Exclusive-Life

driven by exception

Der Mustang Mach-E tritt das Erbe des Mustang an und wir werden herausfinden, wieviel Mustang nun im Mustang steckt und ob das Flüster-Pferdchen nicht nur leise sondern auch zackig unterwegs sein kann. Sieben Tage Mach-E.

Sie haben uns den Mach-E mit dem 400-Kilometer-Akku gebracht. Mit Allradantrieb, 269 PS und einer kleinen Karte, mit der man an den Säulen von IONITY den Saft des Lebens zapfen kann. Dank Schnellladefunktion im Ford geht das recht schnell, bei 90 kW-Speed stehen wir gut 40 Minuten bis der Stromtank zu 80 Prozent gefüllt ist und das langt dann wieder für 320 Kilometer Strecke.Zwischen den Mahlzeiten erfreut uns der prächtige Amerikaner mit einer Mischung aus Komfort, HighTech und Nostalgie. Allein der Name spricht eine klare Sprache. Der Mustang Mach 1 aus den Siebzigern kreuzt in unserem Gedächtnis auf, als sehr kräftig motorisierte Ikone. Aus der 1 wurde das große E, für Electric und vielleicht auch für Evolution. Jedenfalls haben wir uns mit dem großen Ford recht gut amüsiert, auch deshalb, weil der Wagen recht viel zu bieten hat und damit meinen wir nicht zwangsläufig das Thema Highspeed oder Sound.


Fangen wir mal den üblichen Fragen an. Wie schnell? Wir lasen 187 km/h auf dem Monitor, die A1 Richtung Bremen ist fast leer, kein Vertreter im Turbo Chip-getunten Diesel mit Ziegelstein auf dem Gaspedal hinter uns. Der Ford läuft, nicht sehr laut und die Unebenheiten der Straße werden doch sehr gut unter den Fahrwerksteppich gekehrt.

Fahrbericht Ford Mustang Mach-E – Das Ponycar mit Frunk


Die Ingenieure bei Ford Europa in Köln haben uns vorab erklärt, dass man den Mach-E schon sehr ehrgeizig auf unsere sehr spezielle Fahrweise vorbereitet hat. Besonders die Autobahn als Revier für den elektrischen Mustang bietet reichlich Gelegenheit für ausgiebige Begegnungen mit Dellen, Löchern und sonstigen Alterserscheinungen schlecht gepflegter Strassen. Und das Thema Tempo begleitet uns dann doch eine Weile. Ein paar Menschen auf der Mittelspur schauen uns ein wenig verwundert nach, dann sehen sie vermutlich das rennende Pferd zwischen den Mustang-Rückleuchten, identifizieren es als Mustang und fragen sich, seit wann es denn vom Pony-Car eine SUV-Variante gibt.


Wir beobachten die Reichweitenanzeige, die Zahl wird kleiner, der Physik und ihrer Natur folgend. Mehr Masse und mehr Geschwindigkeit bedeutet: Mehr Energieverbrauch. Logisch. Bei 180 ist dann die Lagerhaltung elektrischer Energie kein großes Thema mehr, es schmilzt die Zahl mit jedem Schritt, die unsere springende Sekunde auf der Uhr vollbringt. Beim Benziner oder Diesel oder Hybrid sieht das nicht anders aus. Die Physik kennt keine Ausnahmen, es sei denn Superman ist unterwegs.

Im Datenblatt steht 2,2 Tonnen Leergewicht, die Akkus sitzen unter uns, also mittig und schön weit unten. Dem Schwerpunkt tut das gut und das Fahrverhalten ist entsprechend sauber und einer sportlichen Fahrweise zuträglich. Wir probieren das aus, lassen den Ami in Kurven laufen, bremsen ihn ein, am Scheitelpunkt dann das Drehmoment aus dem Nichts für den Sprint auf die Gerade. Das klappt, natürlich ist der Mach-E kein Mach 1, aber das grosse E rennt ordentlich nach vorn und das Thema Traktion hat der Fünfsitzer auch gut im Griff.

Im Stadtverkehr, dem Revier, das dem Thema Rekuperation soviel Futter liefert, ist unser Testwagen dank seines Status als Rarität ein oft und gern fotografiertes Modell. Die Energierückgewinnung ist nicht die große Stärke des Ford, wir kennen da bessere Lösungen, die mehrere Stufen der Rekuperationsrate anbieten. Vermutlich werden die Entwickler in Dearborn bald nachbessern. Noch ein Punkt, den man ansprechen kann: Der Name. Was auf den ersten Blick nach gutem Marketing aussieht, entpuppt sich nach einigen Gesprächen mit Passanten am Straßenrand als Zwickmühle, weil einige denken, sie stehen vor dem SUV mit Verbrenner und andere meinen, dass es nur einen Mustang geben kann und der ist halt ein Sportler mit V8 und fünf Liter Hubraum.

Ein Schlußstrich am Ende der Woche. Wir waren etliche hundert Kilometer unterwegs, haben viermal geladen, sind die A7 mit Vollgas Richtung Bremen und wieder zurück geheizt. Haben an der Ladestation geduldig gewartet. Im Parkhaus haben wir uns ein klein wenig über den doch recht großen Wendekreis geärgert, an den Ampeln in Hamburg hat uns das feine Panoramadach den sehr grauen Himmel der Hansestadt gezeigt und bei zwei Grad haben wir uns über die schnelle und wirkungsvolle Sitz- und Lenkradheizung gefreut. Der Mach-E ist Ford´s erstes Serien-Elektroauto und es ist gelungen. Inklusive der obligatorischen App, der Navigation, die uns treffsicher an die Futterstellen geleitet hat, der sehr genauen Reichweitenangabe und dem Sound per Generator, den die Ingenieure so akribisch komponiert haben. Uns gefällt auch, dass sie dem Mach-E ein Blechkleid geschneidert haben, dass dem Namen Mustang sehr gut steht und wir sind von der Fahrleistung des Mach-E positiv überrascht, weil er schnell, sehr schnell sein kann aber nicht muss.

Noch ein paar Infos über die derzeit lieferbaren Versionen des Mach-E. Man kann zwischen Hinterrad- und Allradantrieb wählen. Es stehen zwei Akku-Versionen zur Auswahl: 68 kW für rund 400 Kilometer Reichweite und 269 PS Leistung oder 88 kW für gut 600 Kilometer mit 290 PS. Die Preise in Deutschland: ab 46.900,00 Euro.


Fotos: Ford / Ralf Bernert