Fahrbericht Porsche 718 Cayman: Blitzschnell um´s Eck

Fahrbericht Porsche 718-Cayman-Aufmacher

Dass dieser Porsche kein Langstrecken-Reisewagen wird, war immer klar. Es geht um Speed, um Kurven-Speed und Handling. Also lieber auf die Landstrasse oder noch besser in die Berge mit diesem Porsche. Oder auf eine kleine, sehr kleine Rennstrecke. Wir haben eine gefunden und erlebt.

Der Sturup Raceway in Südschweden kam uns gerade recht. Direkt am Flughafen, quasi in Sichtweite der Start- und Landebahn gelegen. Jede Menge Kurven, keine echte Gerade. Wenn´s gut läuft, schafft man mit dem 718 Cayman S gerade mal 145. Walter Röhrl konnte mit 158 beobachtet werden. Mehr ist nicht drin. Aber es langt. Auf alle Fälle.

Fahrbericht Porsche 718 Cayman Interieur

Man springt aus dem Flieger, geht ein paar Meter zum Shuttle und drei Minuten später sitzt man im Cayman, den man jetzt 718 Cayman nennt. Die Zahl vor dem Namen hat historische Wurzeln. Es gab einmal einen Porsche mit der Bezeichnung 718 und der war ein Sportler durch und durch. Mitte der 50er Jahre folgte auf den erfolgreichen 550 der 718 und der brachte es bis in die Formel 1. Mehr Sport geht nicht und deshalb schreiben wir ab sofort 718 Cayman.

Der Porsche 718 Cayman ist kantiger und schärfer

Bevor wir den 718 Cayman über den Kurs laufen lassen, sind ein paar Kilometer ganz normaler Strasse fällig. Rund 140 sind es. Alltag für den Neuen, der genau in diesem Terain so einfach wie auch sauber bewegt werden kann. Motor an, das Zündschloß links muß immer noch sein, kein Startknopf, den man emotional drückt und der den 4-Zylinder-Boxer plus Turbo zum Leben erweckt.

Linke Hand nach rechts drehen. Alles wie immer. Die Mittelkonsole voller Druckschalter, in der Mitte der Hebel zwecks Gangwahl, auch wie immer. Bei Panamera, Macan, Cayenne, 911 und 718 Boxster sieht es genau so aus. Man kennt sich aus. Familie eben.

Und dann der Blick aus dem Fenster, der Frontscheibe. Zwei Linien fallen auf. Beide Radhäuser wurden mit je einer scharfen Kante versehen, das fällt auf und sorgt für Eyecatcher von Innen. Ansonten kennen wir uns aus. Auch aussen. Die Karosserie ist knapp bemessen, der Motor sitzt nicht so weit hinten wie beim 11er, Auch das kennt man und manche Leute wollen genau deshalb lieber im Cayman sitzen. Pardon 718 Cayman. Wir werden uns daran gewöhnen.

Auf der Rennstrecke zeigt der Porsche 718 Cayman seine Talente

Die Seite zeigt einen Sportler im spack sitzenden Anzug. Kein Gramm zuviel, möchte man meinen. Dabei sitzen unter der Hülle reichlich Motoren, für die Sitze, die Scheiben und so weiter. Modernität ist normal. Apple Car Play zum Beispiel. Der Monitor weiter oben in der Mittelkonsole ist kein Riese, dafür Touch-fähig. Schnell der Prozessor, das Navi arbeitet fix, die Bedienung einfach. Im Stadtverkehr kommt man sehr gut zurecht. Alltag ist wichtig. Auf der Landstrasse will man gerne die 350 PS laufen lassen. Der Turbo arbeitet im Hintergrund, schon bei niedrigen Touren.

Fahrbericht Porsche 718 Cayman Seite

Löcher gab es früher, heute sind Getriebe und Motor eine Einheit. Fast unbemerkt werden die Gänge durchgereicht. Kein Bäm, kein Gekreische. Der Vierzylinder ist eher sonor, nur beim Anlassen bellt er nal kurz auf. Nachbarn wecken oder so. Ansonten brummt und schnoddert der Vierzylinder. Er will und soll ein Sportwagen sein und sich auch so anhören. Fahrtechnisch ist das auch, akustisch eher weniger. Wer Porsche nicht mag, kann auch sagen, der 718 Cayman höre sich an wie ein getunter Käfer. Aber das ist ein Unsinn. Er hört sich an wie ein Vierzylinder-Boxer im leichten Stimmbruch. Es gibt schlimmere Stimmen unter den Sportwagen.

Und dann die Rennstrecke. Rumzockeln kann man mit dem neuen Cayman sehr gut. Handzahm, zivilisiert, gut gefedert, die Sitze wie gewohnt bequem und mit ausreichend Seitenhalt ausgestattet. Tempo 110 auf der schwedischen Autobahn lassen sich gut aus. Für den täglichen Gebrauch ist die Dämmung sehr gut, man steigt also nicht mit Gebrumm im Ohr aus dem Wagen. Und man freut sich auf die Rennstrecke. 350 PS im 718 Cayman und jede Menge Kurven. Es soll schlimmere Kombinationen geben.

