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Fahrbericht BMW M3, M4 und M440i Cabriolet – M&M&M


Dreimal das ganz groß M in Aktion erleben. Kurz nur, als besserer Gruß aus der Küche. Aber immerhin, wir haben geschnuppert, probiert, den Gaumen mal auf Touren bringen lassen und wir lernen, dass die M GmbH mit Lust kocht.


Den ersten, allerersten M3, als E30 im internen BMW-Vokabular verzeichnet, haben wir bewegt und alle seine Kinderlein. Damals war die Vier bei BMW noch eine Unbekannte. Vier Türen oder zwei weniger. Ein Saugmotor, für den Drehzahlen das absolute Kraftfutter war und er lief so wunderbar schnell und ungestüm durch die Gegend. Dann kamen die Kids, die Enkel, die Urenkel. Mal sechs, mal acht oder sogar zehn Zylinder und irgendwie war die Formel-1 immer mit dabei. Dann wieder runter mit den Zahlen, bis man nun wieder bei sechs angelangt ist. Der Ur-Motor von BMW als Erinnerung, als Urkunde an der Wand und als Tränchen im Auge. Und jetzt rein in diese Spielkiste mit drei hochpotenten Bayern.


Erst die vier Türen. Die Limousine mit 480 PS, sechs Gängen per Hand geschaltet, ohne Allrad dafür mit diesem knackigen Hintern, der vor Endrohren nur so sprüht. Ganz vorn die Niere, aufrecht, rahmenlos und irgendwie anders, auffällig und nur für Ms gedacht. Einen 340 wird man nur mit der „herkömmlichen“ Niere sehen. BMW will das Label M auch optisch mit Emotionen aufladen. Man hat in München zwei Zielgruppen ausgemacht, „expressiv“ und „elegant“, nennt man das bei BMW. Wobei man aufschreiben muss, dass beiden Zielgruppen eine kräftige Schnittmenge attestiert werden darf. Expressionisten müssen nicht zwangsläufig auf Eleganz verzichten.


Wir fangen mal mit der Eleganz an. Und wir landen fast automatisch beim M4, dem ehemaligen Coupé der 3er Reihe. Und weil wir auch den Expressionist in uns wecken wollen, zünden wir den Reihensechszylinder mit 510 PS, also 30 Pferde mehr als im „normalen“ M4. Unser Exemplar wird mit dem Zusatz „Competition“ angeboten und es ist mit allerlei Technik versehen, die man eher auf einer Rennstrecke als auf öffentlichen Wegen nutzt.


Es geht um eine zehnfach verstellbare Traktionskontrolle, um ein Tool, dass Drifts misst und zählt und natürlich um eine Launchcontrol, die das Coupé wie einen Korken aus der geschüttelten Sektflasche schiessen läßt. Fast so schön, wie in einem E-Auto. Aber mit deutlich mehr akustischem Wums und dem Durchzug, den man nur mit reichlich Drehmoment schaffen kann. Der Allradantrieb tut sein Übriges.


Vor her wurde wir durch einen Handlingskurs geschickt. Kleine, rot-weiß gestreifte Hütchen standen Spalier. Und wir ritten im M4 C wirklich heftig durch die Windungen. Das, was BMW da in sein Spitzen-Coupé eingebaut hat, darf man ohne Übertreibung als extremen Ausdruck einer expressionistischen Haltung bezeichnen. Alles scheint, ist besser, schneller, direkter und doch so komfortabel, wie man es von einem klassischen Coupé erwartet.


Die Bremsen zum Beispiel. Sechs Kolben, anstelle von vier. Sie packen zu, geben Rückmeldung, das Pedal hat den klaren Druckpunkt und zeigt ihn auch her. Die Lenkung, elektromechanisch, mit dem Talent zur klaren Kommunikation. Du lenkst und der Wagen bewegt sich genau da hin. Ganz genau. Die Hütchen ziehen denselben, stehen Spalier und keines, kein einziges zieht den Kopf ein, wenn wir uns auf sie stürzen. Einlenken, kurz und heftig bremsen, und dann wieder hinaus auf die Startbahn ballern. Immer wieder. Die Reifen, gemischt, sind mit dem Untergrund verheiratet, frisch verliebt.


Und dann sind da noch Spielereien. Die Launchcontrol oder Trackrace-Mode. Klar, der Wagen springt nach vorn wie ein hungriger Teenager, wenn zum ersten Mal auf die Reeperbahn darf. Aber das können E-Autos meist deutlich besser, was auch kein Wunder ist, sondern die Routine eines Elektromotors. Aber der Reihensechszylinder mit BiTurbo-Aufladung und der Akustik der Abgasanlage kann eben zwei Dinge besser. Erstens den Sound, der beim M4 nicht zu heftig ausfällt, aber trotzdem die Ohren umspielt und zweitens das Drehmoment, dass eben bei hoher Drehzahl den BMW so richtig anschiebt und zwar bis ans bittere Ende, wo dann die Hütchen warten und die Bremsen mitspielen müssen.


Für den Fan deftiger Drifts hat BMW eine kleine Überraschung parat. Das DSC läßt sich über zehn Stufen justieren, bis der Drift so richtig passt. Und dazu gibt’s noch eine Art Aufzeichnung, die man dann später seinen Kumpels zeigen kann. Wieviele Drifts versucht und wieviele erfolgreich. Das ist die Frage aller Fragen in einem M4 von BMW.


