Laufen kann er, klettern auch und beim Thema Anschleichen spielt der stärkste Cayenne auch in der Oberliga mit. Wir haben den brutalen Kraftathlet ein paar hundert Kilometer auf einen Parcours geschickt und anschließend nachgemessen, was hinter dem Datenblatt steckt.

Fahrbericht Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid – Steckdosen oder V8, beide dienen der Beladung des Akku

Da sitzt man vor dem Steuer, checkt noch mal alle Instrumente, der Parcours ist bereit, die Tanks sind voll wie ein Karnevalist am Rosenmontag. Also 40 Kilometer rein elektrisch und irgendwas um 600 Kilometer mit dem V8. Eine Gesamtreichweite kann man nicht wirklich zusammen rechnen, weil man den Akku nicht an jeder Strassenecke laden kann und der durchschnittliche Fahrer dieses Kraftwerkes den Akku entweder per V8 aufladen wird oder ab und an die Ladesäule ansteuert.

Vergessen wir also den kalkulatorischen Verbrauch und erklären ihn für weniger relevant. Der Akku kann theoretisch 40 km weit reichen, aber das Hybrid-V8-Gespann von Porsche ist ziemlich clever. Man kann: rein elektrisch fahren, rein V8 fahren, beides gleichzeitig nutzen, den Akku per V8 beladen bis er wieder voll ist, den Akku auf Ladestand 80 Prozent halten, also e-modus fahren und immer wieder beladen, wenn er unter 80 Prozent rutscht. Man kann einfach nur Vollgas auf sport-plus fahren, die umstehenden Bäume ihrer Blätter berauben, den Verkehr vor sich auf der linken Spur in den Wahnsinn trieben und ab und an, den Akku mit Saft versorgen, einfach deshalb, weil der Durchzug mit 900 Nm dir selbst das Hirn inklusive aller Daten so richtig in Wallung versetzt, weil man sich ständig fragt, wieso dieser Wahnsinn nicht schon vor 30 Jahren erfunden wurde. Damals gab es einen Range Rover mit V8 Diesel, der so viel verbrauchte, wie zehn Turbo S E-Hybrid zusammen.

Nun ist der Cayenne Turbo S E-Hybrid im Grude der große Bruder des Panamera Turbo S E-Hybrid und den hatten wir schon mal als Testwagen. Der Boost hat uns damals begeistert und beim Cayenne ist das keinen Deut anders. Nur dass man eben mehr Gepäck einladen und mehr Gelände befahren kann. Dass der Cayenne ein paar Kilo schwerer ist, macht sich natürlich bemerkbar. Der Top Speed des Cayenne liegt 15 km/h unter dem des vergleichbaren Panamera, beim Standard-Sprint des Cayenne muss man eine halbe Sekunde länger warten, bis Tempo 100 anliegt. Mehr Masse braucht eben mehr Energie. Wobei der Cayenne beileibe kein langsames oder träges Fahrzeug ist. Wer den Boost, also alle 680 PS fordert, erlebt eine Entfaltung aller Kräfte, die man durchaus als spektakulär bezeichnen darf.

Fahrbericht Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid – Ablenkungsmanöver

Mindestens genau so spektakulär wie die Beschleunigung ist das Fahrverhalten bei hohen Geschwindigkeiten und bei, nennen wir es ruhig beim Namen, höchst wilder Fahrt. Also Kurven, Kehren und Ausweichmanövern vor Hindernissen. Der Landstraßenswing ist in einem Fahrzeug mit einer Höhe von 1,67 Metern schon eine besondere Nummer. Im Cayenne ist das eher ein Spaß, weil der Wagen bestens ausbalanciert, nahezu perfekt vor Wankbewegungen geschützt ist und deshalb bei allen Insassen kein starkes Interesse an Sickbags hervor ruft. Man fühlt sich sicher und sehr gut mit dem Asphalt verbunden. Der stärkste aller Cayenne gibt den Sportler und das mit maximaler Souveränität.

Im Innenraum kann man, wir kennen das ebenfalls von Panamera, die Digitalisierung bei Porsche hautnah und in höchster Form erleben. Die Mittelkonsole wurde zum Info-Zentrum erhoben. Das gesamte Cockpit ist sensitiv, glattpoliert und mit Daten gefüttert. Wir wissen, was uns da in Zukunft erwartet. Die Sprachsteuerung wird alle Knöpfe, Schalter und Regler schlucken, die Monitore dienen der Information. Automatisiertes Fahren wird kommt und mit ihm die Frage nach dem Fahrspaß. Der derzeit stärkste Cayenne jedenfalls kann mit seinen Motoren, seinem Fahrwerk und der sehr sportlichen Charakteristik sehr gut von der Digitalisierung ablenken. Du sitzt hinter dem Steuer, läßt den Punch immer und immer wieder auf die Strasse los und geniesst den Tanz durch die Kurven. Man vergisst doch immer wieder, dass man in einem ausgewachsenen SUV sitzt.

Fahrbericht Porsche Cayenne Coupé
Fahrbericht Porsche Macan S
Fahrbericht Porsche 911 2.2 S Targa 1970

Fotos: Porsche

Die technischen Daten (laut Hersteller) / Cayenne Turbo S E-Hybrid:

Motoren:
Verbrenner: V8 Biturbo
Hubraum: 3.996 ccm
Leistung: 404 kW / 550 PS bei 5.750 bis 6.000 U/min
Drehmoment: 770 Nm bei 1.960 bis 4.500 U/min

E-Motor:
100 kW Synchronmotor
Leistung: 136 PS bei 2.800 U/min
Drehmoment: 400 Nm bei 100 bis 2.300 U/min

Systemleistung: 500 kW / 680 PS bei 5.750 6.000 U/min
Systemdrehmoment: 900 Nm bei 1.400 bis 5.500 U/min

Maße:
Länge: 4.926 mm
Breite: 1.983 mm (2.194 mm mit Spiegel)
Höhe: 1.673 mm
Radstand: 2.895 mm
Gepäckkapazität: 645 bis 1.605 Liter
Leergewicht: 2.565 kg
zuzl. Gesamtgewicht: 3.075 kg
Benzintank: 75 Liter

Fahrleistungen:
System: 0-100 km/h in 3,8 Sekunden / 295 km/h Top Speed

elektrische Reichweite: 25-50 km
Abgasnorm: Euro 6
Effizienzklasse Deutschland: A+
Verbrauch kombiniert: 3,9 l/100 km
CO2: 88 g/km

Preis Cayenne Turbo S E-Hybrid in Deutschland ab: 172.604,00 Euro inkl. MwSt.
Preis Cayenne Coupé Turbo S E-Hybrid in Deutschland ab: 176.293,00 Euro inkl. MwSt.