Fahrbericht Lamborghini Huracan LP 580-2: Mehr Spaß im Heck

Foto: Lamborghini
Foto: Lamborghini

Fahrbericht Lamborghini Huracan LP 580-2: 580 PS im Berufsverkehr und der kennt keine Gnade. Die Kesselschlacht um Sant´ Agata, da helfen nur Ausgeglichenheit und Flexibilität. Der 580-2 sendet seine Kräfte an die hinteren Räder und die lassen den Zweisitzer so richtig nach vorn laufen. Und dann das Getriebe, die Technik ist derart schnell, man glaubt es kaum. Die Gänge fliegen nur so durch die Gegend. Und dann noch das: kein Turbo.

Valentino sei Dank. Antrieb an die Hinterräder ist fein. Auch wenn man bei Audi unbedingt alle vier Räder mit Leistung versorgen will, sei es, weil man Quattro als Produkt vermarkten muß, oder weil man seit Mitte der 80er im Rallye-Sport hängen geblieben ist. Im LP 580-2 ist die Zwei hinter dem Bindestrich das Maß der Dinge, das wusste auch Valentino Balboni. Dem weltbekannten Lamborghini-Testfahrer hatten die Italiener einst ein eigenes Model kreiert, den Gallardo Balboni.

Fahrbericht Lamborghini Huracán LP 580-2
Fahrbericht Lamborghini Huracán LP 580-2

Wir waren mal mit Valentino unterwegs. Irgendwann 2009. Im Gallardo mit Antrieb auf allen Rädern. Es war trocken, Valentino kam ins Plaudern, sein Deutsch fast so gut wie seine Fahrkünste. Man sprach über eine Karriere als Rennfahrer und über Heckantrieb. Valentino hatte keine Mühe mit dem Allrad-Antrieb des Gallardo, aber er mochte und mag den Hinterrad-Antrieb lieber, weil emotionaler, echter, die Spreu vom Weizen trennend, leichter, sportlicher und auch näher, sehr viel näher an der Tradition von Lamborghini. Valentino gehört zu den wenigen Personen, die noch direkt und sehr persönlich mit Ferruccio Lamborghini gearbeitet haben. Man sollte besser schreiben: gewirkt haben.

Nun also der jüngste Sproß aus Sant ´Agata. Der Huracán steht Pate. Aus 610 PS werden 580, aus 560 Nm werden 540 und aus vier angetrieben Rädern werden zwei. Um welchen Faktor sich der Fahrspaß im Vergleich zum LP610-4 verändert hat, wollen wir hier und heute heraus finden. Das Tor zur Landstraße ist offen, der Blinker wird per Knopf am Lenkrad aktiviert. Links ab und immer gerade aus.

lamborghini-huracan-lp580-2-heck

Vorbei an Industrie, alten, verfallenen Villen, vorbei an Äckern und Tankstellen. Ein paar Verkehrskreise und dann immer weiter Richtung Horizont. Der Italiener sitzt wie ein sehr guter Anzug. Slim, wie man so sagt. Bestens vernäht, alles passt und nichts wackelt. Der V10 ganz knapp hinter den Schultern arbeitet zunächst seelenruhig vor sich hin. Ganz weit vorn liegt die Reisetasche unter der Fronthaube. Also ruhiger Lauf des Motors, Gepäck sauber verstaut, das Fahrwerk im Modus „Strada“ kümmert sich um besseren Asphalt und das Getriebe sortiert nahezu unmerklich die Gänge 2 und 3 hin und her. Alltagsauto, genau dieser Begriff ist hier angebracht. Auch wenn der Ein- und Ausstieg nicht für echte Sumoringer entwickelt wurde, wobei ein durchschnittlicher Sumōtori gut 150 Kilo schwer und recht üppig um die Hüfte gebaut ist, was für eine bequeme und adäquate Unterbringung in einem Huracán nicht optimal scheint. In die sehr sportlichen Sitze unseres 580-2 passt vermutlich noch nicht mal ein halber Sumōtori, wir jedenfalls passen wunderbar rein und das Thema Seitenhalt erwähnen wir mal mit einem einzigen Wort: exzellent.

Man gewöhnt sich schnell an die Instrumente, an die Knöpfe, Schalter und Hebel. Das große Display hinter dem Lenkrad kennen wir in seiner Struktur, das Navi, ebenfalls bekannt, liefert schnell und sauber alle Ergebnisse jedweder Anfrage und die kleine Kompanie an Kippschaltern oben auf der Mittelkonsole, direkt unter den drei kleinen Anzeigen, finden wir sehr stylisch. Der Startknopf sitzt theatralisch versteckt unter einer roten Klappe. Alles wirkt durchorganisiert, sorgsam platziert und bestens verarbeitet.

