Fahrbericht McLaren 540C: Eifel-Donner

Fahrbericht McLaren 540C   Foto: Ralf Bernert
Fahrbericht McLaren 540C Foto: Ralf Bernert

Ein paar Stunden nur. Ein paar Dörfer, ein paar Clicks an den Paddels und der Tag war gegessen. Einen 540C, Vermillion Red, mit britischen Kennzeichen und Lenker links. Das Turbo-V8 Geschrei vergisst du nie. Die Landbewohner, meist grasend am Wegesrand, drehen sich um und weg bist du. Verschwunden hinter dem nächsten Vulkan.

Der Ausflug ist schon ein paar Wochen alt und immer noch lebendig. Die Zeit ist eine Konstante, einer Decke gleich, die unerbittlich alles unter sich begräbt, was sich nicht dagegen wehrt. Der McLaren wehrte sich. Nach allen Regeln der Kunst.

Fahrbericht McLaren 540C – Komm schon, Du willst es doch auch!

Es ist ein sonniger, recht warmer Tag mitten im August. Ein Arbeitstag. Rund um den McLaren werden die Räder der Wirtschaft in Gang gesetzt. Draussen fahren Menschen ins Büro, den Blick nach vorn gerichtet, die Tasche gefüllt mit Salami-Brot, einem Becher Jogurt, eine Flasche Wasser und vielleicht ein paar Kaugummis zum Zähneputzen. Die Zeit läuft. Tick-tack, Tick-tack. Kurz vor acht. Der rote McLaren scheint das Treiben amüsiert zu beobachten. Als wüsste er, dass gleich die Leine gekappt und er für ein paar Stunden Gassi geführt wird. Oder umgekehrt. Er steht da, am Bordstein. „Komm´ schon. Du willst es doch auch.“

Eingestiegen, die Tür nach unten gezogen. Allein, allein mit diesem Verführer. Ein paar Knöpfe, Schalter, Hebel. Das Schaufenster nach draussen, die Büro-Leute laufen immer noch. Bis der Motor startet. Dann verharren sie, das Büro für ein paar Sekunden vergessen. Stoff für die Mittagspause. Einige werden auf dem Weg zum Büro der Vorstellung erliegen, sie selbst sässen hinter dem Steuer. Für einen Tag. Klaus macht rot. Vermillion Red. „Sorry Boss, aber Lust kann einen echt umwerfen.“

Fahrbericht McLaren 540C   Foto: Ralf Bernert
Fahrbericht McLaren 540C Foto: Ralf Bernert

Düsseldorf mag eine feine, schicke Stadt sein, aber an Bord eines McLaren ist die Rhein-Metropole eine Ansammlung von Ampeln. Sie sind der Wassergraben im 3000 Meter Hürdenlauf, die gelbe Dauerflagge beim Autorennen und der Steuerfahnder im Hotel in der Hochsaison. Der McLaren fordert volle Aufmerksamkeit und der Heini mit der Aktentasche will alle Rechnungsbelege der letzten drei Jahre sehen.

Alles hat ein Ende, auch Düsseldorf. Die letzte Ampel, die letzte Kreuzung vor diesem Luftzug, der dir nicht nur eine feine Brise Kuhdung an die Rezeptoren spült, nein, es ist die letzte Ampel vor der Weite eines Landstriches, dessen automobiles Herz gigantische 21 Kilometer umfasst und das so laut und so dramatisch schlägt, obwohl es x-Kilometer entfernt sitzt. Der Ring ist da und du spürst ihn.

Fahrbericht McLaren 540C: Eifel-Donner

Erste Kurven werden genommen, lange wunderbar geschwungene Geraden laden ein zum Lunch. Der Brite wird zum Rheinländer, zum Eifelaner. Direkt, ein wenig schroff, zunächst abweisend und fast unhöflich. Er spricht kaum ein Wort und wenn doch, dann verstehst du zunächst nur Bahnhof. Der V8 schreit kurz auf, der Bug bäumt sich, kaum sicht- aber doch spürbar. Das Heck will tanzen, doch die Elektronik, die Anstandsdame steht neben der Tanzfläche und schwenkt den Kopf von links nach rechts und wieder zurück. Contenance, ruhig Roter.

