Fahrbericht Lexus LS 600hL: Das beste Evergreen

Lexus LS 600hL  Foto: Lexus
Lexus LS 600hL Foto: Lexus

Lang ist er. Und eindrucksvoll. Der Lexus LS 600hL ist das Kernelement der Marke Lexus, die Visitenkarte, der rollende Salon und die beste Ansage zum Thema Luxus-Kultur auf Rädern. Wir haben den prächtigen Japaner ein paar Tage durch die Schweiz begleitet und waren von zeitlosen Legenden umgeben.

Ein paar Kilometer nur. Genf – Flughafen – Umsteigen, mit dem Van zum ersten Stopp. Das Royal Savoy in Lausanne am Genfer See. Eine Institution, eine Pracht und ein typisches Grand Hotel der alten Schule. Königinnen haben hier ihre Kutschen parkieren lassen, Kaiser haben hier logiert und per Home-Office regiert. Man traf so ziemlich jedes gekrönte Haupt plus: superreiche Kaufleute, Schauspieler, Rockstars, Politiker und Typen wie wir. Die Silhouette ist eine Wucht, die Lage natürlich der Hammer und egal, in welchem Zimmer man auch nächtigt, es fühlt sich wunderbar an. Und dann das Frühstück. Zuerst ein 1A-Rührei, dann bester Kaffee und zum Dessert wartet vor der Tür eine Limousine mit der man gleich ins Gespräch kommt, weil sie nicht nur interessant aussieht.

Lexus LS 600hL – Luxuriös und smart

Der LS. Wir drehen die Buchstaben noch nicht einmal im Geiste. LS, das heisst leise und schnell oder luxuriös und sanft oder wie auch immer. Auf alle Fälle stehen wir vor einem bemerkenswerten Gefährt, dessen erster europäischer Auftritt in der Schweiz stattfand. 1989, damals hörte der große Lexus noch auf den Namen LS 400. Toyota hatte eine zarte Milliarde in die Entwicklung der Limousine gesteckt. Alles an diesem Wagen wurde neu entwickelt. Der V8, das Fahrwerk und einige technische Leckereien, wie Luftfederung, Navigation mit Sprachausgabe, Mobiltelefon mit Freisprecheinrichtung und eine ganze Armada an Ausstattungsdetails, für die man in vergleichbaren Fahrzeugen tief in die Extra-Tasche greifen musste.

Mercedes-Benz und BMW fanden das damals nicht lustig. Der US-Markt freute sich riesig über das neue Model aus Japan, die Zulassungszahlen verschoben sich in Richtung Lexus, die beiden anderen Nicht-US-Hersteller am Markt mussten nachbessern. Wir haben eine neue Definition für LS: luxuriös und smart.

Fahrbericht Lexus LS 600hL
Fahrbericht Lexus LS 600hL

Ein paar Runden um den jüngsten LS im Jahr 2016. Der Lexus steht da wie hingemalt. Feinste Schokolade auf Rädern, in der Schweiz und zwar dort, wo man früher die Kostbarkeiten der Gesellschaft sehen konnte und heute eine Unterkunft mit allen Extras wartet. Dieser Lexus und das Royal Savoy in Lausanne sprechen die gleiche Sprache. Zeitlos. Dort wo andere Limousinen der Luxus-Klasse mit Hightech-Innereien und deren Darstellung als SiFi-Instrumente wetteifern, strahlt der LS eine ungewohnte Ruhe, eine fast aufreizende Souveränität aus. Laserlicht? Fast-Automatisiertes-Fahren? Swarowski-Lämpchen? Düfte aus dem Handschaufach? Es spielt keine Rolle. Der Auftritt macht den Unterschied, ein erster Blick in die gute Stube. Bestes Leder, viel Raum. Holz, wo man es erwartet, keine Carbon-Orgie, dafür Alcantara und zwar perfekt verarbeitet. Reisewagen mit Stil.

