die den Wagen mal eben um 420 Kilo leichter als den Vorgänger macht, haben die Techniker den Range in ein Kommunikations-Hightech-Wunderkind verwandelt. Das Surround-Kamera-System hat eine eigene Waschanlage, die Heckklappe kann per Geste geöffnet und geschlossen werden, man kann über den Hot-Spot mit bis zu acht Smartphones oder Tablets im Internet unterwegs sein und der Range wird per Handy auf- und abgeschlossen. Wenn man den großen Wagen mal nicht finden kann, macht er per Blinker und Hupe auf sich aufmerksam. Über das „Incontrol-System“ lassen sich alle wichtigen Smartphone-Apps über den 8-Zoll-Monitor steuern, das Thema „Neuland“ ist also bei Range Rover in den besten Fingerspitzen.


Unser Fazit: Der Range Rover in seiner exklusivsten Form stellt noch immer das obere Ende der Nahrungskette dar und zwar überzeugend. Die Luft wird zwar dünner, aber mit den behutsamen und trotzdem deutlichen Optimierungen an Design und Technik stehen die Briten sehr gut da. Wir haben den Autobiography zwar „nur“ für ein paar Stunden bewegen können, aber die kurze Testfahrt reichte für einen Überblick aus und der zeigt uns, dass Land Rover mit seinem Flaggschiff auf dem richtigen Kurs ist. Die Kombination aus komfortablem Luxus, sehr guter Qualität, modernem und traditionellem Design und zukunftsweisender Kommunikationstechnik ist aus unserer Sicht derzeit bei keinem anderen Hersteller in diesem Segment so überzeugend zu finden.

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Text: Ralf Bernert
Fotos: Jaguar Land Rover

Fahrbericht Range Rover Autobiography 2014
Fahrbericht Range Rover Sport 2014

Die technischen Daten des Range Rover 5.0 Autobiography Supercharged (Herstellerangaben):

Motor: V8 Supercharged
Hubraum: 4.999 ccm
Leistung: 405 kW / 550 PS bei 6.000 bis 6.500 U/min
Drehmoment: 680 Nm bei 3.500 bis 4.000 U/min
Antrieb: permanent Allrad mit Mitteldifferenzial und optional Hinterachsdifferenzial

Maße:
Länge: 4.999 mm
Breite mit Spiegel (eingeklappt): 2.073 mm
Breite ohne Spiegel: 1.983 mm
Höhe: 1.835 mm
Wendekreis: 12,7 m
Radstand: 2.922 mm

Leergewicht: 2.465 kg
maximale Anhängerlast: 3.000 kg
Tank: 105 Liter
Gepäckraum: 550 Liter

Gelände:
max. Böschungswinkel vorn: 34,7 Grad
max. Böschungswinkel hinten: 29,6 Grad
max. Rampenwinkel: 28,3 Grad
Wattiefe: 900 mm

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 5,4 s
Top Speed: 250 km/h

Verbrauch nach EU-Standard:
kombiniert: 12,8 l/100 km
CO2: 298 g/km

Preis: ab 198.500,00 Euro inkl. Gesetzl. MwSt.