Fahrbericht Jaguar F-Type 2018: Mit dem Schwung der Jugend

Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - F-Type 400 Sport Coupé Foto: Ralf Bernert
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 – F-Type 400 Sport Coupé Foto: Ralf Bernert

Der 400 ist ein spezieller F-Type. Eine Sonderserie, die man nur in diesem Jahr ordern kann. Dass dieser F-Type eine Menge Freude bereiten kann, haben wir dort erlebt, wo man Dolce Vita noch sehr groß schreiben kann. In Bella Italia.

Den Anfang macht Malpensa. Jener Flughafen bei Mailand, den man die Tür zu Oliven-Hainen und von Zypressen eingerahmten Auffahrten. Ein paar hundert Meter vom Flughafen entfernt wartet die britische Antwort auf die Frage, wie man Italiens wunderbare Chianti-Region besonders aufregend und dynamisch erkunden kann. Der neue Jaguar F-Type 400 Sport plus seine Kollegen.

Ein paar Fakten zur Einstimmung. Der 400 Sport ist mit einem V6 Kompressor-Motor unterwegs. Er leistet 400 PS, die aus 3,0 Liter Hubraum geschöpft werden. Geschaltet wird über ein sehr schnelles 8-Gang-Automatikgetriebe und er kostet als Coupé in Deutschland mindestens 99.350,00 Euro. Man kann den 400 Sport auch als Cabriolet ordern, dann stehen mindestens 106.350,00 Euro auf der Rechnung.

Wir sind beide Varianten gefahren. Zuerst das Coupé. Die Villa Malpensa, ein Refugium der Vier-Sterne-Kategorie, kann als Einstimmung der nächsten drei Tage als überaus erfolgreich bewertet werden. Die Testwagen stehen vor dem Hotel, der Kies unter den Rädern passt wunderbar zum Bild. Einsteigen, Sitze einstellen, Gurt anlegen und Richtung Brescia aufbrechen. Dort wird in wenigen Stunden die Mille Miglia Storico ihren Anfang nehmen. Etliche Jaguare sind am Start, auch der legendäre D-Type. Jener Jaguar, der die 24-Stunden von Le Mans gewinnen konnte und der bei der Mille, als sie noch ein Strassenrennen war, überaus erfolgreich unterwegs war.

Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Jaguar D-Type Foto: Jaguar
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 – Jaguar D-Type Foto: Jaguar

Bis sind rund 140 Kilometer zu fahren und der 400 Sport darf gleich zeigen, was in ihm steckt. Eine kleine Landstrasse, kaum breiter als eine Brieftasche und mit sehr vielen Kurven versehen, kommt uns gerade recht. Der Zweisitzer aus England darf die ersten Kilometer als Aufwärmübung sehen, die Pirelli P Zero und die Bremsen, noch zu kalt für einen Ritt, brauchen ein wenig Zeit. Und dann spürt man recht deutlich, dass das Thema Traktion, Leistung, Balance und Präzision der Technik zur Verfügung stehen.

Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 – Es brüllt, es röhrt, es sprotzelt

Die ersten Kurven werden im Stürmchen erobert, die Nase des F-Type taucht ein, aber nur wenig, das Bremspedal spürt Druck von oben, die Lenkung arbeitet sehr sauber und der Brite zieht sich ab dem Scheitelpunkt exakt und mit dem für ihn üblichen Fauchen aus der Biegung. Dann folgt diese unnachahmliche Stimme des Erfolges. Der Jaguar schreit seine Freude ob des Vergnügens dieser Fahrweise hinaus in die Landschaft. Es brüllt, es röhrt und es sprotzelt. Nennen wir es einen Freudengesang und vorher einen Freudentanz.

Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Foto: Lena Villgalis für Jaguar
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 – Foto: Lena Villgalis für Jaguar

In Brescia, ein Strassencafé, viele Menschen am Rand, es ist 14.30 Uhr und der erste Gladiator der Mille biegt ums Eck. Der Tradition folgend ein OM 665 Sport Superba, exakt jenes Model siegte 1927. Dann folgen etliche weitere OM, der erste Brite, ein Bentley 3 Litre und dann rollt der D-Type vor die Kameras. Die Finne als Symbol des Motorsports der 50er Jahre. Dreimal hintereinander siegte dieser Supersportler in Le Mans. Und nun nimmt er die 1.000 Meilen unter die Räder.

