Fahrbericht Porsche Panamera GTS – Für Unentschlossene

Das Buchstaben-Kombinat GTS hat bei Porsche eine lange Tradition. Der 906 rannte in den 60er Jahren von Sieg zu Sieg. Der 928 GTS war das Flaggschiff der Zuffenhausener in den 90ern und seit ein paar Jahren werden alle Modelle mit dem Gütesiegel GTS ausgezeichnet, weil zwischen S und Turbo eine Menge Möglichkeiten warten.

In Bahrain gibt es eine Formel-1 Rennstrecke mit Nachtflugerlaubnis, jede Menge Öl und darüber reichlich Steppe mit einzelnen Pflanzen. Die Hauptstadt Manama entwickelt sich langsam aber sicher in eine kleine Kopie von Dubai und die längste Autobahn teilt das Königreich in zwei Hälften, wobei man manchmal weder links noch rechts der Bahn aus dem Fenster schauen darf, weil da Kanonenrohre neugierig in die Umgebung starren. Und Bahrain ist ein Königreich am Persischen Golf und eine Insel auf der ein sehr roter Porsche Panamera schon zu den auffälligsten Pflanzen zählt. Es sei denn, man steht am Eingang eines der mondänen Hotels der Stadt, dann ist der Panamera nur wegen seiner Farbe ein Exot, denn Weiss ist in dieser Region die nahezu alles beherrschende Farbe. Bei deutlich über 35 Grad im Schatten wundert das aber auch nicht wirklich.

Den Panamera GTS reicht Porsche in zwei Varianten dar. Da ist die Limousine mit dem Coupé-Heck und dann wäre da noch der recht neue Sport Turismo, den man an seiner weiter nach hinten laufenden Hecklinie erkennt und den man auf keinen Fall Kombi nennen sollte. Tut man es doch, öffnet sich während der Fahrt die Heckklappe und alle Koffer purzeln auf die Strasse. Das gefällt weder den Koffern, noch den Autos dahinter. Also bitte Sport Turismo oder ein wenig lässiger: ST.

Fahrbericht Porsche Panamera GTS – Der V8 schlendert

Während sich die Drehtür des Hotels noch windet, der Persische Golf seinen leichten Sturm um die Häuser ziehen lässt und jemand mit einer schwarzen Dienstlimousine vorfährt, schließen wir die Tür des GTS Sport Turismo, stellen den Sitz plus Spiegel ein und wecken den V8. Wir wollen zum F1-Track. Tempo 120 auf dem King Hamad Highway, der die Hauptinsel in zwei Hälften teilt. Der GTS schlendert, er zeigt sich von seiner gelassenen Seite, die Sitze sind bequem, das Lenkrad, in Alcantara gekleidet, fühlt sich wie ein Samthandschuh an, der Fahrmodus-Schalter steht auf Sport, was maßlos übertrieben ist. Von den 460 PS werden hier vielleicht 100 gebraucht. Man kümmert sich um Musik, Radiosender, die Verbindung zwischen Smartphone und Auto. Das alles läuft routiniert ab. Der GTS kann das alles ebenso gut wie alle anderen Porsche auch. Das Cockpit mit all seinen Monitoren, der feinen Haptik, die Rückmeldungen an den Fingerspitzen, als wolle jemand Fingerabdrücke nehmen und dem gesamten Anblick dieses Autos, das, obwohl mit Verbrennungsmotor ausgerüstet, doch den klaren Blick in die Zukunft gewährt. Zumindest bis wir keinen Finger mehr rühren müssen, weil der Wagen auf´s Wort gehorcht.

Panamera GTS Sport Turismo – Foto: Ralf Bernert

Eine gute Stunde rollt der GTS durch die Steppe, ein paar Ausflüge in die Botanik zwecks Foto- und Rauchpause. Eine Ölpumpe stampft vor sich hin. Das öde Auf und Ab erinnert an den Kolben eines Verbrennungsmotors mit einer ausgewachsenen Depression. Das schwarze Zeug quillt aus einem Loch, es stinkt, es klebt und es ist die Muttermilch des Landes. Der GTS macht sich wieder auf den Weg. Keine Zeit für Depression, auf dass die Kolben eine Party feiern.

Der Bahrain International Circuit ist ein Sonderling unter den Formel-1-Strecken. Zwar wurde er vom Goodfather of Track-Design Hermann Tilke gezeichnet und er ist auch recht flexibel in der Handhabung, aber er liegt eben mitten in der Steppe und das heisst, der feine Sand schaut immer mal wieder vorbei, so der Wind dies will. Deshalb hat man den Sand um die Strecke unter einer Asphaltschicht begraben und diesen Asphalt dann mit Sandfarbe bemalt. Der Aufwand war gewaltig, aber es funktioniert. Zumindest während unserer Runden.

