Vier Zylinder, 300 PS, ein flinkes Stoffdach und neue Augen. Der F-Type der Generation 2020 kommt erstmal wie gewohnt daher, aber ein genauer Blick lohnt sich dann doch. Nicht nur wegen LED.

Den F-Type haben wir in allen Variationen erlebt. Als Basis-Paket mit Vierzylinder, als V6-Sportler und natürlich mit dem zackigen V8 und deutlich mehr als 500 PS. Die Nummer mit dem Kompressor ist schon beachtlich. Das große R als Markenzeichen.

Und nun fällt erstmal etwas weg. Der V6 als Mittelweg, als Alternative zu Basis oder Big Business ist raus. Vier oder Acht. Wir fuhren den P300, also 300 PS, zwei Liter Hubraum und das Zylinderquartett. 69.000 Euro werden fällig, mindestens.

Wir zählen mal ein paar Unterscheide zum Model 2017 auf:

Monitor Mittelkonsole vergrössert
Frontleuchten: schmaler und weiter zum Radlauf gezogen
Luftöffnungen auf der Motorhaube weiter vorn und breiter
Lüftungsöffnungen unter den Frontleuchten größer und weiter nach aussen gezogen
Rückleuchten: das runde Bremslicht ist nun rechteckig
Kennzeichen-Fläche: die Stege links und rechts laufen nun nicht mehr gerade, sondern schräg von unten nach oben

Hier ein paar Fotos zum Vergleich:
F-Type Roadster 2017

F-Type Roadster 2020

Unser P300 mit Stoffdach ist also der Start-F-Type. Mit frischem Hintern, dynamisch wirkender Nase und dem bewährten Instrumenten-System. Der Wahlhebel ist noch immer ein feiner Handschmeichler, die auf den ersten Blick puristisch anmutende Mittelkonsole hat nun einen grösseren Bildschirm, was nicht nur nützlich, sondern auch optisch ansprechender ist. Überhaupt ist das Thema Ästhetik im F-Type hoch relevant. Aussen sind es LED-Skulpturen, vor allem am Heck und im Inneren werden Monitore immer größer, vor allem breiter, bis sie irgendwann die komplette Tafel von links nach rechts beherrschen. Von diesem Szenario ist der F-Type noch recht weit entfernt, es geht um Emotionalität, um Haptik, um Akustik und natürlich um die Frage wieviel Freude man am Steuer dieses Jaguar erleben kann. Der Blick auf eine Kinoleinwand an Bord eines Autos ist derzeit eher das Ding des klassischen Tesla-Kopierers.

Fahrbericht Jaguar F-Type P300 Roadster – Purismus mit Charme

Wir setzen uns rein und kennen uns aus. Das Prinzip der britischen Roadster-Tradition ist immer noch erkennbar. Ein wenig eng, ein wenig pur und alles scheint british-racing-green, selbst wenn das Leder braun, weiß oder wie auch immer gefärbt ist. Startknopf drücken, der Vierzylinder kommt eher leise in Fahrt, Wahlhebel nach hinten, der Zweisitzer rollt los und der Frühling erklärt uns, dass wir dieses kleine, schwarze Dach endlich öffnen sollen. Also den kleinen Hebel, rechts hintern auf der Mittelkonsole ziehen, bis das Verdeck hinter den Köpfen verschwunden ist, Scheiben runter, noch mal los und bevor uns die Taube über uns ihre Verdauungsreste auf den Kopf wirft, ein wenig mehr Gas. In Hamburg warten unzählige Ampeln und dann ein paar feine Landstraßen. Auf das der Roadster seinen Zauber entfalten kann. Vier Zylinder sollen angeblich vollkommen ausreichen. Wir werden sehen und hören.

