Fahrbericht Jaguar F-Type R Coupé: Vom Sprotzeln und Fauchen

Fahrbericht Jaguar F-Type R Coupé - Foto: Ralf Bernert
Fahrbericht Jaguar F-Type R Coupé – Foto: Ralf Bernert

Kurz und knapp ist er, der F-Type. Der Nachfolger des XK ist mehr Sport, mehr Speed, mehr Sneaker als Oxford und vor allem mit dem großen R am Hintern eine zackige Flüstertüte mit reichlich Schmackes unter der Haube.

Der Finger startet den Weckruf. Nicht mehr so heftig, wie am Anfang, als der F-Type R noch ein ungezügelter Schreihals war. Eher kultiviert, ein wenig mehr ankündigend. Es geht also los, acht Zylinder melden Marschbereitschaft, nach vorn. Attacke, Helm auf zum Gefecht. Es ginge noch eine Nummer wilder, SVR. Aber den haben dann später marschieren lassen. Erst der R, dann die Flügelnummer.

Fahrbericht Jaguar F-Type R Coupé: Weckruf oder Plausch

In Hamburg sacht man Moin. Der Jaguar grüßt mit einem schwungvollen, modernen Hi plus Ausrufezeichen. Ein fleissiger Handwerker auf einem Baugerüst grüßt zurück und kann gerade so seine Maurerkelle festhalten. Das Orange zwischen dem mausgrauen Einheitsbrei deutscher Leasing-Autos sei ihm schon vorher aufgefallen. Der Startgruß habe nur einen Schluß zugelassen. Wer so zackig aus dem Schlaf erwacht, müsse ein Sportler mit überdurchschnittlicher Motivation zu Bewegung haben. Erzählt er später, als wir den Briten wieder vorsichtig einparken. Die Nase des R mag keine Bordsteine und die Türen brauchen ein wenig Auslauf, weshalb man diesen Jaguar mit ein wenig mehr Abstand zum Nachbarn parkieren sollte.

Zwischen dem morgendlichen Weckruf und dem Mittagspausen-Plausch liegen ein paar Stunden Auslauf auf der Autobahn, ein paar Kilometer Landstrasse und dem Gewirr mitten in Hamburg. Ampel-Hopping plus Spurwechsel plus zwei oder drei Gasstösse für ein paar Jungs, die gerade aus der Schule kommen oder die gerade Blau machen. Ferris war nicht dabei, aber das mit dem Daumen in Höhe war doch nett und der Jaguar spricht auch im Stand Klartext.

Fahrbericht Jaguar F-Type R Coupé - Foto: Jaguar
Fahrbericht Jaguar F-Type R Coupé – Foto: Jaguar

Als der F-Type vor drei Jahren das Licht der Öffentlichkeit erblickte, war es für einen kurzen Moment recht still. Blätter krachten von den Ästen auf den Asphalt. Whow. Die Nase, der Hintern und dazwischen eine Zelle für Zwei. Volle Konzentration auf die wesentlichen Dinge des Autofahrens. Ein paar Knöpfe, ein Volant mit Grip, ein Gaspedal plus Schalthebel, den man auch gegen zwei Paddel am Lenkrad eintauschen kann. Fertig. Mehr Fahrfreude plus spürbaren Luxus sucht man lange. Vor allem zu diesem Preis.

Fahrbericht Jaguar F-Type R Coupé: Der mit der Zaubertaste

Die innere Ruhe des F-Type S mit seinem feinen 6-Zylinder haben wir eingetauscht gegen den R mit seinen 550 PS. Mit dem S waren wir in Nordengland unterwegs. Steinmauern vermessen und wellige Landstrassen bügeln. Mit dem R haben wir den die norddeutsche Tiefebene besucht. Auf der Autobahn wurde die 250-km/h-Marke mehrfach überrannt. Mit der notwendigen Professionalität natürlich. Der R kann sowas besonders gut. Er wird dann immer etwas lauter, die Zeigefinger der rechten Hand hatte vorher die Zaubertaste gedrückt, was dem Jaguar viel Freude bereitet. Diese Taste ruft die elektronischen Fangleinen zu besonderer Zurückhaltung. Der V8 ist dann deutlich bissiger, das Fahrwerk geht in den Die Hard Modus, kurz der ganze Jaguar zeigt die Zähne und das verbunden mit einem Schlachtruf, der das Rugby-Team aus Neuseeland in den Defensiv-Modus schicken kann.