Umsteigen in den M3, also vier Türen und 480 PS, denn wir sind im „normalen“ M3 unterwegs. Den Fünfsitzer bewegen wir auf öffentlichen Straßen, was uns die Gelegenheit gibt, den Komfort und den Topspeed zu testen. Beides ist gewohnt auf sehr hohem Niveau an Bord. 250 km/h sind für diesen Bayern ein Klacks, wir schneiden eine Schneise in den Berufsverkehr und setzen uns an die Spitze einer kleinen und überraschten Gruppe von Bürolimousinen. Sie alle dürfen dem Heck, dem Diffusor und den vier Endrohren nachsehen. Adieu.


Zur Orientierung, M3 und M4 sind technisch identisch. Sie sind fahrdynamisch auf dem gleichem Niveau unterwegs.


Ein paar geordnete Worte zum Design, der Ästhetik der Beiden Ms. Die Niere, als optische Visitenkarte, hoch, sehr präsent, ohne Rahmen aber trotzdem ein Bild mit einer Message. Ich bin der optische Mittelpunkt aller M-Modelle. Expressionismus aus Bayern. Zudem sehen wir mächtige Radhäuser, als Ausdruck einer mechanischen Muskulatur. Breit, breiter. Die Flanken beider Modelle könnten kaum ausdrucksstärker sein. Kräftige Schattenlinien und Kanten, die die Seite des BMW in eine Skulptur verwandeln, je nach Lichteinfall.


Und jetzt den Kopf ins Freie. Das 4er Cabrio wartet. Nagelneu und ebenfalls mit dieser speziellen Niere ausgestattet, also auch ein M in groß. Der M440i xDrive ist ein offener 4er mit 374 PS und derzeit das Flaggschiff aller 4er Cabrios. Insgesamt stehen derzeit vier Versionen beim Händler. Angefangen beim 420i mit vier Zylindern, 184 PS für 54.800,00 Euro über den 430i mit 258 PS für 59.800,00 Euro bis zum M440i zum Preis von 75.900,00 Euro. Einen Diesel gibt’s auch, der Vierzylinder Turbodiesel im 420d liefert 190 PS und er kostet 57.300,00 Euro. Alle Preise verstehen sich ohne Extras. Logisch.


Beeindruckt hat uns uns, neben dem starken Sechszylinder und der damit verbundenen Fahrdynamik, die Dachkonstruktion. Es geht um das Gerüst für das Stoffdach. Bisher wurde ein Gestänge verwendet, dass sich mit der Zeit durch den Stoff drückte und das Auto mit geschlossenem Verdeck wie ein Zweimann-Zelt aussehen lies. BMW hatte eine Idee und die ist simpel und vermutlich recht wirkungsvoll. Aus den runden Stäben, den Spriegeln, machte BMW breite und flache Stäbe, die man von Aussen kaum noch erkennen kann. Das soll erstens der Optik helfen und zweitens das Dach besser in Form halten. Und es wirkt. Selbst aus der Nähe ist das Gerippe unter dem Stoff kaum sichtbar. Wie lange dieser Effekt hält, bleibt abzuwarten. Die Qualität des Stoffes spielt dabei sicher eine wichtige Rolle.


Auf der Straße, bei geöffnetem Verdeck, lassen wir den noch schüchternen Frühling ins Auto. Der Sechszylinder tut, was ein BMW-Sechszylinder so tut. Er liefert und zwar gelassen und souverän. Beim Fahrwerk haben die Entwickler das große M in den Vordergrund gestellt. Der Viersitzer rennt sehr sauber nach vorn, er läßt sich sehr präzise in Kurven führen und die 500 Newtonmeter Drehmoment sorgen ab 2000 Touren für reichlich Durchzug. Jetzt möchte man gerne wissen, was der frische Bayer in zackigen Bergkurven so von sich gibt. Dach zu, Stille.


Autobahn, 220, der Fahrtwind klopft recht leise an, die Reifen hört man kaum. Das Thema Dämmung, früher bei BMW nicht immer sauber gelöst, ist bei diesem Cabrio kein Problem. Wir lassen den Wagen los, 250 km/h schafft er locker. Dass wir knapp 1.900 Kilo durch die Gegend bewegen, merkt man kaum. Ganz weit hinten passen mittlerweile 385 Liter Gepäck rein, dank des neu gestalteten Lagers für´s Verdeck. Haben wir was vergessen? Nein, eine gute Stunde in diesem BMW reicht gerade mal aus für eine kurze, sehr kurze Vorstellung.



Die technischen Daten (laut Hersteller):

BMW M4 Competition

Motor: 6-Zylinder Reis BiTurbo

Hubraum: 2.993 ccm

Leistung: 375 kW / 510 PS bei 6.250 U/min

Drehmoment: 650 Nm bei 2.750 bis 5.500 U/min

Antrieb: Hinterräder oder Allrad

Getriebe: 8-Gang Steptronic


Maße:

Länge: 4.794 mm

Breite: 1.887 mm

Höhe : 1.393 mm

Radstand: 2.857 mm

Wendekreis: 12,20 m

Leergewicht: 1.725 kg

Tank: 59 l

Kofferraum: 440 l

Fahrleistungen und Verbrauch

:0-100 km/h: 3,9 s

Top Speed: 250 km/h

Verbrauch kombiniert nach WLTP:

9,9 bis 10,2 l/100 km

CO2 kombiniert nach WLTP::

227 bis 233 g/km

Euro 6d