Eine ganze Woche Italienisch für Autofahrer. Als Sportlimousine der obersten Kategorie noch immer im kollektiven Gedächtnis unterwegs. Die aktuelle, also sechste Generation, ist sehr schnell, sehr komfortabel und irgendwie auch im positiven Sinne höchst interessant.

Er soll 288 km/h können. Getestet und bestätigt. Wobei die Nadel nicht nur an der 290er Marke kratzt, auf dem Weg dorthin, war sie beeindruckend schnell unterwegs. Was uns dann doch gefallen hat, denn vorher wanderten wir im Quattroporte durch die Gegend und liessen den V6 weitest gehend in Ruhe. Dann die Auffahrt zur Limit-freien Straße, den Wahlhebel nach links, ab in den Dritten und dann immer bei rund 3.500 Touren das rechte Paddel ziehen. Das Ergebnis: 285 und ein wenig mehr. Die Schalterei ein Klacks, weil ansatzlos, ohne Unterbrechung, kein Kopfnicken und auch kein Verlust an Vortrieb. Well done, würden wir sagen, säßen wir in einem Briten. In Italien heisst es wohl: Complimenti!

Ganz am Anfang, der Wagen noch frisch gewaschen, voll getankt, ein wenig fremdelnd mit uns. Seine 5,262 Meter Länge hatten wir noch nicht richtig registriert. Da steckt schon ein Parkticket am Scheibenwischer. Die Nase, je genau diese sehr italienische Front, lugte dann doch ein paar Zentimeter zu tief in die Kurve, der Fußgänger musste einen kleinen Schlenker in Kauf nehmen. Auto und Mensch auf Tuchfühlung, mitten in der Stadt. Und das alles ohne Maske aus Stoff. Deshalb der weiße Zettel.

Fahrbericht Maserati Quattroporte – Höchst interessant

Ein Blick in die nicht allzu weite Ferne. 1986, QP III. De Tomaso war Herr im Hause. Grandezza wurde bis an die Grenze, mit den Kanten der 80er und einem Innenraum in Leder, derart üppig verteilt, als hätte man eine Herde Kühe zum Sonderpreis gekauft. Wunderbar übertrieben, nicht jeden Geschmack treffend. Aber eben Leder satt.

Quattroporte III, Baujahr 1986, Sondermodel
Quattroporte III, Baujahr 1986, Sondermodel "Royale", Design: Giorgetto Giugiaro, Farbe: “Dark Aquamarine”
Quattroporte III, Baujahr 1986, Sondermodel
Quattroporte III, Baujahr 1986, Sondermodel "Royale", Motorleistung maximal 300 PS
Quattroporte III, Baujahr 1986, Sondermodel
Quattroporte III, Baujahr 1986, Sondermodel "Royale", einer der bekanntesten Kunden: Luciano Pavarotti

Und nun springen wir in den gegenwärtigen QP. Generation VI, mit sechs Zylindern, BiTurbo und dem Anspruch, dass man vier Türen, vier Sitze und reichlich Leder so verpacken kann, dass der Anblick dann doch den Ästheten in uns weckt. Ok, das nicht unbedingt das Heck, aber die Nase kann sich mehr als sehen lassen. Plus die Silhouette. Schräg von vorn, die hinteren Radhäuser als bester Beleg, dafür, dass eine Limousine durchaus muskulös wirken kann, ohne dass man über spätpubertäre Blechmukies nachdenken muss. Er sieht sehr gut aus und genau so bewegt er sich auch.

430 PS bewegen 1.920 Kilo plus Besatzung. Also rund zwei Tonnen. Der Allradantrieb macht den Unterschied. 60 Kilo um genau zu sein. Das macht sich bei den Fahrleistungen nicht wirklich bemerkbar. 288, so steht es geschrieben und wir haben das geschafft. Beim Sprint aus dem Stand hat uns das Smartphone eine Zahl geliefert: 5,1 Sekunden. 4,8 steht auf dem Zettel. Wir schreiben die Differenz dem Fahrer zu, nobody is perfect.

Foto: Redaktion Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Redaktion Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Maserati Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Maserati Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Maserati Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Maserati Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Maserati Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Maserati Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Redaktion Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Redaktion Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Maserati Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Maserati Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Maserati Maserati Quattroporte S Q4 VI
Foto: Maserati Maserati Quattroporte S Q4 VI

Der Allradantrieb beim QP dürfte weniger die Offroad- und Winter-Fahrerei verbessern. Es geht dann doch eher um Traktion, Kurvengeschwindigkeiten und das Thema Sicherheit. Schnelle, sehr schnelle Kurven kann man in diesem Italiener durchaus zu Viert erleben, ohne dass weiter hinten die Sickbags gereicht werden müssen. Der Wagen sitzt auch bei 250 in der Kurve sehr sauber, sehr ruhig auf dem Bodenbelag. Wenn dann noch Platz unter dem Gaspedal vorhanden ist, geht die Tour weiter nach vorn, die Tachonadel freut sich über den Schwung und spaziert in Richtung 290. So geschehen auf der A7, irgendwo zwischen Hamburg und Hannover. Es war leer, sehr leer. Und es hat uns erfreut, auch weil der Maserati kein Geschrei um seine Leistung machte. Er lief und lieferte. Die Abgasanlage schenkte unserem Gehör und auch dem des Publikums einen Klang, den man als kraftvoll und doch zurückhaltend bezeichnen darf. Arien werden in der Oper gesungen, der Einzug eines Streitwagens hört sich auch anders an und Kompetenz in Sound-Ingeneering kann man auch mit ruhigen Tönen belegen. Nur beim Start, bei kaltem Motor, klingt es nach kehliger, rauer Stimme. Ein wenig schlechte Laune ob der abrupten Pause auf dem Parkplatz.

