Fahrbericht Porsche Cayman GTS: Der Porsche mit der Soundmachine

Es ist der kleine Schalter, aber für den Porsche ein großer Schalter für die Ohren. Man schaut auf das Symbol, ein Auspuff, und man weiß dass es nun lauter oder leiser wird. Je nach Gusto, je nach Belieben und nach den äußeren Umständen. Nachbarn aus dem Bett schreien; nicht gut. Im Tunnel den Lauten geben; am Anfang gut. Ein menschenleeres Tal mit reichlich Kurven in einen Konzertsaal verwandeln; immer gut. So ist das mit dem GTS. Das S steht für manche halt auch für Sound.

Foto: Porsche
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Bis jetzt hat ein Porsche eigentlich noch nie den Schreihals gegeben. Luftgekühlt ja, kehlig, nach zwei Single Malt und drei Filterlosen kann man sich so anhören. Der Porsche als Spiegelbild der eigenen Verfassung. Rauhaarig, böse auf den ersten Ton, dann nur noch typisch. Andere haben andere Laute, der GTS ist nun auch so ein Typ. Nicht der große Joe Cocker, auch nicht Randy Crawford. Eher dazwischen, je nach Schalter. Wobei eigentlich nie Lounge-Smooth-Chillout oder so was. Der Cayman oder der Boxster GTS haben den Ton der Boxter im Heck aber eben nicht den Gesang des GT 86 aus Japan. Der ist eher bemüht, nicht so lässig und vor allem hat der Porsche den Pfeffer.

Im Cayman GTS nach dem Röhrl´schen Kurventheorem

Auf Mallorca kann man den Touri-Slalom am Strand laufen, man kann Radfahrer umkurven, man kann Olivenbäume zählen oder man kann auf einem Handlingkurs nahe des Flughafens einen Porsche über den Asphalt schicken. Das geht nach der zweiten Runde ganz gut, weil der Kurs halt schön kurz und vor allem flach ist. Wenn dann vorher ein Walter Röhrl noch den Einweiser gibt, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. „In die Kurve immer langsamer rein als raus!“ Solche Sätze fliegen aus dem Funkgerät und landen im Gedächtnis, um dann auch gleich auf vier Räder verteilt zu werden. Man grüßt die nächste Kurven dann auch gleich mit dem Röhrl´schen Theorem der Kurvendidaktik und das funktioniert tadellos.

Foto: Porsche
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Der Cayman GTS, als schnellerer Nachfolger des Cayman R identifiziert, kennt Walter Röhrl und seine Philosophie recht gut und das zeigt sich durch seine präzise und kommunikative Lenkung, seine spürbar sportliche Balance und die Fähigkeit, am Kurvenscheitel noch mal richtig in die Vollen zu gehen. Das können andere Porsche-Coupés auch recht ordentlich, aber der Cayman ist halt ein zackiger Kerl, oder er spielt ihn einfach überzeugender. Was von den Vätern des Porsche auch gewollt ist, man möchte auch noch ein paar Carreras verkaufen. Ob das noch funktioniert, wenn es mal einen Cayman Turbo S gibt, bleibt noch der Phantasie überlassen, aber probieren sollte man das mal.

PDK oder Handschalter – Der Cayman GTS als Nachfahre des 904 GTS

Auf der kleinen Rennstrecke war der Cayman GTS noch mit einem Handschalter bestückt, der linke Fuß sprang auf dem Kupplungspedal herum, die rechte Hand pendelte zwischen Lenkrad und Schalthebel in und her. Das Spielchen der zwei Gänge, der zweite und dritte Gang als Hauptdarsteller, gewann nach jeder Runde recht schnell an Routine, machte großen Spaß. Obwohl der GTS sicher in der Mehrzahl mit dem PDK verkauft wird, sollte der potenzielle Kunde auch einen Schalter ausprobieren. Man kann das genießen, im Stadtverkehr, beim Ampel-Sprung-Turnier oder im Stau ist das allerdings kein Vergnügen. Aber der gemeine Porsche-User sitzt eher am frühen Sonntag-Morgen hinter dem Steuer und lässt die Landschaft neben sich herfliegen. Und da soll ja das Schalt-Ritual besonders erbaulich sein. Rauf-Runter, am liebsten noch mit Zwischengas, des Spiel ist seit Generationen ein Gewinn für das Lustzentrum im Kopf und die Nostalgie kennt ja bekanntlich keine zeitlichen Grenzen. Immerhin war der erste GTS aus Zuffenhausen ein echter Rennwagen, der 904 mit seinem sehr typischen Layout war ein Rundstrecken- und Bergrenn-König erster Güte.