Wir besteigen die Zukunft. Der F-Type 400 Sport, als Teil der F-Type-Familie, deren Generation 2018 behutsam optimiert wurde. Die Frontleuchten sind nun mit LED-Technik versehen, die Lufteinlässe wurden verändert. Das war´s. Die Schokoladenseite des Zweisitzers, das Heck, bleibt unverändert, die Kundschaft wird sich freuen, unsere Kamera ist ebenfalls begeistert. Das nächste Ziel, Verona, liegt 195 Kilometer entfernt. Wieder Landstrassen, dazwischen ein wenig Autobahn, wieder der Kurvenswing. Wieder Traktion total, die Pirellis haften am Asphalt wie der beste Stalker am Hollywood-Star. Der V6 singt sein Lied, vor allem, wenn man ihm Drehzahlen gönnt, das Getriebe sortiert in bester Manier. Schnell, sauber und per Schaltpaddel, die fest am Volant montiert wurden. Auf der Mittelkonsole sitzt der bekannte „Sound“-Schalter. Für Ortsdurchfahrten, Nachbarn und die kleine Ruhepause zwischendurch.

So langsam findet man zusammen. Die Sitze, die Knöpfe und Hebel. Der grosse Monitor in der Mittelkonsole liefert Daten, Landkarten und die sind bei, sagen wir zügiger Landstrassen-Fahrt sehr nützlich. Man zoomt ein wenig in die Karte und die Strasse zeigt ihr Gesicht. Was jetzt noch fehlt wäre eine Ansicht des aktuellen Gegenverkehrs, inklusive Radfahrer. Wir haben einen Range Rover mit satten 550 PS vor uns und der spricht per Funk über die Lage. Wir swingen weiter. Rein, raus, jede Gerade mit einem Konzert aus den Endrohren begleitet. Der Motor liefert sauber und der Allradantrieb plus Traktionskontrolle plus P Zero verwandeln den F-Type in einen neutralen Sportwagen, der um nichts in der Welt das Heck auch nur einen Millimeter aus der Fassung bringt. Das mag für vor allem junge Menschen nach Ödnis und Anti-Spaß klingen, aber der Jaguar will vor allem schnell sein.

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Wir brauchen Sonnencreme. Das Coupé hat uns nach Verona gebracht, nun ist das Cabrio, wir nennen ihn lieber Roadster, an der Reihe. Ein paar Sekunden und das Dach verschwindet unter dem Deckel hinter uns. Der Vorteil: Wir lieben Tunnel und Tunnel-Sound. Ein paar davon füllen wir mit Leben oder besser mit V6-Kompressor-Leben. Es röhrt, es faucht und es sprotzelt. Schon wieder, aber diesmal life und in Farbe. Auf der Strecke wieder das gleiche Bild. Der offene F-Type rennt durch die Kurven, die Technik unter der Hülle arbeitet exakt und schnell. Dass der Wagen rund 1.600 Kilo wiegt mag man als Nachteil ansehen. Zum Vergleich, der D-Type war in den 50ern mit 864 Kilo unterwegs.

Immer wieder kreuzen wir die Mille Miglia oder deren Begleiter. Mittlerweile sind 450 Teilnehmer-Fahrzeuge dabei, früher waren es maximal 375. Plus Begleitfahrzeuge und Fans in ihren modernen Sportwagen kommt da eine Armada von locker 1.200 Autos zusammen. Die Polizei sperrt und lenkt, es wird am Strassenrand gejubelt, gefilmt und gepostet was das Zeug hält. Wie gesagt, wir kreuzen und sparen uns den Stress.

Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Foto: Lena Villgalis für Jaguar
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 – Foto: Lena Villgalis für Jaguar

Tag 2, Verona – Siena. 331 Kilometer. Der 400 Sport wurde eingetauscht gegen den Hitzkopf der Familie. Den F-Type SVR. 557 PS, mehr Leistung geht nicht und der Sound aus den Endrohren kann Zahnplomben ziehen. Das Fahrwerk noch härter, noch spitzer. Und die Fahrt könnte noch wilder werden, aber wir sind auf der sicheren Seite unterwegs, was bedeutet, dass wir uns, streng wie ein deutscher Finanzbeamter, an die Regeln halten. Und trotzdem. Aus dem Stand mal eben die 90 km/h anpeilen, den Fuß nach unten drücken und diesen unglaublichen Druck plus Musik anhören. Erhebend.

Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 – Wie Watte nach oben und unten

Noch ein Wechsel. Der F-Type mit Heckantrieb und 380 PS steht bereit. Auf dem Papier der Benjamin, auf der Strasse keinen Deut schwächer. Der Biss sitzt, die Lenkung präzise, auch er ein neutraler Bruder, kein Heckausbruch. Man müsste auf einen Parkplatz und den Hintern zu seinem Glück zwingen. Auf öffentlichen Strassen macht das keinen Sinn. Der Sound ein wenig ruhiger, überhaupt Ruhe. Auch der SVR läßt sich im Galama-Modus bewegen. Durch Ortschaften rollen, den Fuß anheben und oben lassen. Auch das geht ohne Mühe. Fahrwerk und Getriebe im Komfortmodus, der Automat schaltet wie Watte nach oben und unten.