Schnell gerade aus kann er. Auf der Landstrasse, den Deich lang und weiter ins Hinterland ist keine Frage des Top Speed. Hier geht es um die Töne dazwischen, die halben und die Viertel. Eine Rennstrecke wäre jetzt fein, ein abgesperrtes Terrain ohne durchgezogene Linie und staatlich finanzierte Fotografen aus Stahlblech. So bleibt nur der Ansatz, die Idee einer sportlichen Fahrerei. Der R, eigentlich der Bad Boy unter der F-Type, kann uns nur im Ansatz zeigen, was in ihm steckt. Das Heck will immer wieder raus, der Kompressor pumpt nun mit aller Macht jedes Kubikmillimeterchen Luft in den Ofen und dort brennt dann ein Höllenfeuer. Es kreischt, faucht und sprotzelt beim Schalten nach unten. Jeder Zentimeter zwischen den Fahrbahnbegrenzungen will genutzt werden, mitten in der Kurve, wenn das Ende gut einsehbar ist, senkt sich der rechte Fuß mit Macht, der V8 nimmt das Kommando „Volle Fahrt voraus“ gerne und zeitnah an.

Fahrbericht Jaguar F-Type R - Foto: Jaguar
Fahrbericht Jaguar F-Type R – Foto: Jaguar

Man wähnt sich in einem Sportler der alten Schule, Mechanik und Kraft Hand in Hand. Aber dieser Jaguar ist eine moderne Konstruktion. Aluminium, Elektronik, Computer-Technik plus Leder, Stahl und Lack. Um die 1.500 Kilo wiegt das Teil, plus Insassen. Die Landstrasse hat Kurven und Geraden. Der R kann das alles wunderbar exakt und sauber. Wie schnell er wirklich ist, kann die Landstrasse nicht aufzeigen. Aber er ist hoch motiviert und er ist ein Sportler mit dem Biss einer Bulldogge, die man mit einem Windhund gekreuzt hat.

Man steht, der Rückspiegel ist so leer wie ein Dorfkino Mittwochs Abends. Der R rennt los, bis hundert vergehen vier Sekunden und ein paar Zerquetschte. Das ist sehr schnell. Was uns dann zu einem anderen Thema führt. Der Alltag.

Ein- und Ausparken, Beladen, Ampel, Stau, Ein- und Aussteigen, Tanken, Anschauen. Das alles ist Alltag und der R kann das alles sehr gut. Wieso auch nicht? Dem R will man aber das alles nicht zumuten. Ganz ehrlich. Den S mit seinem kultivierten V6 und seiner inneren Ruhe will man auch in der Stadt jeden Tag bewegen. Aber der R? 550 PS im asphaltierten Käfig? Beobachtet von Tempolimit-Wächtern? Wir empfehlen den Bilster Berg, Ascari. Die Nordschleife bei Touristenfahrten lieber nicht. Wer will 113.000,00 Euro im Wettstreit mit wilden Zweirädern und Touristenbussen auf einer Berg- und Talbahn erleben?

Was bleibt nach zwei Wochen Jaguar F-Type R Coupé?

Der R als Coupé ist ein hübsches, betörendes Ding. Die lange Haube vorn, der knackige Hintern mit seinen schmalen Leuchten und der Heckscheibe, die uns so sehr an den E erinnert. Ja, Jaguar hat den F-Type mit viel Enthusiasmus und einer gesunden Portion Tradition gezeichnet und gebaut. Der R mit seinen wilden 550 PS ist ein Athlet, ein Sportler, ein Ronaldo der Strasse. Attraktiv und sehr talentiert. Und das ist heute eher selten.

Fahrbericht Jaguar F-Type S Coupé

Ein paar technische Daten (laut Hersteller):

Motor V8 mit Kompressor
Hubraum: 5.000 Liter
Leistung: 405 kW/550 PS bei 6.500 U/min
Drehmoment: 680 Nm bei 3.500 U/min
Antrieb: Allrad
Getriebe: 8-Gang Automatik

Maße:
Länge: 4.470 mm
Breite ohne Spiegel: 1.923 mm
Höhe: 1.308 mm
Radstand: 2.622 mm
Leergewicht: 1.597 kg

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 4.1 Sekunden
Top Speed: 300 km/h

Verbrauch:
kombiniert: 11.3 l/100 km
CO2: 269 g/km

Preis in Deutschland inkl. Steuer: ab 113.200,00 Euro