Fahrbericht McLaren 570GT: British für Jedermann

Foto: McLaren
Foto: McLaren – Fahrbericht McLaren 570GT: British für Jedermann

Der BREXIT ist am 24. Juni 2016 das Thema überhaupt. Abgesehen vom Festival of Speed und dem McLaren 570GT. Am Strassenrand wird zuerst der Sportler aus Woking fotografiert, dann gibt’s ein paar Fragen zu Lord March und zum Schluß folgt der leise Abschied.

„Wie wär´s? Ein paar Runden im 570GT?“ In der Ecke stehen drei McLaren. Zwei GT und ein 675LT. Der LT wäre noch interessanter gewesen, aber wir sind gut 15 Meilen vom Goodwood Park entfernt und es ist der Freitag am Festival-Of-Speed-Wochenende. Wir kennen das. Stau, also echter, richtiger Stau. Sternförmig um den Park von Lord March, als hätte einer auf der Wiesn sehr laut „Freibier“ geschrien. Schlange stehen für eine gigantische Gartenparty mit Formel-1 und allerlei Motorsport. Also lieber den 570GT, Vollgas geht eh´nur auf der leeren Autobahn nachts um halb drei.

Scherentüre nach oben, hinein in den Maßschuh. Knöpfe, Schalter sind bekannt. Nur die schöne, große Scheibe weiter hinten ist neu. Man kennt sie aus dem E-Type. Praktisch, Alltag im McLaren. In Urlaub fahren, zu zweit. Zwei Weekender sind locker drin, eine hinten, die andere weiter vorn, dazu noch Garagen für Sonnenbrillen, die Kreditkarte für alle Fälle und die Papiere plus Schlüssel und Smartphone liegen im Fach zwischen den Sitzen. Fertig.

Nach der Hotelausfahrt geht’s rechts ab, der 570GT ist ein Linkslenker, also Obacht mit den Hecken am Strassenrand. Hier unten in Südengland pflegt man das Grün zwar über die Maßen, aber hier und da streckt ein Busch einen Zweig zu keck über den Fahrbahnrand und wir wollen die feine Lackierung des McLaren nicht durch noch so filigrane Kratzer in ihrer Perfektion stören. Das Auge ist also doppelt konzentriert, die Mittellinie, wenn vorhanden, ist das Maß aller Dinge und der Brite an sich freut sich gleich doppelt, wenn er auf der Gegenspur gleich neben dem McLaren zum Halten gezwungen wird. Ein Stau hat sich ohne Vorwarnung gebildet und nun lacht mich ein wildfremder Gentlemen an. Daumen hoch.

Das schöne an einem McLaren moderner Bauart ist seine sympathische Natur. Er zickt nicht, er arbeitet bei ziviler Gangart recht leise und er läßt sich nahezu buddhistisch bewegen, wenn da nicht die klare Sprache des Designs wäre und die ist eindeutig. Ich bin sehr, sehr schnell.

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert – Fahrbericht McLaren 570GT: British für Jedermann

Nahe Goodwood Park, dort rockt McLaren einen asphaltierten Feldweg, sind die meisten Menschen auf Speed eingestellt. Auch wenn man die Motoren im Park nicht hört, aber der Duft des Motorsports weht in alle Richtungen. Der 570GT, jener McLaren mit dem Hang zur Alltagstauglichkeit, steht vor einem verschlossenen Portal und ein paar Touristen bleiben stehen. Eine Schere des Briten reckt sich gen Himmel und man erhascht einen Blick ins Innere.

Fragen nach Leistung, Preis, Top Speed und Handling sind obligatorisch. Man lobt das Design, auch wenn der sportliche Charakter schon arg deutlich nach Aussen gekehrt ist. Ja, die 300 kann er locker, ja er beschleunigt in rund 3 Sekunden bis Tempo 100. Alles klar? Nicht ganz. Motor anlassen und staunen, ob der gelassenen Akustik.