Fahrbericht Lamborghini Huracán LP580-2: Willst Du fummeln?

Nach dem fünften Ampelstopp spricht uns der Italiener aus der Seele. „Willst Du nur fummeln oder auch mal auf´s Ganze gehen?“ Recht hat er. Also links ab, auf dem Navi sehen wir eine Strasse, die in Richtung Natur führt. Nach Ferrara, dort wo sich der Tross der Mille Miglia Storica trifft. Es geht durch ein paar kleine Dörfer, es wird ruhiger und lauter. Der Lamborghini macht sich landfein, wir schalten auf „Sport“, einzelne Finger ruhen hinter den Schaltpadels, der Gasfuß stellt sich auf mehr Druck ein und weiter links wartet ein anderer Fuß auf verstärkte Einsätze. Runter in den Ersten. Stillstand, im Kopf senkt sich eine Fahne und der Lamborghini rennt los. Ein paar Flügelschläge später steht der leichte Huracán wieder. Luftholen. Ob das nun 3,4 Sekunden waren? Egal, es war schnell, sehr schnell und laut. Die zehn Zylinder haben sauber gesungen, die Paddel haben brav gearbeitet, wobei der zweite Versuch sehr deutlich zeigte, dass man die Paddel auch in Ruhe lassen kann. Das Getriebe ist besser, weil perfekt abgestimmt.

Und nun der Vortrieb. Den 610-4 hatten wir noch nicht im Test. Aber wir merken: 580 Pferde sind, an den hinteren Rädern, bestens für schnelle, sehr schnelle Fahrten geeignet. Vor allem der Saugmotor kann sich so richtig ins Zeug legen, bei hohen Touren spielen seine Hormone ganz groß auf. Er schreit, er brüllt und der schiebt nach vorn, das Heck reagiert auf Gaslupfer deutlich aber nicht nervös, man könnte die Heckpartie ruhig öfter besser ins Spiel bringen, aber wir sind auf öffentlichem Grund und Boden unterwegs. Die Strassen sind oft eher breite Wege, die Kurven manchmal schön offen und lang genug, aber leider auch immer wieder blind und ohne Notausgang. Wir wollen, der Wagen kann, aber die Risiken sind zu hoch. Wir können ab und an sehr sauber aus Kurven heraus beschleunigen und das macht mit dem LP 580-2 wirklich außerordentlich viel Spaß, auf der Geraden ist der Lamborghini kaum zu schlagen. Er sitzt satt und ruhig auf dem Asphalt, die Lenkung bleibt auch bei harter Gangart stabil und ruhig, der Motor könnte besser kaum klingen und das Fahrwerk hält den Wagen sauber in der Spur. Da springt und versetzt nix.

320 km/h, steht auf dem Datenblatt, Dass er das kann, glauben wir gern. Wie er sich jenseits der erlaubten 130 verhält, konnten wir nicht erleben. Wir brauchen unseren Führerschein noch. Aber es würde uns schon arg verwundern, wenn der 580-2 bei mehr als 300 km/h nicht die gleiche Souveränität an den Tag legen würde, wie bei 130.

Ein Fazit:
Der Huracán ist schon ein leckeres Auto. Sehr modern, sehr kraftvoll und die Ästhetik des Lamborghini ist wunderbar speziell. Im Vergleich mit dem 610-4 ist der 580-2 diesen kleinen aber deutlichen Tick spezieller. Nicht äußerlich, sondern im Fahrverhalten. Ein wenig manueller, weniger digital. Und genau das erwartet man auch von einem Hecktriebler ohne Turboaufladung.

Fahrbericht:

Lamborghini Aventador

Text und Fotos: Ralf Bernert
Interieurfoto: Lamborghini

Die technischen Daten (laut Hersteller):
Lamborghini Huracán LP 580-2

Motor: V10
Hubraum: 5.204 ccm
Leistung: 427 kW /580 PS bei 8.000 U/min
Drehmoment: 540 Nm bei 6.500 U/min

Antrieb: Hinterräder
Getriebe: 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe

Maße:
Leergewicht: 1.389 kg
Länge: 4.459 mm
Breite: 1.924 mm – 2.236 mm (ohne Spiegel)
Höhe: 1.165 mm
Radstand: 2.260 mm

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 3,4 Sekunden
0-200 km/h: 10,1 Sekunden
Top Speed: 320 km/h

Verbrauch kombiniert: 11,9 l/100 km
CO2: 278 g/km

Preis in Deutschland: ab 178.500,00 Euro