Berufsverkehr, die Testfahrt wird eine kurze Nummer. Stay at home, die Devise ist der beste Schutz. Deshalb einmal um den Block, wobei der Block von Hamburg in Richtung Lüneburg und wieder zurück reicht. Die Autobahn plus Zufahrt ist nahezu leer. Ein paar Toilettenpapier-Transporter mit bewaffneter Eskorte. Der 300-PS-Benziner holt Luft, per Paddel bei Tempo 75 in den Dritten, dann Gas, noch mehr Gas. Kein Limit auf den Schildern, das Doppellagige verschwindet im Rückspiegel und der zentrale Abgasauslass kümmert sich um Sound. Natürlich ist da kein Mucks in Richtung Krawall, er das verhaltene Brummen plus die Ansage, dass man in einem Sportwagen sitzt. Also ein wenig british-unterkühlt. Oder anders ausgedrückt, er brummt in einer höheren Tonlage, es klingt sportlich und weniger nach fleissiger Hummel auf dem Weg zur Arbeit.

Getriebe, Fahrwerk, Bremsen und Reifen passen gut zueinander. Der junge Jaguar ist kein Fluchtwagen mit Hollywood-Allüren. Er ist neutral ausgelegt, längs- und querdynamische Extravakanzen sind seine Sache nicht. Wir haben das mal ausprobiert und ihn ausgangs einer recht engen und langsamen Kurve nach vorn gehetzt. Er rennt natürlich los und hebt ein wenig das stolze Haupt, aber er hat seinen Hintern schon gut im Griff. Vielleicht wäre das auch zu ordinär, vulgär oder pubertär. Er bleibt brav in der Spur. Und vermutlich will man bei Jaguar diese Manöver dann doch den stärkeren Modellen vorenthalten. Nennen wir diese Charakterausprägung mal zivilisiert. Andere mögen sie anders nennen.

Wir spielen noch mal den City-Cruiser und freuen uns über Blau von oben, frühlingshaftes Lüftchen von links und rechts. Die recht tief in den Innenraum laufende Frontscheibe passt auf die Frisur auf und der kleine, zwischen den Überroll-Bügeln gespannte Windschutz ein wenig mehr als eine optische Geste. Er ist Teil des Wind-Orga-Teams.

Wir steigen wieder aus und erinnern uns an die Arbeit des Navis, einst eine bekannte Schwäche der Jaguar- und Land Rover Familie. Mit dem jungen F-Type scheint ein neuer Orientierungs-Scheriff in der Stadt. Der Monitor füllt sich sehr schnell mit Karte, Infos und er wechselt auch sehr schnell die Ansicht. Man kann die Navigation ruckzuck ausschalten, die Kopplung des Smartphons ist ein Klacks und über die gesamte Steuerung aller Systeme und Einstellung kann man beim besten Willen nicht meckern.

Meckern wollen wir über den Preis. Knapp 71.000 Euro für diesen feinen Briten ist eine Ansage. Vor etlichen Jahren, als der F-Type aus dem Kreissaal von Jaguar in die Welt getragen wurde, sprach man von einer Zielübung. Man wolle schon das Thema Porsche in den Mund nehmen. Irgendwo zwischen Cayman und 911 solle man sich sehen. Deshalb auch der Preis. Und heute. Der „kleine“ 911 kostet um 106.000 Euro, der 300-PS Boxter, mit vier Zylindern, Mittelmotor und weniger Sekunden bis 100 km/h wird ab 57.530 Euro angeboten. Die Differenz: 13.670 Euro.

Fotos: Ralf Bernert / Jaguar

Fahrbericht Jaguar XF 30d
Fahrbericht Jaguar i-Pace
Fahrbericht Jaguar E-Pace

Die technischen Daten laut Hersteller:

F-Type P300 Roadster
Motor: 4-Zylinder Reihe Twinturbo
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 221 kW / 300 PS
Drehmoment: 400 Nm bei 1.500 bis 4.500 U/min
Getriebe: 8-Gang Automatik
Antrieb: Hinterräder
Leergewicht: 1.520 Kg
Tank: 63 l

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 5,7 s
Top Speed: 250 km/h elektronisch abgeregelt

Verbrauch und CO2:
kombiniert: 7,2 l/100 km
CO2: 163 g/km

Preis in Deutschland: ab 71.200,00 Euro