Im Innenraum dann die Frage nach der Moderne im Duett mit der Erinnerung an „alte“ Zeiten. Der Lederüberschuss der 80er, das Lenkrad aus Holz als Zeichen handwerklichen Geschicks und die fast unübersichtliche Anordnung zahlreicher Rundinstrumente vor dem Volant. In Zeiten allgegenwärtiger Digitalisierung freut man sich fast über die beiden großen Uhren und dazwischen die Anzeige des Navi oder die Spurhaltefunktion. Es ist eben die Kunst der Verknüpfung beider Welten. Tradition und Moderne. Hier die Notwendigkeit juristisch und politisch geforderter Technik wie Beleuchtung, Crashverhalten, Maße, ABS und Traktionskontrolle und dann die Tradition, die bei Maserati weit mehr als nur eine optische Visitenkarte darstellt.

Und dann ist da die Kundschaft, welche meist in einem Satz modernste Kommunikation und Handwerk fordert. Also Holz und Echtzeit-Navigation. Plus die Menschen, die im Regal Bücher über den Quattroporte lagern und darin immer wieder erkennen, wie alle fünf bisherigen QP-Serien aussahen. Bitte keinen Schlussstrich unter das Kapitel Dreizack in der deutlich nach vorn gerichteten Kühlermaske. Auch die kleine analoge Uhr in der Mitte der Instrumententafel ist ein Muss. Und sie ist dabei, man sieht sie, fast ein wenig stolz blickt sie in den Innenraum. Als Botschafter der Familien-Tradition. Oval in der Form, edel im Ausdruck. Melancholie ist hier fehl am Platze. Es geht halt um Ästhetik, die Geschichten erzählen kann.

Man nimmt also Platz, richtet den Stuhl, Leder trifft Hosenboden, Hüfte und Oberschenkel treffen Seitenhalt und alle sind zufrieden, weil es bequem, passend und wertig ist. Dem Auge geht es nicht anders. Spiegel justieren, Monitor einrichten, also Navi an und Karte betrachten. Dann Radio einstellen und schließlich, Knopf unten links in Kombination mit dem Bremspedal drücken. Es lebt und es will los.

Die Stadt am frühen Morgen freut sich über einen Italiener, der lässig, ruhig und ein wenig anders gekleidet, als die üblichen Oberklasse-Büro-Limousinen an der Alster entlang spaziert. Die Nase so wunderbar neugierig im Wind, der Dreizack mal nicht als Stichwaffe eines Gladiators unterwegs. Weiter hinten entlassen die Endrohe die Musik der Entspannung in die Ohren der Alsterschwäne und der Fahrer möchte am liebsten ein Schiebedach öffnen, die Hansestadt kann wacht auf, Möwen kreisen, wecken auf und der Italiener saugt das alles auf, wie ein Schwamm. Ein paar Momente lang lehnt man sich zurück, über die Elbbrücken raus auf´s Land. Kurvengymnastik, Swing, ein wenig Musik aus den Lautsprechern, der Motor wirkt motiviert, der Gasfuß zuckt ein wenig mehr und da ist dann dieses lustvolle Beschleunigen, das Einlenken, Bremsen und wieder beschleunigen. Bis die Nadel an der 100 schnuppert und die Lust mit der Vernunft diskutiert. Das alles läuft in der Limousine aus Modena ein wenig anders ab, als in vergleichbaren Autos. Ein wenig kultivierter, ruhiger, gelassener.

Später auf der Autobahn dann die kurze, heftige Entfaltung der Lust auf Speed. Kein Krawall, kein Ausbruch aus der Komfortzone, kein Fokussierung auf Leistung. Eher ein Zusammenspiel von Motor, Getriebe, Fahrwerk und Komfort, plus diese deutliche Prise an Grandezza. Ein wenig mehr als der Durchschnitt, ein wenig mehr Luxus, ohne Blattgold und Kristalllüster. Der Salone im Rapido-Modus ist immer noch ein Salone. Und höchst interessant.

Der Quattroporte wird derzeit in zwei Varianten angeboten. Der S Q4 und der QP mit V6 Dieselmotor.

Fahrbericht Maserati Levante V8

Die technischen Daten (laut Hersteller):
Quattroporte SQ4
Motor: V6 BiTurbo
Hubraum: 2.979 ccm
Leistung: 316 kW / 430 PS bei 5.750 U/min
Drehmoment: 580 Nm bei 2.250 bis 4.000 U/min

Getriebe: 8-Gang Automatik
Antrieb: Allrad

Maße:
Länge: 5.262 mm
Breite: 1.948 mm
Höhe: 1.481 mm
Radstand: 3.171 mm
Leergewicht: 1.920 kg

Fahrleistungen/Verbrauch:
0-100 km/h: 4,8 s
Top Speed: 288 km/h

Verbrauch kombiniert: 9,7 l/100 km
CO2: 226 g/km
Abgasnorm: Euro 6d-TEMP

Preis in Deutschland ab: 117.200,00 Euro