Wer hat jetzt mehr Bammel? Die Besatzung des Raptor oder die Düne davor? Fest steht, der Raptor stürzt sich auf den Sandhügel und der Sandhügel überlebt den Sturm. Und der blaue Ford schüttelt sich kurz. Soweit ein kleiner Teaser über eine recht wilde Testfahrt.

Foto: Ford

Manche schreiben, dass dem Raptor die Leistung fehle. 213 PS sei zu dünn, zumindest im Vergleich mit anderen Pickups der Premium-Klasse. Nach zwei, sehr intensiven Testtagen in Marokko, können wir ohne Unter- oder Übertreibung melden: Das ist ein Unsinn. Gelände-Kenner wissen, dass Kompetenz des Fahrers niemals durch Motorleistung ersetzt werden kann. Auch wenn ein J. Clarkson im TV mit reichlich Wucht durch den Urwald pflügt, er bleibt meist dann stecken, wenn die Kamera gerade nicht hinschaut.

Im Falle des Raptor, können wir aus eigener Erfahrung mitteilen: Die 213 PS reichen aus, auch deshalb, weil 500 Newtonmeter Drehmoment weitaus wichtiger sind und die Besatzung ein offenes Auge für Sand, Stein und deren Zustand hat.

Fahrbericht Ford Ranger Raptor – Er ist ein Pickup und ein harter Hund

Unter dem Kleid steckt ein Rahmen, verstärkt und steif wie ein Brett aus Stahl. Und da sind Fahrwerksteile, vor allem die Federn, welche vom Gelände-Sport-Profi Fox Pro angepasst und eingebaut wurden. Und damit sind wir schon bei einem Talent des Raptor. Er kann einstecken, richtig einstecken. Was wir mit dem Wagen in den Dünen gemacht haben, grenzt locker an Sachbeschädigung, besser an versuchter Sachbeschädigung. Jeder Besitzer eines „Premium-Pickup“ einer Wettbewerbs-Marke wäre zuerst in Tränen und dann in Wutausfälle ausgebrochen. „Was macht Ihr mit meinem neuen 60.000-Euro Pickup? Seit Ihr blöd?“ Der Raptor schüttel sich kurz und nimmt Anlauf auf die nächste Anhöhe. Ein paar Kilometer vorher, eine Buckelpiste, gespickt mit Steinen oder kleinen Felsen.

Der Wagen hebt x-mal aus, die Besatzung lernt Haltegriffe lieben und Rucksäcke fest verstauen. Es rumpelt, es dröhnt, der Diesel arbeitet fleissig und die vier Räder, mit einem Profil gesegnet, das in jedem Adventure-Game der Hit wäre, greifen beherzt zu. Der Ford wühlt sich durch die Gemarkung und nur einmal bleibt er stecken. Weil dem Fahrer plus Co-Pilot die Streckenkenntnis ausgegangen war. Man hätte Anlauf nehmen müssen, aber hinter der Biegung lauerten ein paar Milliarden Sandkörner und das in einer kaum sichtbaren Steigung. Das war zu viel, oder besser, zu wenig. Zu wenig Speed, der Wagen steht und will nicht weiter nach vorn. Also 50 Meter retour, Anlauf nehmen, passt.

Foto: Ford
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Eine Oase am Meer, vorab Sandkasten-Spielchen. Allrad plus Differenzial, der Wagen stürzt sich in den trockenen, losen Sand. Hinten fliegen die Sandkörner raus, als hätte der Wagen Durchfall. Die Spezial-Goodrich-Reifen wühlen im Sand, sie greifen, sie werfen und der Blaue rennt durch die Sandhügel, als hätte er Spaß dabei. Die Besatzung freut sich wie ein Schnitzel ob der seltenen Gelegenheit eines Geländeausfluges. Dass der Raptor ein Widerstandskämpfer ist, haben wir mit Nachdruck erlebt. Die robuste Gesinnung des in Australien entwickelten Ford ist keine Show, wie man beim Anblick der Nase meinen könnte. Das Teil ist ein harter Hund.

Im Innenraum lernen wir, dass harte Hunde auch bequem sein können. Die Bestuhlung ist mit gutem Leder sauber ausgestattet, man sitzt bequem und im Falle einer Dünenüberquerung, sind ausreichend Angstgriffe vorhanden. Der Monitor liefert gut sichtbar, all´ jene Infos, die man bracht. Das Navi ist schnell und sehr genau. Der Sound füllt die Kabine mit sauberen Tönen und was uns besonders gefällt, ist die schnelle und unkomplizierte Anbindung des Smartphones an die Technik des Wagens.

Und dann sind da noch die asphaltierten Wege. Jene Umgebung, die der Raptor in unseren Gefilden meistens unter die Räder nehmen wird. Dort ist der Ford ein routinierter Wagen, seine Federung nimmt kleine aber lästige Wellen und Senken mit dem Zwinkern einer Mittelklasse-Limousine. Man sitzt hoch, hat den Überblick und die einzige Hürde, die der Pickup mit Mühe zu meistern hat, sind Parkhäuser und deren Wege. Bei einer Länge, die man sonst nur bei den grossen Jungs aus der Luxus-Liga gewohnt ist, ist das auch kein Wunder.

Ford teilte uns auf Nachfrage mit, dass in diesem Jahr wohl um 500 Exemplare des Raptor bei den Händlern zu ordern sei. In der Folge rechne man mit rund 1.000 Bestellungen pro Jahr, was dann auch ab 2020 realisierbar ist.

Fotos: Ford

Die technischen Daten (laut Hersteller):

Motor: 4 Zylinder BiTurbo Diesel
Hubraum: 1.996 ccm
Leistung: 157 kW / 213 PS bei 3.750 U/min
Drehmoment: 500 Nm bei 1.750 bis 2.000 U/min
Getriebe: 10-Gang Automatik
Antrieb: Allrad

Maße:
Länge: 5.374 mm
Breite (ohne Spiegel): 2.180 mm (2.028 mm)
Höhe: 1.873 mm
Radstand: 3.220 mm
Überhänge vorn/hinten: 908 mm / 1.264 mm
Wendekreis: 11,60 m
Leergewicht: 2.510 kg
maximale Anhängerlast: 2.500 kg
Tank: 80 l

Offroad:
Böschungswinkel vorn/hinten: 24 / 27 Grad
Rampenwinkel: 25/24 Grad
Wattiefe: 850 mm
Bodenfreiheit: 283 mm

Fahrleistungen:
0-100 km/h: 10,5 s
Top Speed: 170 km/h

Verbrauch / CO2:
Verbrauch kombiniert nach WLTP: 8,9 l/100 km
CO2 nach WLTP: 233 g/km

Preis in Deutschland ab: 66.771,00 Euro