Der Lexus LS 600hL ist tatsächlich ein gastfreundlicher Geselle

Vorn und hinter dem Beifahrersitz ist die Welt noch um einen deutlichen Wimpernschlag besser. Mehr Raum für Kniescheiben und Rücken. Mehr Platz für den Geist und die eigene Aura, denn der LS ist tatsächlich ein gastfreundlicher Geselle. Er ist der einzige Luxus-Wagen, den man geniesst ohne ein Perlen-Getränk aus der Kühlbox. Ungezwungen, keine Eitelkeit des Herstellers. Wo andere mit hundert Jahren Erfahrung und vielen Patenten glänzen, ist der große Lexus so still wie einst Charles Spencer Chaplin, der in seinen erfolgreichsten Jahren einem Tramp die Aura eines Gentleman verlieh und der viel später in der Schweiz seine Heimat fand.

Der große Mann mit dem noch größeren Talent lebte bis zu seinem letzten Atemzug in Corsier-sur-Vevey und genau dort rollt der Lexus vor die Haustüre einer schönen Villa. Hinter der Tür wandelt man auf den Spuren des Briten und seiner letzten Jahre. Esszimmer, Wohnstube, Garten und so weiter. Dann hinüber in eine Chaplin-Welt. Kulissen unter der Erde. Eine kleine Filmstadt mit vielen Filmszenen. Ein Klassiker, zeitlos. Als Zwischenziel einer Reise unbedingt empfehlenswert.

Fahrbericht Lexus LS600h
Fahrbericht Lexus LS600h

Fahrbericht Lexus LS600h-Seite

Der LS setzt sich wieder in Bewegung, beide Motoren, zunächst der E-Motor, dann zusätzlich der V8, arbeiten Hand in Hand. In aller Ruhe, mit Kraft aber ohne die zu oft bemühte Akustik des kraftvollen. Keine pubertäre Fanfare, eher die coole Ruhe des Selbstverständlichen. 445 PS insgesamt, in 6,3 Sekunden bis Tempo 100 km/h. In der Schweiz braucht man starke Oberschenkel für den Aufstieg, keine Bizeps für den Strand.

Die Reise führt uns nach La Chaux-de-Fonds, dort treffen wir Menschen, die Uhren bauen. Edourard Heuer war 1860 ein Pionier. Er und seine Kollegen bauten 1882 die erste Stoppuhrfunktion, 1916 den ersten Chronographen, die Sekunde in Hundertstel teilte und so weiter. Im Werk sehen wir weiße Kittel auf Sitzen, aus dem Ärmeln schauen Hände und die Finger daran sind sehr geschickt im Umgang mit feinsten Werkzeugen und noch feineren Schrauben, Zahnrädern und sonstigen Bauteilen. Ein Puzzle für Handgelenke und Sammlervitrinen.

Fahrbericht Lexus LS 600h L Fond
Fahrbericht Lexus LS 600h L Fond

Zurück Richtung Genf. Der Lexus hat uns einige interessante Dinge gezeigt. Vor allem Qualität, zeitlose Qualität. Bei sich selbst und bei unseren Stopps. Wir steigen aus und drehen uns um. Der Viertürer mit dem markanten Grill ist immer noch eine Skulptur, eine zweitlose Erscheinung. Nicht der sportlichste, nicht der modernste und auch nicht der exklusivste Zeitgenosse in der Reihe aller Luxus-Limousinen. Aber er wird in etlichen Jahren ein begehrtes Automobil sein. Erstens, weil seine Qualität schon heute deutlich über dem Standard liegt und zweitens, weil er nicht so laut über seine Qualitäten spricht. Er ist vermutlich der eindrucksvollste Gentleman, den man derzeit erleben kann.

Die technischen Daten (laut Hersteller):
E-Motor: 165 kW / 224 PS 300 Nm
V8-Motor: 290 kW / 394 PS bei 6.400 U/min 520 Nm bei 4.000 U/min
Systemleistung: 327 kW / 445 PS
Getriebe: stufenlos
Antrieb: permanenter Allradantrieb

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 6,3 Sekunden
Top Speed: 250 km/h (abgeregelt)

Verbrauch:
nach EWG-Richtlinie kombiniert: 9,3 l/100 km
Co2: 219 g/km

Preis: ab 132.800,00 Euro

Text: Ralf Bernert
Fotos: Lexus