Walter Röhrl im Porsche 718 Cayman ist ein Vergnügen

Walter Röhrl ist auch dabei. Wir werden also später erfahren, wie sich der neue Cayman an seinen Grenzen bewegen läßt. Die Bahn ist trocken, Reifen und Bremsen sind warm. Vorn rollt der Instruktor in einem 911 Carrera voraus. Im Funkgerät werden Streckenabschnitte aufgezählt. Kurve folgt auf Kurve, dann ein Start-Ziel-Stückchen, als Ansatz einer Geraden. Man könne hier so um die 140 km/h schaffen. Aber erstmal piano. Die zweite Runde dann mit mehr Druck, die Reifen beginnen den Dienst, die Bremsen greifen härter zu. Die Lenkung des 718 Cayman zeigt ws sie kann. Präzise und fein dosierbar. Die dritte Runde wird dann schon härter. Der Porsche wirft sich in die Kurven, der Fahrer muß schon gut aufpassen. Immer später wird gebremst, immer früher wieder beschleunigt.

Der Porsche 718 Cayman wird an seine Grenzen gebracht

Unser 718 Cayman arbeitet mit der flexiblen Karftverteilung auf der Hinterachse, Den Turbolader kennen wir aus dem 911 Turbo und das heisst, dass mit variablen Schaufeln arbeitet. Egal ob niedrige oder hohe Drehzahlen anliegen, der Lader liefert sein maximales Drehmoment ab 1.900 Umdrehungen.

Auf einem derart schlanken Kurs wie hier in Südschweden, ist das eine feine Sache. Der Zweisitzer rennt in die Kurve hinein, die Bremsen packen sehr sauber und fest zu, runterschalten in den zweiten und der Motor treibt den Porsche mit reichlich Saft aus der Kurve. Das macht man ein ums andere mal. Immer schneller, immer präziser und die Grenze des Wagens ist immer noch nicht erreicht. Es braucht einen Meister.

Fahrbericht Porsche 718 Cayman Hafen 1

Der Mann heisst Walter Röhrl und er wartet mit einem leichten Lächeln. Auf den Beifahrersitz, anschnalle, kurzer Handshake und der Cayman ist schon unterwegs. In der ersten Runde schaut man dem Meister bei der Arbeit zu. Seelnruhig, fast budistisch sieht das aus. Effizient, gekonnt und routiniert. So sei das eben, meint der Ex-Rallye-Profi. Show sei seine Sache nicht. Die zweite Runde steht an, der Blick aus dem Schaufenster nach vorn und die Ohren gespitzt, denn was man nun sieht und hört ist grenzwertig.

Der Porsche 718 Cayman war noch nie so nah am 911

Der 718 Cayman wird an seine Grenzen gebracht, die komplette Runde über gehalten. Ein Tanz auf der Rasieklinge, immer haarscharf an der Haftgrenze entlang oder genauer, auf der Haftgrenze. Der Porsche scheint einen Wimpernschlag vor der Überschreitung, aber er scheint eben nur. Röhrl misst sich im Wettstreit mit dem Porsche und der Strecke und Röhrl gewinnt. Runde um Runde, Kurve um Kurve. Nach der dritten Runde weiß man um seine eigenen Schwächen. In aller Regel zu früh und zu zaghaft gebremst. Röhlr fährt insgesamt mehr als 50 Runden auf dem 2,2 Kilometer langen Kurs. Die beste und die schlechteste Runde liegen gerade mal zwei Zentel auseinander. Präzision eben.

Fahrbericht Porsche 718 Cayman Hafen 2

Was er von dem 718 Cayman halte. Ein schneller, sehr präziser Sportler sei das. Und der 911 solle aufpassen.

Text: Ralf Bernert
Fotos: Daniel Wollstein für Porsche / Ralf Bernert im Hafen
Video: Porsche

Die technischen Daten laut Hersteller:

Porsche 718 Cayman S:
Motor: Vierzylinder-Boxer Mittelmotor mit Turboaufladung
Hubraum: 2.497 ccm
Leistung: 257 kW / 350 PS bei 6.500 U/min
Drehmoment: 420 Nm bei 1.900 bis 4.500 U/min
Getriebe: 7-Gang PDK oder 6-Gang Handschalter
Antrieb: Hinterräder

Maße:
Länge: 4.379 mm
Breite: 1.801 mm / 1.994 mm
Höhe: 1.284 mm
Radstand: 2.475 mm
Gepäck: 334 Liter insgesamt vorn und hinten
Leergewicht: 1.355 bis 1.385 Kg je nach Getriebe
Tank: 64 Liter

Fahrleistungen:
0-200 km/h: 15,2 bis 15,0 Sekunden je nach Getriebe
0-100 km/h: 4,4 bis 4,6 Sekunden je nach Getriebe
Top Speed: 285 km/h

Verbrauch:
kombiniert: 7,3 bis 8,1 l/100 km je nach Getriebe
CO2: 167 bis 184 g/km je nach Getriebe

Preis in Deutschland ab: 64.188,00 Euro