Der GLA ist für uns Neuland, absolutes Neuland. Eine S-Klasse als Limousine, Coupé oder Cabriolet, ok. Aber GLA? Das heisst ein G auf A-Klassen-Basis. A-Klasse ist kein Luxus, nicht exklusiv und auf keinen Fall ein Thema für Exclusive-Life. Dachten wir.

Mercedes-Benz GLA, Edition1, AMG Line, mountaingrau magno
Mercedes-Benz GLA, Edition1, AMG Line, mountain grey MAGNO

Er wurde kurzfristig geliefert, weil die Fahrvorstellung wegen eines winzigen, mikroskopisch kleinen Übeltäters abgesagt werden musste. Deshalb die Anlieferung in Hamburg mit Mundschutz, den Führerschein auf die Motorhaube legen, Handschuhe sind Pflicht. Abstand sowieso. Die Sitze und alles, was man direkt berührt, wurde vorab desinfiziert. Der Schlüssel auch. Es roch ein wenig sauber, sehr sauber. Voller Tank, klar. Das Presseschild immer dabei, es geht um Arbeit. Zum ersten Mal darf eine Testfahrt kein Vergnügen sein.

Wir fahren los, 150 Diesel-PS, 320 Newtonmeter als Dampferzeuger. Vorher diesen schönen, breiten und exklusiven Monitor betrachtet. Überlegt, was da alles drin sein mag. Wie ein TV, mit Breitband-Charakter, Gebührenfernsehen, Prime, Netfix und so weiter. Dazu dann noch Navi, Autoeinstellen, Radio, iPhone, Verkehrsnachrichten und Video-Konferenz mit der Redaktion.

Bis wir den ganzen Service begriffen haben, ist die Tour schon lange vorbei. Dachten wir. Aber, Achtung! Es ist einfach, simpel, easy und cool. Man redet mit dem Monitor oder besser, mit dem Auto und das Ding redet zurück, macht lauter, leiser, wärmer und kälter. Wie ein fleissiger, kompetenter Beifahrer, mit sehr langen Armen, geschickten Fingern und eben dem internen Navi, das genau weiß wo welcher Knopf für was gedrückt werden muss. Und die Musikbox läuft auch prima. Man könnte ganz allein durch die Gegend fahren, sich bedienen lassen, wie ein Passagier, nur eben mit dem Lenkrad in den Händen und dem rechten Fuß auf dem Pedal.

Gedankenspiel. Rennstrecke. Kommando an den Wagen:“ Stell´ Dich perfekt auf die Rennstrecke ein und gib´ mir die besten Kommandos. Also Bremspunkte, Einlenkpunkte, Beschleunigung, Gangwechsel und so weiter.“ Erst mit Computer-Beifahrer, dann allein. Wäre ein interessantes Experiment.

Fahrbericht Mercedes-Benz GLA 2020 – Neuland mit Stern

Zurücklehnen, anschauen, laufen lassen. Der neue GLA hat zugelegt, nicht an Kilo oder Zentimeter. Obwohl der Radstand wuchs, was weiter hinten die Knie freut. Er hat den Weg zur rollenden Komfortzone gefunden und ist auch von Aussen einen deutlichen Strich feiner unterwegs. Neue Leuchten, LED sei dank auch schicker, moderner und wertiger. Die Front klarer gezeichnet, das Heck am Puls der Zeit. Er sieht deutlich besser aus, als sein Vorgänger, was dazu führt, dass der X 156, so die interne Bezeichnung des GLA der letzten sieben Jahre, als Gebrauchter an Begehrlichkeit verlieren wird.

Im Innenraum dann das typische Bild. Sehr wertige Lüftungsdüsen á la Mercedes-Oberklasse. Die Sitze sehr bequem, Am Lenkrad reichlich zu tun. Nicht nur drehen, nein, auch drücken und schieben. Viele wichtige Einstellungen werden per Finger geregelt. Praktisch und so sinnvoll finden wir das. Obwohl man gespannt ist, ab wann all´ diese Fingerübungen komplett durch die Stimme geregelt werden.

Und was macht der Motor? Er schiebt, er geizt mit Treibstoff. Jedenfalls gewinnen wir den Eindruck. Irgend was um vier Liter werden pro 100 Kilometer gebraucht. Gibt man dem Vierzylinder Zucker, läuft er los. Nicht wirklich wild und sehr schnell. Aber schnell genug. Über 200 auf der Autobahn. Wirklich wichtig kann das nicht sein. Der 200 d ist der Stadt-Land-Indianer mit dem Kostüm für die Einfahrt vor einem schicken Einfamilienhaus, sogar eine schlichte Stadtvilla wird den neuen Mercedes mögen.

Fahrwerk, Getriebe, überhaupt die ganze Technik, wir sind positiv gestimmt. Da arbeiten derart viele System im Hintergrund, alles läuft wie am Schnürchen. Spur halten, Abstand halten, sogar für die Waschanlage gibt es eine Einstellung und die klappt die Ohren den Wagens ein, sorgt für Wind im Wagen, damit die Scheiben nicht anlaufen.

Nach einen dreiviertel Tag stellen wir den GLA ab. Er kostet, ohne Extras um 39.000 Euro. Drei Diesel- und Vier Benziner werden zum Start angeboten. Mit Allradantrieb, 4Matic heisst das dann, geht es auch. Gegen Aufpreis versteht sich. Die wilde AMG-Nummer kommt dann auch noch und einen Hybrid wird es auch geben. Der wird 218 System-PS haben und 220 km/h schaffen.

Fotos: Ralf Bernert / Mercedes-Benz

Fahrbericht Mercedes-Benz S560 Cabriolet
Mercedes-Benz Design Center Nizza

Die technischen Daten laut Hersteller:
GLA 200 d
Motor: 4-Zylinder Reihe Diesel
Hubraum: 1.950 ccm
Leistung: 110 kW / 150 PS bei 3.400 bis 4.400 U/min
Drehmoment: 320 Nm bei 1.400 bis 3.200 U/min
Antrieb: Vorderräder
Getriebe: 8-Gang DKG

Maße:
Länge: 4.410 mm
Breite (ohne Spiegel) : (1.834 mm) 2.020 mm
Höhe: 1.611 mm
Radstand: 2.729 mm
Kofferraum: 435 l
Leergewicht: 1.615 Kg
Tank: 43 l

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 8,6 s
Top Speed: 208 km/h

Verbrauch/CO2 nach Euro 6d-Temp
Verbrauch kombiniert: 4,7 l/100 km
CO2 kombiniert: 126 g/km
Abgasnorm: 6d ISC-FCM

Preis in Deutschland ab: 38.782,10 Euro inkl. MwSt.