Panamera GTS Interieur – Foto: Porsche

In der Boxengasse wartet ein Profi. Der Däne Michael Christensen sitzt in einem gelben 911 Turbo S Coupé. Er kennt die Strecke, er ist unser Navigator. Zwei Finger drehen den kleinen, runden Drehschalter auf Sport Plus. Der Wahlhebel auf der Mittelkonsole wandert nach links, die Paddel spielen eine Rolle. Zuerst eine Runde Schaufensterbummel. Hütchen ins Gedächtnis fahren, Kurven einprägen, Bremspunkte lernen und den GTS in kurzen Hosen ausprobieren. Zweite Runde einen Zacken zulegen. Der Gelbe da vorn rennt schon mal weg, auf der Geraden dann die 460 PS und das Drehmoment erleben. Bis zum Begrenzer, zu spät geschaltet, deshalb Schwung verloren und den Turbo S wieder einfangen müssen. Die Bremsen sind eindrucksvoll zuverlässig, immer wieder rein in die Kurve, immer ein wenig später bremsen, rausrennen, hier und da richtig geschaltet und der GTS fühlt sich an wie ein Sportwagen. Der Sound passt, die Lenkung ist präzise, auch wenn der über fünf Meter lange Wagen mit seinen zwei Tonnen Masse kein Rennwagen ist oder sein will, er hat die Gene des Sportlers. Das Fahrwerk sorgt für Grip, plus die P Zero von Pirelli, die auch nach fünf Runden noch kleben. Dann ausrollen, abkühlen, in die Box.

Ein paar Stunden später, die Sonne ist aus oder weg. Jedenfalls hat jemand im Hausmeister-Kabuff der Rennstrecke den ganz grossen Schalter umgelegt. Taghell. Flutlicht. Ein paar hundert Sonnen verwandeln den Track in einen Racing-Boulevard. Vorher trug man Sonnenbrille, jetzt geht es ohne. Jeder Winkel der Strecke wird ausgeleuchtet, als wolle man nach einem verlorenen Goldstück suchen. Der GTS ist wieder dran. Vornweg der Turbo mit Michael.

Wieder Sport Plus, diesmal die ersten Runden ohne Paddel, was zwar geht, aber irgendwie wirkt, als hätte man aufgegeben. Die Schalterei lerne ich nie, also Automatik. Das funktioniert auch, aber die Hände wollen immer mitspielen, hier und da hätte man später geschaltet oder früher. Eitelkeit spielt mit, wenn schon der Kupplungsfuß über dem Bremspedal schwebt, dann doch bitte den Taktstock nicht aus den Händen geben. Also wieder rein die Kurven, Bremspunkte anvisieren, Scheitelpunkte noch sauberer anfahren, härter einlenken, härter bremsen und noch mehr Druck direkt nach dem Scheitel. Der Porsche spielt da brav mit, Allradantrieb aber meist auf die Hinterräder konzentriert, das Heck ist kein Spielverderber, also neutral. Gezieltes Rutschen ginge, ist aber auf Rennstrecken eher Spielerei, die Zeit und Reifen kostet. Nach der letzten Runde den anderen zusehen, der Sport Turismo ist keinen Deut langsamer oder weniger dynamisch. Das Gepäck wurde vorab aus dem Wagen genommen, der Physik wegen.

Panamera GTS – Foto: Porsche

Was raten wir einem Panamera-Aspiranten? Der GTS ist der bestens ausgestattete, sehr gut motorisierte und sportlich ambitionierte Wagen. Die Technik schafft den Spagat zwischen Komfort und Sport derart locker, man könnte meinen, in Weissach haben die Entwickler den Panamera 4S und den Turbo in einem Topf geworfen, kräftig geschüttelt und dann einen GTS aus der Ursuppe gezogen. Den Sportler im GTS wird man nicht so oft auf Rennstrecken erleben, aber das Spiel mit den Paddel, die Leistung des V8 und das feine Fahrwerk kann man auch mit Tempo 100 auf kurvigen Landstraßen erleben. Nur mit dem Flutlicht wird’s ein wenig eng.

Fotos: Porsche / Ralf Bernert

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Technische Daten (laut Hersteller):

Model: Panamera GTS
Motor: B8 BiTurbo
Hubraum: 3.996 ccm
Leistung: 338 kW / 460 PS bei 6.000 bis 6.500 U/min
Drehmoment: 620 Nm bei 1.800 bis 4.500 U/min

Maße:
Länge: 5.053 mm
Breite (ohne Spiegel): 2.165 mm (1.937 mm)
Höhe: 1.417 mm
Radstand: 2.950 mm
Leergewicht: 1.995 kg
Gepäckraum: 500 bis 1.340 l
maximal Zuglast: 2.200 kg
Tank: 90 l

Fahrleistungen/Verbrauch:
Top Speed: 292 km/h
0-100 km/h: 4,1 s
0-200 km/h: 15,4 s

Verbrauch kombiniert nach Euro 6 d-Temp EVAP: 10,3 l/100 km
CO2: 235 g/km
Effizienzklasse: E

Preis in Deutschland ab: 138.493,00 Euro inkl. MwSt.

Technische Daten (laut Hersteller):
Model: Panamera Sport Turismo GTS
Motor: B8 BiTurbo
Hubraum: 3.996 ccm
Leistung: 338 kW / 460 PS bei 6.000 bis 6.500 U/min
Drehmoment: 620 Nm bei 1.800 bis 4.500 U/min

Maße:
Länge: 5.053 mm
Breite (ohne Spiegel): 2.165 mm (1.937 mm)
Höhe: 1.422 mm
Radstand: 2.950 mm
Leergewicht: 2.025 kg
Gepäckraum: 500 bis 1.390 l
maximal Zuglast: 2.200 kg
Tank: 90 l

Fahrleistungen/Verbrauch:
Top Speed: 289 km/h
0-100 km/h: 4,1 s
0-200 km/h: 15,6 s

Verbrauch kombiniert nach Euro 6 d-Temp EVAP: 10,6 l/100 km
CO2: 242 g/km
Effizienzklasse: E

Preis in Deutschland ab: 141.349,00 Euro inkl. MwSt.