Fahrbericht Porsche Panamera Turbo: Vier Sitze für ein Halleluja

Fahrbericht Porsche Panamera Turbo - Der Flügel zeigt sich nur oberhalb von 100 km/h
Fahrbericht Porsche Panamera Turbo – Der Flügel zeigt sich nur oberhalb von 100 km/h

Natürlich kann man im Panamera gemütlich von A nach B reisen. Man sitzt gut, der Motor werkelt gut gedämmt vor sich hin und die Musik aus den Lautsprechern passt wunderbar zur malerischen Landschaft. Soviel zum Thema Limousine. Und jetzt senken wir den Gasfuß.

Fahrbericht Porsche Panamera Turbo - Das Heck macht die Sache rund
Fahrbericht Porsche Panamera Turbo – Das Heck macht die Sache rund

550 Pferdestärken, 770 Newtonmeter Drehmoment und die Landschaft setzt sich urplötzlich in Bewegung. Hier unten am Tegernsee hat man es eigentlich nicht so eilig. Urlaub, Natur, feine Häuser am See, viele Autos aus München, ein paar Paraglider hängen in der Luft, unter ihnen das blaue Wasser und neben uns der blaue Turbo. Kennzeichen S für Stuttgart. Der neue Panamera steht da und wir laufen ganz schnell zum Heck, weil wir unbedingt wissen wollen, ob der neue Hintern in natura so gut aussieht wie auf den Bilden. Er tut es.

Fahrbericht Porsche Panamera Turbo – Dann swingt das Heck ins Auge

Vergessen wir also Vergleiche mit großen Meeresbewohnern und deren Optik. Der Neue kann sich sehen lassen. Die schlanken Heckleuchten passen ansatzlos, die rote Spange dazwischen wirkt wie eine Diät. Der Porsche hat ab der C-Säule den Blues, den modernen Blues. Das freut uns und auch die meisten, die wir dann später überholen werden. Zuerst tauchen im Rückspiegel die beiden 911er-Frontleuchten auf, dann kommt der Mittelwagen, der dank seiner starken Linien und Sicken weit kürzer wirkt als er ist. Und dann swingt das Heck ins Auge, aaah. Der neue Panamera. So ungefähr wird man das erleben können. Wir nicht, wir sitzen im Panamera und betrachten das Innere des Orkans.

Das ist der Fernseher, also der wirklich große Monitor, den man erstmal nicht sehen muß, weil er schon in die Instrumententafel eingebaut wurde. Ein Hinweis an die Hersteller, die immer noch der Meinung sind, dass ein Bildschirm auch mal wie aus dem Zubehörladen gekauft und in einen Schacht eingesteckt wirken kann. Man kann das machen, aber edel und durchdacht wirkt das nicht. Deshalb ein Kompliment nach Zuffenhausen. Die Kollegen Mercedes haben das auch gemerkt und werden hoffentlich bald in allen Klassen dem Beispiel der S-Klasse folgen.

Fahrbericht Porsche Panamera Turbo - Seitenansicht
Fahrbericht Porsche Panamera Turbo – Seitenansicht

Der schönste Monitor ist eine hilflose Konstruktion, wenn es an guten Inhalten mangelt. Beim neuen Panamera ist das Programm im Schirm modern, zeitgemäß und nutzbringend. Apple CarPlay, Android Auto ist Standard, dazu kommen noch Handschriftenerkennung, WLAN-Hotspot, LTE-Telefonmodul, Google Streetview, Google Earth, Echtzeit-Navi und so weiter. Wer seinem Porsche-Händler mal so richtig auf den Zahn fühlen, der nimmt sich richtig viel Zeit und läßt sich die komplette Connectivity-Welt des Panamera erklären. Es lohnt sich.

Wir schauen nach vorn. Durch das Lenkrad, nach rechts. In der Mitte thront noch immer der rote, lange Stab. Um ihn herum Zahlen, Drehzahlen. Tradition ist noch immer wichtig. Rechts daneben die Moderne. Eine Karte. Bunt, lebendig, verliebt in Details und digital. Direkt am Lenkrad, rechts unten, ein kleiner Drehknopf. Bekannt aus dem 911. Zur Justierung der Laune. Normal, Sport, Sport +. Wir haben es ausprobiert. Die Spreizung ist sehr gut. Klar erkennbar. Für den Alltag reicht Normal allemal.

Für den kleinen Hunger zwischendurch ist „Sport“ die gute Wahl. Fahrwerk, Motor und Assistenten sind dann hellwach, straffer und ein wenig härter unterwegs. Und wenn dann der Hafer sticht, die Strecke lockt oder sogar eine Rennstrecke lockt, ist das Plus hinter dem Sport die Krönung im Panamera. Profi-Fahrer haben damit die Nordschleife in 7:38 Minuten geschafft und damit den Viersitzer zum echten Sportwagen gemacht. Wie man sich auf den beiden Rücksitzen fühlt, wenn der Panamera mit Schwung die Hohe Acht erklimmt, wollen wir lieber nicht wissen. Auf der Döttinger Höhe jedenfalls wird man sich entspannt ins Leder drücken lassen.

