Fahrbericht BMW Z8: Im Schrank mit Aussicht

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert

Allein mit einem roten Z8, mitten in Hamburg. Im Oktober. Wenn man Autos dieses Kalibers wie ein Sommerjackett in den Schrank hängt. Vorher eine Folie drüber, wegen der Motten und gegen den Staub. Und? Keine Folie, kein Schrank. Dafür Seeluft und Möwen.

Zwischen den marineblauen Zweireihern mit Goldknöpfen sieht der Z8 aus wie ein Farbfoto im Stummfilm. Eine rote Blume auf vier sehr kurzen Stielen. Ein schwarzer Tupfer oben auf der Blüte und lupft man den Tupfer füllt sich die Nase mit der vollen Ladung Sommer. Unerbittlich, gnadenlos. Der Z8 ist ein Profi, ein Emotions-Profi.

Ein BMW Z8, schön wie Ornella Muti

Lange liegt der Schlüssel nicht auf dem Schreibtisch, andere Schlüssel sind da ruhiger, stiller und genügsamer. Der Doppelbart mit Anhänger liegt auf der Glasscheibe und vibriert in aller Ruhe. Man merkt es nicht, man hört es nicht, aber es ist da. Diese Spannung, wie ein Geschenk, das der Paketbote eben abgegeben hat und das nun in der Diele liegt. Zwischen Haustürschlüssel und Regenschirmen. Die kleine Schleife in rot um das Papier zuckt und man spürt es sogar wenn man im Keller nach dem Wein für den Abend sucht. Dieses leise, jedes andere Geräusch übertönende „mach´ schon“ ist eine Gemeinheit, weil man eigentlich etwas anderes vorhat. Und dann kommt auch noch die Sonne raus und lacht Dich aus oder an, je nach dem.

 

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert

 

Auf alle Fälle steht man dann plötzlich vor der Wohnungstür, der Schlüssel liegt in der linken Hand, keine Ahnung wie der da hinein geraten ist, die Tür öffnet sich, man hat plötzlich Schuhe an und die Jacke hängt auch nicht mehr am Kleiderbügel. Das ist alles sehr wunderlich. Andere Testwagen sind mit ihren Botenstoffen wesentlich sparsamer unterwegs. Die Füße laufen die Treppe hinunter, durch den Innenhof, vorbei am kleinen, schmiedeeisernen Tor, rechts um die Ecke und dann auf der anderen Strassenseite. Wie vor einer Stunde abgestellt, lugt der rote Hintern hervor. Rund, ein klein wenig italienisch. Nicht wie die Loren zu ihren besten Zeiten, eher wie Ornella Muti und natürlich lockt weiter vorn dieser betörende Mund, leicht gespitzt als sollte gleich der Lippenstift den letzten Rest an Zurückhaltung wegmalen. Dazwischen kleine Türen, dann das Verdeck, nur eine kurze, schwarze Mütze, auch wenn das Gestänge darunter durchschimmert wie die Träger einer Last, die man so gerne von ihnen nimmt. Gleich ist es soweit, nur noch den Hintern aufs Leder, den Schlüssel in die Pforte, ein wenig nach rechts drehen, bis es leicht klickt und dann der silberne, kleine Knopf mit den noch kleineren Symbolen, wie Hieroglyphen in einer Pyramide. Den Knopf an der unteren Seite drücken, Dach ab, die obere Kante bedeckt den Kopf wieder. Das dauert ein paar Sekunden, es öffnet sich kein Verlies, keine Behausung für den Stoff. Das Verdeck wird gefaltet und abgelegt, wie eine Akte, die man gleich noch mal braucht. Es könnte ja sein, dass es weiter oben an Feuchtigkeit zunimmt.

Bakelit war gestern – Schoko aus dem Rundinstrument

Überhaupt Knöpfe und Instrumente. Wie im MINI, nur halt feiner, größer, edler und BMWiger. Im Z8 schaut man nach vorn und in die Mitte, dort ruhen die Rundinstrumente. Fein säuberlich in den Lack eingearbeitet oder der Lack wurde um die Instrumente gegossen. Es strahlt, es glänzt und es ist eben nicht dieses Fifties-Feeling aus Stoff, Leder, Holz, Chrom und Bakelit, sondern kühle Symmetrie aus Aluminium gepaart mit einer Hügellandschaft, die sich quer durch den ganzen Wagen zieht, als wäre es eine silberne Wiese im Auenland. In der Mitte, dort wo ein Quartett aus Rundinstrumenten mit dem kunstvollen Lenkrad um die Gunst des Betrachters wetteifert, ist der Schutz vor der blendenden Sonne eher einem Architekt zu verdanken, man denkt gleich an das Sonnendach einer feinen Eisdiele, aus den Öffnungen darunter könnte man Schoko, Vanille, Erdbeere oder Waldmeister löffeln. Ja, schon klar. Es ist Herbst und die Schlagsahne kommt aus der Mittelkonsole.

Der BMW Z8 ist ein Vehikel mein Freund

Der V8 da vorn zuckt schon und die Reisetasche wird sich im Kofferraum wohl fühlen. Und ewig lockt die Strasse, mit Kurven, Steigungen, Bäumen als Publikum und dieser verbindenden Art, wie man sie eigentlich nur von Telefonkabeln kennt. Der Z8 als Vehikel für eine Information: „Unterwegs in einem roten Zweisitzer, bin bald da oder auch nicht.“. Tür zu, Schlüssel rein, ein Fußgänger schaut mal rüber und geht weiter. Nee mein Freund, so nicht.