Wir übernachten im Hotel Borgo Scopeto Relais, einem Hotel inmitten schönster Natur. Das Gebäude uralt, verwinkelt, mit einem erstklassigen Restaurant gesegnet und dann ist da noch die Aussicht auf die Hügellandschaft von der man sich nur lösen kann, wenn man in einem Roadster sitzt und den Fahrwind auf der Nase spürt.

Tag 3, zurück nach Mailand. 486 Kilometer, die meisten auf der Autobahn. Vorher 20 und 60 Kilometer, dazwischen ein kurzer Halt im Castello de Meleto. Ein Gemäuer das es in sich hat. Ein uraltes, unrestauriertes Theater, Olivenbäume plus einem Olivenöl, das man trinken sollte bevor man es in die Pfanne oder die Salatschüssel gibt. Dazu ein Stück Historie. Die Etrusker waren lange vor den Römern hier, das Castello mit Turm als Schutz vor einem sehr, sehr langen Krieg und nun die Gäste aus aller Welt. Ein Hotel aus dem man hinaus schaut, auf Hügel, Bäume und aus dem man die Nase hält und den Duft aus dem Kräutergarten einsaugt wie eine sehr gesunde Droge.

Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Foto: Lena Villgalis für Jaguar
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 – Foto: Lena Villgalis für Jaguar

Und dann die Autobahn. Rund 420 Kilometer. Der Jaguar, wir sitzen wieder im 400 Sport, rollt über das Asphaltband, das an unsere Autobahn erinnert. Löcher, Risse, Unebenheiten. Zum Glück ist der Brite auch auf diesem Parket gut unterwegs, sauber gedämmt, gut gefedert und das ist dann ja noch die Online-Vernetzung. Musik aus aller Herren Länder oder aus dem eigenen Smartphone. Die Anlage wetteifert mit dem Sound des Motors und der Abgasanlage und sie gewinnt.

Zum Abschluss noch ein paar Infos zum neuen F-Type. Der Sport 400, ob als Coupé oder Cabrio ist nur für ein Jahr bestellbar. Man sollte also schnell mit dem nächsten Dealer sprechen. Ab sofort ist auch ein 2.0 Liter Vierzylinder-Motor mit Turbolader bestellbar. Der Preis: ab 57.200,00 Euro. Und nur zur Info: Jaguar wird in diesem August wieder beim Oldtimer Grand Prix am Nürburgring zu Gast sein. Mit allen neuen Modellen und reichlich Historie im Gepäck.

Fotos: Ralf Bernert / Lena Villgalis für Jaguar
Video: Jaguar

Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model XJR - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model XJR - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model XJR - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model XJR - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model XJR - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model XJR - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model XJR - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model XJR - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model XJR - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model XJR - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model 400 Sport Cabrio - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model 400 Sport Cabrio - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model 400 Sport Cabrio - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model 400 Sport Cabrio - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model 400 Sport Cabrio - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model 400 Sport Cabrio - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model 400 Sport Cabrio - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model 400 Sport Cabrio - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model 400 Sport Cabrio - Fotos: Lena Villgalis
Fahrbericht Jaguar F-Type 2018 - Model 400 Sport Cabrio - Fotos: Lena Villgalis

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Die technischen Daten laut Hersteller:

F-Type Coupé Turbo
Motor: 4-Zylinder Reihe Twinturbo
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 221 kW / 300 PS bei 5.500 U/min
Drehmoment: 400 Nm bei 1.500 bis 4.500 U/min
Getriebe: 8-Gang Automatik
Antrieb: Hinterräder
Leergewicht: 1.525 bis 1.545 kg
Tank: 63 l

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 5,7 s
Top Speed: 250 km/h elektronisch abgeregelt

Verbrauch und CO2:
kombiniert: 7,2 l/100 km
CO2: 163 g/km

Preis in Deutschland: ab 57.200,00 Euro

F-Type Coupé 400 Sport
Motor: V6-Zylinder Kompressor
Hubraum: 2.995 ccm
Leistung: 294 kW / 400 PS bei 6.500 U/min
Drehmoment: 460 Nm bei 3.500 bis 5.000 U/min
Getriebe: 8-Gang Automatik
Antrieb: Allrad
Leergewicht: 1.594 bis 1.694 kg
Tank: 70 l

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 4,9 s
Top Speed: 275 km/h

Verbrauch und CO2:
kombiniert: 8,6 l/100 km
CO2: 203 g/km

Preis in Deutschland: ab 99.350,00 Euro