Wir fahren weiter, ein paar kleine Landstrassen lassen den Briten von der Leine. Die Präzision, mit der der McLaren seine Bahn zieht, mit der er sich auf den Zentimeter genau in Kurven und aus Kurven heraus manövrieren läßt, ist immer wieder bewundernswert. Die Bremsen sorgen für klare und starke Verzögerung, das Fahrwerk läßt keinen Zweifel an der Natur des Supersportlers und die Sitze geben reichlich halt und man steigt nach schönster Fahr aus ohne einen Hauch von Blessur. Der Wagen ist bequem, passgenau, bestens zu bedienen und er macht Lust auf die Ferne. Dass man zwischen 570S und 570 GT den ein oder anderen Unterschied erkennen kann, ist nahe liegend.

Fahrbericht McLaren 570GT: British für Jedermann

Der 570 Sprint kümmert sich eher um die Fahrdynamik, er ist deutlicher um Downforce bemüht und hat im Grunde kein Auge für Gepäck und Komfort, wobei man sagen muß, dass der 570S keine Zelle für den kompletten Verzicht auf Lebensqualität ist. Er ist halt ein Sportler mit sehr guten Manieren. Der GT dagegen kümmert sich ein wenig ausgiebiger um den Mensch, der sich mit ihm bewegen will. Mehr Raum für Gepäck, mehr Sound dank Bowers & Wilkins, mehr Leder und Auswahl an Stoffen und Farben.

Die Ästhetik spielt eine Rolle und worüber man sich wirklich freuen kann, der GT ist ein McLaren durch und durch. Der Gasfuß wird eben hier und da eine Pause einlegen, das Auge freut sich über ein schönes, großes Panorama-Dach und die Fahrt gewinnt an Facetten, weil der McLaren auch von Hamburg nach Nizza herzhaft und kommod bewegt werden kann.

Foto: McLaren
Foto: McLaren

Neben dem 570 S und 570GT hat McLaren seit ein paar Tagen einen Spezialist im Programm, dessen Debüt im Rahmen des Festival of Speed gefeiert wurde. Der jüngste Sproß aus Woking heisst 570 S Sprint und wird auf öffentlichen Strassen nicht zu sehen sein, es sei denn man sperrt sie für den Rest der Auto-Welt. Der 570 S Sprint kommt natürlich mit reichlich Luftführung daher. Downforce als Grundnahrungsmittel. Außerdem hat man ihm jede Form der Gemütlichkeit ausgetrieben, will sagen, man hat ihn zum Mager-Model umerzogen. Drinnen fällt ein Käfig auf, hinten ein veritabler Flügel. Wie gesagt, Down-Force. Wie sich der Sprint auf freier Wildbahn so anhört, wurde aufgezeichnet und wird als Video an dieser Stelle präsentiert.

Wer sich einen Sprint kaufen will, muß mit rund 200.000 Euro zum Händler pilgern. Der regelt dann alle Modalitäten, ein Reservat für den Rennstrecken-McLaren findet man im südlichen Spanien (Ascari), am Bilster Berg oder einer anderen Rennstrecke, die für Besitzer solcher immer eine trockene Garage frei halten. Schlecht wäre das ja nicht. Mit dem 570 GT nach Spanien und dann ein paar Runden mit dem Sprint.

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Fahrbericht McLaren 570S

Text: Ralf Bernert
Fotos und Video: McLaren

Die technischen Daten 570 GT (laut Hersteller):
Motor: V8 BiTurbo
Hubraum: 3.799 ccm
Leistung: 570 PS bei 7.500 U/min
Drehmoment: 600 Nm bei 5.000 bis 6.500 U/min
Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 7-Gang Automatik SSG

Maße:
Länge: 4.530 mm
Breite: 2.095 mm
Höhe: 1.201 mm
Radstand: 2.670 mm
Trockengewicht: 1.350 kg

Fahrleistungen/Verbrauch:
0-100 km/h: 3,4 Sekunden
0-200 km/h: 9,8 Sekunden
Top Speed: 328 km/h

100 – 0 km/h: 33,0 Meter
200 – 0 km/h: 133,0 Meter

Verbrauch kombiniert: 10,7 l/100 km
CO2: 249 g/km

Preis in Deutschland ab: 195.350,00 Euro inkl. Steuer