Fahrbericht McLaren 540C   Foto: Ralf Bernert
Fahrbericht McLaren 540C Foto: Ralf Bernert

Immer wieder warnen Schilder vor Radar-Fallen. Werden Rindviecher vor Elektrozäunen gewarnt? Die Musik bleibt aus, das Band aus Asphalt wie eine Tischdecke ausgebreitet, zieht sich immer länger über flache Hügel, durch kleine Wälder und Ortschaften. Der McLaren kommt immer besser in Fahrt. Die 540 PS in Verbindung mit dem exakt einstellbaren Fahrwerk werden langsam wach, sind voll konzentriert. Präzision, also die coole Präzision, gepaart mit Lässigkeit. Der McLaren ist kein Nerd, kein Spiesser, der nur Menschen begeistert, die immer und überall nach Fehlern fahnden. Dieser Brite ist cool, unglaublich schnell und vor allem unverwechselbar. Abgesehen von seinen Brüdern. Alle McLaren sind mit einem V8 bestückt, plus Turbo. Hubraum, Leistung und Charakteristik variieren. Der 540C ist die Eintrittskarte in die McLaren-Welt und die haut dich gleich vom Hocker, wenn du glaubst, dass dieser McLaren der kleinste und schwächste ist. Fehlanzeige. Natürlich liegen zwischen 675 LT und 540C ein paar Zahlen, aber sie stammen alle aus dem selben Genpool.

Wir fahren weiter. Ein Über-Tage-Bergbau-Krater könnte wunderbar als Kulisse für den nächsten SiFi-Blockbuster herhalten. Der rote Brite schaut sich den Abgrund an und denkt über große Maschinen und einen Spielplatz nach. Ein McLaren mit Allradantrieb, ordentlicher Wattiefe und Schnorchel wäre kein McLaren. Obwohl der Gedanke an eine schnelle Runde in diesem surrealen Terrain schon verlockend ist. Ein Staubwolke, lang wie der Schleier einer Königin bei der Krönung, wäre die Belohnung.

Wieder auf der Strasse, die Kühe rechts und links fliegen vorbei. Typische Eifelhäuser aus massiven Steinen, für die Ewigkeit und gegen winzige Erdbeben gebaut. Die Eifel lebt und bebt und mitten drin ein Brite mit Bären-Kräften. Die Technik des 540C stammt, wie alle seine Geschwister aus dem Motorsport. Gentechnik im positivsten Sinne. Ein Fahrwerk so präzise wie ein Skalpell, die Bremsen für scharfe Manöver, der Motor im Duett mit dem Getriebe kann seine Kraft ungehindert auf die Pirellis werfen. Der Wagen so steif wie eine Kanonenkugel, jede kleine Unebenheit auf dem Asphalt wird zum Signal, der Hintern ist im besten Falle Seismograph, die Augen ausgerichtet. Der McLaren zieht dich mit, motiviert, begeistert. Man will keine Fehler machen, jede Kurve, jede Gerade eine Chance. Der Wagen ist Benchmark für dich.

Kilometer um Kilometer fliegen an dir vorbei, Ortsschilder sind Zielflaggen, Ortsausgangsschilder das Gegenteil. Der V8 feuert dich an, du hältst den Takt, das Tempo, wie ein Musiker. Immer unter Zug, der Gasfuß ruht nicht, er läßt den 540C nie von der Leine, er zügelt und treibt. Und weil auch der 540C, wie alle anderen McLaren, ein gradliniger, trotz aller feinen Technik ehrlicher Sportwagen ist, wächst man zusammen. In der Mönchszelle aus Leder, Carbon und Glas läßt sich prima philosophieren. Nicht über den Sinn dieses Autos sondern über die Frage was dieser Wagen mit dem Mensch anstellt. Ist man Bediener, Gast und Geniesser oder doch Teil des Ganzen, weil man im Mclaren einen Partner findet, der kein Spielzeug, sondern eher Spielkumpel ist.

McLaren ist Motorsport, die lange Ahnenreihe aller McLaren bis hin zur spektakulären CanAm-Serie und die Formel-1 sitzen im Grunde ständig mit an Bord. Auch der 540C, preislich und in der Motorleistung als Eintrittskarte für das McLaren-Universum gedacht, überzeugt mit Souveränität und Coolness. Seine technische Perfektion konkurriert mit seinem Charme, der nicht nur wegen der besonderen Ästhetik so stark ausgeprägt ist. Der komplette Wagen spricht seine eigene Sprache. Er spricht laut, deutlich und unmissverständlich die Sprache der hoch kultivierten Supersportler aus England. Und die versteht man nur, wenn man wie wir vier oder fünf Stunden kreuz und quer um die Eifel-Vulkane gezogen ist.

Fotos: Ralf Bernert

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McLaren Special Operations

Die technischen Daten laut Hersteller:

Motor: V8 TwinTurbo
Hubraum: 3.799 ccm
Leistung: 397 kW/540 PS bei 7.500 U/min
Drehmoment: 540 Nm bei 3.500 bis 6.500 U/min

Maße:
Leergewicht: 1.311 kg
Länge: 4.530 mm
Breite: 2.095 mm
Höhe: 1.202 mm

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 3,5 Sekunden
0-200 km/h: 10,5 Sekunden
Top Speed: 320 km/h

Verbrauch kombiniert: 10,7 l/100 km
CO2: 249 g/km

Preis in Deutschland inkl. Steuer: ab 160.000,00 Euro