Fahrbericht Porsche 718 Cayman GTS – Drei Buchstaben für mehr Pfeffer

Für Chili ist der GT4 zuständig, die ein wenig ruhigere Nummer schiebt der GTS. Ein Gütesiegel mittlerweile und der im Grunde beste aller Caymane.

Ja, er brummt zuweilen. Einer Hummel gleich, die von Blüte zu Blüte schwebt, hungrig, einem inneren Trieb folgend und so beruhigend für den Mensch, weil der hohe Töne und ruckartige Bewegungen als bedrohlich einordnet und sogleich mit den Armen fuchtelnd den Angreifer aus dem Blick- und Hörfeld vertreiben will. Der Cayman GTS, mit vier Zylindern ausgestattet, kann schnell und auch angriffslustig daher kommen, im Rückspiegel auftauchen, als wolle er die Blüte vor sich im Sturm erobern. Und er brummt, vielleicht nur zur Tarnung, damit man ihn nicht gleich wieder verjagen will.

Unten raus, im Ampel-zu-Ampel-Tempo ist der GTS ein eher cooler Hund, weil er so lässig leise durch die Gegend schlendern kann. Je nach Lackierung, wir fuhren einen karminroten Wagen, kann es zu Blickwechseln zwischen Nachbar und Porsche kommen. Racinggelb oder lavaorange sind Farben, die man gerne mit hoher Motivation zum Thema Speed in Verbindung bringt. Karminrot ist da eher eine feine, elegante Farbe. Sie kleidet den Porsche passend für lange, geschwungene Kurven oder die Tour zum Konzert oder ins Büro. Man erwartet dann stets einen gut gelaunten Fahrer. Racinggelb könnte den gestressten Rennfahrer in uns wecken. Es sind Erwartungen, Klischees, Schubladen und ein Sportwagen von Porsche ist seit Generationen ein beliebtes Spielfeld zahlreicher Unterstellungen. Auf alle Fälle sieht der GTS in karminrot sehr gut aus und man traut ihm auch eine Menge zu, was wir auf der Autobahn dann regelmässig spüren. Überholprestige nennt man das. Die Vorderleute lenken auf die mittlere Spur, sobald der Wagen im Rückspiegel identifiziert ist, was uns sehr gut gefällt.

Fahrbericht Porsche 718 Cayman GTS – Der unbezahlbare Freund

Unabhängig von Farbe, Ästhetik und Prestige lockt der Cayman GTS, wie auch seine Kollegen, mit den Vorteilen, die ein Wagen mit Mittelmotor nun mal mit sich bringt. 365 Pferde und 1400 Kilo an Gewicht, hübsch platziert, damit der Schwerpunkt die Mitte des Wagens nicht verlässt und das wirklich grosse Talent des Cayman voll zur Geltung kommen kann. Die Rede ist von Kurven-Talent, genauer, das schnelle, sehr schnelle Durchfahren selbst engster Kurven ohne einen Hauch von Unruhe, abgesehen von herum fliegenden Dingen im Inneren des Wagens.

Und dann wäre da noch dieser unbezahlbare Freund namens Fahrspaß, der den kurzen, schlanken Schwaben durch die die Windungen einer auf den ersten Blick recht gelangweilt herum liegenden Landstrasse wie Musik-Noten auf dem einem Stück Papier den Takt herum tanzen lassen kann. Wenn für den Cayman die Autobahn eher ein Blues mit viel Drang nach vorn ist, darf unser Testwagen zwischen Lüneburg und Uelzen das Tanzbein schwingen, die Bäume am Rand rascheln mit den Blättern, nennen wir es Begleitmusik, die Hände auf drei und neun Uhr, der rechte Fuß wippt im Takt der Kurven, der linke schwebt über den Bremsdingen.

Eben noch die 280 km/h erlebt, den Top Speed verhinderte ein Limit namens „Einer überholt den LKW mit 120, der andere überholt den Überholer mit 130.“ Man freut sich, weil der 4-Zylinder-Boxer mit BiTurbo seine Durchzugskräfte hinter den Sitzen hervor zaubern kann. Es brummt, der Drehzahlanzeiger wandert stetig und recht schnell in Richtung Endstation und dann wieder zurück, einen Gang nach oben und Richtung Endstation. Das ständige Brummen könnte sich negativ auf die Stimmung im Inneren des Wagens auswirken, tut es aber nicht, weil die Motorleistung doch mehr Freude bereitet. Weshalb das köstliche Mahl kritisieren, nur weil der Kellner brummt?

Und dann ist da noch was. Raum in der Stadt. Mitten in Hamburg, unweit der Aussenalster, sind Parkplätze so rar wie ein Aufstiegsplatz in die 1. Liga für den HSV. Schlank sein hilft, kurz sein noch mehr. Der Cayman ist im Grunde der beste aller Citysportler, weil: schnell, stark, schlank und übersichtlich. Und allzu durstig ist er auch nicht. Die acht Liter pro 100 Kilometer haben wir nicht geschafft, wegen der Fahrfreude, die einem gerne ins Geldfach greift, was man aber gerne zahlt, weil Freude immer seltener wird.

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Fotos: Porsche

Die wichtigsten Fakten (laut Hersteller):
unser Testwagen: Porsche 718 Cayman GTS
Motor: 4-Zylinder Boxer BiTurbo 
Hubraum: 2.497 ccm
Leistung: 269 kW / 365 PS bei 6.500 U/min
Drehmoment: 420 Nm bei 2.100 bis 5.500 U/min
Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 6-Gang PDK

Maße:
Länge: 4.393 mm
Breite ohne Spiegel: 1.801 mm
Höhe: 1.286 mm
Radstand: 2.475 mm
Leergewicht: 1.405 Kg
Wendekreis: 11,0 m

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 4,1 – 4,3 s
Top Speed: 290 km/h

Verbrauch kombiniert: 8,5 l/100 km
CO2 kombiniert: 210 g/km
geprüft nach: Euro 6d-Temp EVAP

Preis in Deutschland ab: 78.365,00 Euro inkl. MwSt.