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Fahrbericht KIA Stinger 3.3 T-GDi – Der schnelle Stachel

Ja, 366 PS sind eine Ansage. Und dann auch noch mit vier Türen, vier Sitzen und dieser typisch unaufgeregten Optik, die uns an der Ampel die ganzen Poser vom Leibe hält. Wenn die wüssten.

Ok, das Heck mit vier Endrohren macht dann doch was her. Und die hoch gezogenen Rückleuchten mit Spange als Brücke. Überhaupt Brücke, als Stichwort bestens geeignet, weil der neue, leicht optimierte Stinger nur einen kurzen Steg zum Vorgänger braucht. Das Prinzip bleibt erhalten. Der Motor, noch immer der saftige V6, mit dem Ansprechverhalten eines echten V6. Dazu reichlich Musik aus dem Hintern, was absolut positiv gemeint ist. Kraftvoll, klar und sicher auch nachhaltig.

Wir waren unterwegs mit ihm. Als Insassen, Bediener und Erklärer, weil man uns hier und da wissen liess, dass dieser Wagen dann doch nicht so bekannt ist. Ein Koreaner mit Biss, als kleiner und deutlicher Hinweis auf die Lust der KIA-Entwickler auf Dynamik, Sport und Komfort unter einem Dach. Bevor wir einsteigen, lesen wir von 366 PS und 510 Newtonmeter. Das reicht eigentlich schon und wir lesen weiter. Allradantrieb und alles, was man an Assistenten auf dem Markt kaufen und einbauen kann. Der Stinger ist komplett.

Vollausstattung, der große Monitor ist als Behausung allerlei digitaler Lebewesen bestens geeignet. Hinter dem Screen leben derart viele Dinge, man kann von einer Stadt sprechen. Coud-basiert, also ausgelagert, damit die Festplatte nicht überläuft und man ganz fix neue Infos auf dem Bildschirm sehen kann. Zwei Smartphones gleichzeitig über Bluetooth mit dem Auto verbinden, geht klar. Individuelle Split-Screen-Funktion, geht auch klar. KIA bietet auch eigene Dienste an. Navi, Kommunikation, Verkehrsinfos, Parkplatz-Infos und so weiter. Es regnet Infos im Stinger.

Und trotzdem, wir wollen fahren. Sofort. Motor an, Hebel nach hinten, los. Die Lenkung leichtgängig, was sehr gut beim Manövrieren ist und trotzdem präzise, was gut beim Kurven-Tango ist. Wer führt? Der Pilot, der Wagen gehorcht. Auf´s Wort, wenn es sein muss. Spracherkennung. Klar. Jetzt aber. Die ersten Kurven, Geraden und Biegungen sind Fingerübungen. Eingrooven, gewöhnen, die Balance des Wagens erkennen, spüren. Der Wagen kommuniziert sauber, klar und ehrlich. Soweit die Elektronik das zulassen kann. Allrad, aber im besten Fall zu hundert Prozent Hinterräder. Das sollte man wissen. Vorher. Der Stachel rennt also mit Zunder auf die Kurve zu, die Brembos packen zu, wie Brembos eben zupacken.

Wie ein zwei Meter Türsteher, mit dem Kreuz eines echt talentierten Möbelpackers, der Dich aus dem Club werfen wird. Am Kragen und du kannst zappeln wie ein junger Hering, er hat dich. Und die Brembos haben den Stinger. Also rein in die Kurve, den Scheitel anvisieren, der Fuß schwebt über dem Gaspedal und senkt sich dann so schön zackig, wie ein Fallbeil, nur ohne Klinge. Der Stinger hebt das Haupt kaum merklich und rennt raus auf die Gerade. Das Heck rennt brav mit, in der Spur. Die Lenkung lenkt, sauber, präzise und dein ganzes Vertrauen in diesen Wagen lernt ein neues Niveau kennen.

Also noch mal das schöne Rein-Raus-Spielchen. Immer wieder. Fading ist für die Bremse ein Fremdwort, dass sie noch nachschlagen müssen. Der V6 nebst Turbolader liefert wie ein wirklich guter Dienstleister, zuverlässig, immer auf höchstem Niveau und für einen ganz schön langen Moment vergessen wir an Bord alles, was wir über die sehr guten Hybride und Elektriker von KIA gelernt haben. Im Moment rennen wir, immer das gesetzliche Limit im Auge, durch die Gegend und suchen nach einer Autobahn, weil wir unbedingt noch 270 erleben wollen.

Vorher noch schnell die ruhige Kugel schieben. Also durch ein paar Dörfer rollen. Lässig, kommod und irgendwie limousinig. Dann eine Auffahrt. Blaues Schild und dann dieses schöne weiße, runde Ding mit den magische grauen Strichen drin. Freilauf-Gehege. Der Stinger holt Luft, der Gasfuß wartet auf die wirklich ersehnte Anordnung aus dem Hirn. Impulse rasen die Nervenbahnen entlang, Sehnen und Muskeln erhalten den Auftrag. Der rechte Fuß möge sich senken, gerade nach unten. Und er tut es. Und der KIA erkennt das Zeichen, der Motor kommt in Wallung, es röhrt recht nett aus den vier Endrohren und der Rücken kuschelt mit der sehr guten Rückenlehne.

Wir sehen 200, 230, 250 und dann endlich 270. Und es fühlt sch gut an, sehr gut. Sauber ruhig, selbst die leider typischen Unebenheiten auf der Autobahn machen dem Wagen nichts aus. Er rennt nach vorn, ein paar Bürolimousinen erkennen den Wagen nicht und blockieren die Spur. Also wieder Fuß hoch, warten und wieder los. Hurra, schreit das Hirn. Wieder Beschleunigen, als wollten wir herausfinden, wieviel Sprit der Stinger so maximal verbrauchen kann. Ende einer Testfahrt. Ohne Heinrich, aber dafür mit Spaß. Irgendwie könnte wir das regelmäßig machen. Ein Wagen für den ganz normalen Tag, also in die Firma, zum Einkaufen, die Kids abholen, in den Urlaub und wenn die Familie gerade mal was anderes zu tun hat, den Stachel Stachel sein lassen.

Die technischen Daten (laut Hersteller):

Motor: V6 TwinTurbo

Hubraum: 3.342 ccm

Verdichtung: 10,0 : 1

Leistung: 269 kW / 366 PS bei 6.000 U/min

Drehmoment: 510 Nm bei 1.300 bis 4.500 U/min

Getriebe: 8-Gang Automatik

Antrieb: Allrad

Maße:

Länge: 4.830 mm

Breite: 1.870 mm

Höhe: 1.420 mm

Radstand: 2.905 mm

Leergewicht: 1.980 kg

Fahrleistungen/Verbrauch:

0-100 km/h: 5,4 s

Top Speed: 270 km/h

Verbrauch kombiniert: 10,4 l/100 km

CO2 kombiniert: 238 g/km

Preis in Deutschland ab: 57.900,00 Euro