Damals, anno 2000, der Z8 war blau und stand in der Testwagen-Unterkunft in München. Der erste Testwagen überhaupt und dann gleich so ein Oschi. Mitten durch Bayern, dann nach Italien, Frankreich, Luxemburg, die Eifel und nach Hamburg. Ich wollte der ganzen Welt meinen Testwagen zeigen. Mein Vater, ein Opel Kapitän-Fan, saß den ganzen Nachmittag vor dem Fenster und passte auf den BMW auf. Alle zehn Minuten pirschte er sich durch die Garage an den Wagen ran, für Diebe und Finger-auf-den-Lack-Drücker keine Chance. Ansehen ja, anfassen im Leben nicht. 235.000 Mark und dann so ein Teil. 400 PS und diese Motorhaube. Blaue Bohnen sind schneller aber niemals so elegant unterwegs. Die Mutter stieg in ihr schönstes Kopftuch und lachte den Fahrtwind aus, die Nachbarn wollten nicht so recht, da schon eher die Kinder mit den üblichen, fachmännischen Fragen nach Null bis Hundert oder wie schnell er denn gehe. Damals, anno 2000, sagte man noch „krass“. Heute wird man bei 250 km/h vom Vertreter im Chip-getunten A6 Kombi blöd angehupt. Man geht dann zur Seite und freut sich. Niemand steht auf schnelle Ödnis aber jeder reckt den Daumen, wenn er einen Roadster der Qualität eines Z8 sieht. Sogar in Deutschland erntet man den erhobenen Daumen.

 

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert

14 Jahre nach dem ersten Rendezvous also die rote Tour. Diesmal mit weniger Angst vor Parkhausausfahrten und dem höllischen Verkehr in der Pariser Innenstadt. Der Z8 wird in die Idylle der Nordsee-Region um die Insel Poel bewegt. Zuerst raus aus Hamburg. 25 Grad und das Dach pennt hinter den nicht ganz so schönen Überroll-Dingern zwischen denen ein kleines Netz baumelt, das man als Windschott bezeichnen darf. Es ist nicht attraktiv und lässt sich auch nicht entfernen. Man kann an zwei Reisverschlüssen das komplette Netz nach unten ziehen, dann sieht man besser. Auf der A1 Richtung Lübeck kommt irgendwann das magische „Jetzt-mal-los-„Zeichen, zuerst die beiden Füße im geübten Takt, die Kupplung löst die Zahnräder, aus dem sechsten Gang wird der vierte, der Motor gefällt sich in der Rolle des Kraftpaketes und die Hinterräder treiben den Alu-Body des Zweisitzers mit reichlich viel Wucht nach vorn. Im M5 oder genauer E39S, mit 1795 Kilo reichte die Power des V8 für eine Beschleunigung bis 100 km/h in 5,3 Sekunden, der Z8 mit der gleichen Maschine schafft das in 4,7 Sekunden. Der Schaltheben tanzt zwischen vier und sechs hin und her, jedes Mal wenn der Drehzahlanzeiger wieder in Richtung fünf springt bäumt sich der Vorderwagen auf und der Bayer rennt nach vorn wie ein junger Kerl der einem schönen Mädchen nachrennt. Die Hormone lassen grüßen. Der Z8 ist ein Kerl.

Und dann kommt die Insel. Poel. Klein, ruhig, saftig und von den meisten Urlaubern verlassen. Am Westufer das Hotel „Gutshaus“ mit salziger Seeluft im Gemäuer, einer richtig schicken Auffahrt und ein paar alten Bäumen, die schon hier standen als der 507 seine ersten Meter auf deutschen Strassen machte. Hier auf der Insel wird man den 507 nie gesehen haben, der Z8 dagegen war schon mal hier. Erzählt der Gärtner und rennt gleich dreimal um den Wagen. „Egal von welcher Seite, immer eine Augenweide.“

 

Foto: Ralf Bernert
Foto: Ralf Bernert

 

Am Morgen wird Hochnebel gefegt. Ein paar Radfahrer drehen sich um, im Radio laufen schnelle Lieder, Laub liegt rum und deckt Pflastersteine zu wie eine Patchworkdecke. Bob Seger singt „Roll me away“ bis der dritte Gang wirklich bis zum Ende ausgerockt ist. Auf trockenem Asphalt schiebt der BMW wie ein sehr ambitionierter Sportler, das Heck will immer nach vorn, das DSC hält dagegen, wer es ausschaltet braucht Nerven und eine Strasse mit viel Auslauf. Bäume als Zaungäste sind schlecht. Der 1.660 Kilo Wagen ist kein leichtes Mädchen, man lässt in rollen, aus Kurven mit erhobenem Haupt sprinten und mit Bedacht in Kurven hineinlaufen. Grenzen austesten ist hier falsch, weil nicht der richtige Ort. Lieber dem Takt der Musik folgen, Carly Simon kennt das „You´re so vain“ singt sie und hat recht. Der Z8 verlängert den Sommer, nicht die Fahrbahn.

Und hier informiert man sich, bevor man einen Z8 kauft: www.z8-club.de 

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