Wir fahren selbst. Vom Tegernsee nach München. Erst ein paar nette Landstrassen, links und rechts Bäume und Hügel. Der Drehschalter steht auf „Normal“, der Auspuff-Klappen-Schalter steht auf Ruhe, der Gasfuß ist entspannt und die Dämmung des Porsche hat nicht viel zu tun. An dieser Stelle gibt der neue Panamera den Gentleman. Eine komfortable Limousine mit Feuer im Kessel.

Nun ziehen wir die Weste aus, vorher das Jacket. Wir krempeln die Hemdsärmel hoch, drücken den Klappenschalter. Der Drehknopf weckt die Sportsgeister im Porsche und ein Auge hat den Tempoanzeiger sehr genau im Blick. Wir brauchen den Führerschein noch und wollen trotzdem mal nachsehen, was der Panamera so zu bieten hat. Also Sport und Spaß im Viertürer. Bis zur A8 nach München liegen noch rund 25 Kilometer Landstraße vor uns.

Fahrbericht Porsche Panamera Turbo - Das Cockpit als Fenster in die Zukunft
Fahrbericht Porsche Panamera Turbo – Das Cockpit als Fenster in die Zukunft

Kurven, Geraden und 100 km/h Limit. Hinter ist die Luft rein. Bremsen, anhalten und Vollgas bis 100. Der V8 rennt los, die Turbotechnik liefert in gerader Linie, kein Zucken, kein Ruckeln. Weiter hinten das nachhaltige Röhren aus den Endrohren. Die Lenkung bleibt frei von Vibrationen, die Reifen sitzen fast nahtlos auf dem Asphalt, dann die Bremse. Keramik und Stillstand. Alles kein Problem. Dann hinein in die Kurven, offene Kurven mit 60 rein, mit 80 raus. Die Hinterräder lenken sauber mit, die fast zwei Tonnen bleiben gelassen in der Spur, das Getriebe arbeitet gewohnt schnell, sauber, fast unbemerkt. Wieder runter, in den „Normal“-Modus. Fein war´s.

Zum Schluß das Dessert auf der Landebahn. A8 nach München, direkt zum Airport. Ohne Limit, ohne Schranken in Form von 140-km/h-Überholen. Sport Plus. Die kurzen Hosen und die Spikes an den Sohlen. Luft holen und Vollgas. Der V8 setzt an, nimmt Maß und stürzt uns in Richtung 300 km/h. 250, 260 uns so weiter. Bei 280 ist dann doch ein Ende in Sicht. Ein Ende auf vier Rädern. Die Keramik an Bord zügelt den Sturmlauf, danach wieder ein Limit.

Bis zum Flughafen nur noch 120 km/h, den Drehknopf wieder auf Normal. Jetzt singt nicht mehr der V8, Frank Sinatra gibt ein Ständchen. „Fly me to the ….“. So weit reicht der Vorwärtsdrang des neuen Panamera sicher nicht, aber er kann schon heftig austeilen und dabei saugut aussehen.

Fahrbericht Porsche Panamera Turbo - Die ganze Welt im Blickfeld
Fahrbericht Porsche Panamera Turbo – Die ganze Welt im Blickfeld

Ein Nachtrag: Der neue Panamera wird mit Benzin-, Diesel- und Hybridantrieb angeboten. Die Leistungspalette reicht von 330 PS beim Panamera bis zu 550 PS beim Turbo. Das exklusivste Model ist der Turbo Executive ab 166.458,00 Euro. Der Panamera kostet in Deutschland inklusive Steuern mindestens 88.989,00 Euro.

Fotos: Porsche

Fahrbericht Porsche 911 Turbo S Cabriolet

www.porsche.de

Die technischen Daten laut Hersteller

Porsche Panamera Turbo
Motor: V8 Biturbo
Hubraum: 3.996 ccm
Leistung: 404 kW / 550 PS bei 5,750 bis 6.000 U/min
Drehmoment: 770 Nm bei 1.960 bis 4.500 U/min
Getriebe: 8-Gang Doppelkupplungsgetriebe

Maße:
Länge: 5.049 mm
Breite (mit Spiegel): 1.937 mm (2.165 mm)
Höhe: 1.427 mm
Radstand: 2.950 mm
Gepäckraum: 495 bis 1.304 Liter
Leergewicht: 1.995 Kg
zul. Gesamtgewicht: 2.585 Kg
Leistungsgewicht: 3,6 kg/PS
Tank: 90 Liter

Fahrleistungen / Verbrauch:
0-100 km/h: 3,6 Sekunden
0-200 km/h: 12,7 Sekunden
Top Speed: 309 km/h

Verbrauch kombiniert: 9,3 bis 9,4 l/100 km
CO2: 212 bis 214 g/km
Effizienzklasse: D

Preis in Deutschland inkl. Steuern ab: 153.011,00 Euro