Reden wir über Design und äußere Merkmale. Wer einen Cayman S und einen Cayman GTS anschaut wird Unterschiede bemerken. Abgesehen von den Schriftzügen auf dem Heck und den Türen haben die Designer bei Porsche dem jüngsten Zweisitzer eine neue Front sowie ein leicht modifiziertes Heck gegönnt. Beide Porsche stehen auf 20 Zoll Carrera-S-Felgen. Im Innenraum dominiert Alcantara, das sieht sehr gut aus und ist als Option auch als Glattleder wählbar.

Foto: Porsche
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Dreimal Cayman. Cayman, Cayman S und nun Cayman GTS. Das gleiche gilt für den Boxster, den wir auf einer kurzen und sonnenreichen Ausfahrt auf der Insel bewegt haben und der nicht weniger dynamisch, nicht weniger Porsche-like aber mit dem Plus an Offenheit glänzt. Das PDK im offenen Porsche arbeitet wie gewohnt und auch erwartet seine sieben Gänge sauber ab, gerade beim Kurven-Swing springt die Erinnerung an alte Schalt-Zeiten doch recht deutlich ins geistige Auge. Man möchte dann der Schalt-Hand wieder ihr gewohntes Revier zuweisen. Kupplung – Gang rein – Kupplung. Und das über Kilometer mit viel Sonne auf dem Haupt plus Fahrtwind um die Ohren. Es soll schlimmere Schicksale geben.

Der Blick in die Datenwelt, was hat Porsche zu bieten? Bei Boxster und Cayman jeweils drei Kandidaten. Alle mit sechs Zylindern und Boxer. Hubräume werden zwischen 2,7 und 3,4 Liter angeboten. Beide Modelle werden serienmäßig mit PASM (Porsche Sportfahrwerk) angeboten. Die Kräfte rangieren beim Boxster zwischen 265 und 330 PS, der Cayman kann zwischen 275 und 340 PS liefern. Das reicht dann bei allen für Geschwindigkeiten jenseits der 264 km/h. Der stärkste aus der Bande kann mit 283 Sachen über die Bahn laufen, den Sprint aus dem Stand schaffen alle unter sechs Sekunden, der Cayman GTS kann das in beeindruckenden 4,6 Sekunden. Bei den Kosten liegen Boxster GTS und Cayman GTS runde 4.000 Euro auseinander. Die Frage zwischen Cayman S und Cayman GTS lässt sich über Geld regeln, die Differenz von 9.639,00 Euro ist deutlich und wir reden hier über Grundpreise. Wer zum Beispiel mit Keramikscheiben bremsen will, wird um 7.318,50 Euro erleichtert. Das macht vor allem dann Sinn, wenn man den Cayman GTS in regelmäßigen Abständen über Rennstrecken oder durch Serpentinen-Labyrinthe schickt. Das kann der GTS besonders gut, weil er leicht, wendig, sauber ausbalanciert, stark und trotzdem nicht unzivilisiert ist. Dafür sorgt das GT, also die Kompetenz auf langen Strecken, die man problemlos ohne zusätzliche Bügelfalte in der Wirbelsäule erfährt.

Foto: Porsche

Text: Ralf Bernert

Die technischen Daten (laut Hersteller):

Porsche Cayman GTS
Motor: 6-Zylinder Boxer
Hubraum: 3.436 ccm
Leistung: 250 kW / 340 PS bei 7.400 U/min
Drehmoment: 380 Nm bei 4.750 bis 5.800 U/min

Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 6-Gang Schalter / 7-Gang PDK

Maße/Gewichte (PDK)
Leergewicht: 1.345 kg (1.370)
Länge: 4.404 mm
Breite mit Spiegel: 1.978 mm
Höhe: 1.284 mm

Fahrleistungen:
Topspeed: 285 km/h (283)
0-100 km/h: 4,9 s (4,6 s mit Sport Plus-Taste gedrückt)
0-160 km/h: 10,6 s (10,3 mit Sport Plus Taste gedrückt)

Verbrauch:
Kombiniert: 9,0 l/100 km (8,2)
Co2: 211 g/km (190)

Porsche Boxter GTS
Motor: 6-Zylinder Boxer
Hubraum: 3.436 ccm
Leistung: 243 kW / 330 PS bei 6.700 U/min
Drehmoment: 370 Nm bei 4.500 bis 5.800 U/min

Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 6-Gang Schalter / 7-Gang PDK

Maße/Gewichte (PDK)
Leergewicht: 1.345 kg (1.375)
Länge: 4.404 mm
Breite mit Spiegel: 1.978 mm
Höhe: 1.273 mm

Fahrleistungen:
Topspeed: 281 km/h (279)
0-100 km/h: 5,0 s (4,7 s mit Sport Plus-Taste gedrückt)
0-160 km/h: 10,8 s (10,5 mit Sport Plus Taste gedrückt)

Verbrauch:
Kombiniert: 9,0 l/100 km (8,2)
Co2: 211 g/km (190)